Nestlé-Werk Schwerin : Eidechsen ziehen für 25 000 Euro um

<strong>Die Zauneidechse  steht in Deutschland auf der so genannten Vorwarnliste</strong> der Roten Liste der gefährdeten Arten, in der Schweiz gilt das Tier bereits als gefährdet. <foto>zvs</foto>
Die Zauneidechse steht in Deutschland auf der so genannten Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Arten, in der Schweiz gilt das Tier bereits als gefährdet. zvs

Für die Ansiedlung des Nestlé-Werkes im Industriepark Schwerin sind 220 Eidechsen, Frösche und Kröten umgesiedelt worden. Der Konzern musste dafür zusätzlich 25 000 Euro bezahlen.

svz.de von
27. Juni 2012, 06:19 Uhr

Göhrener tannen | Am 20. August soll Baubeginn für das Nestlé-Werk im Industriepark Schwerin sein. Die Bürocontainer stehen bereits, die ersten Mitarbeiter sind eingezogen. Ausgezogen sind dagegen Eidechsen, Frösche und Kröten - wenngleich nicht freiwillig. Die Tiere wurden umgesiedelt.

Für die einst in Aussicht gestellte Ansiedlung eines BMW-Werkes in den Göhrener Tannen wurde ein Bebauungsplan aufgestellt. Doch die meisten der darin ausgewiesenen Flächen liegen seit 2001 brach. Wenn aber mehr als sieben Jahre lang nichts geschieht und nichts gebaut wird, so die bundesdeutsche Gesetzgebung, hat das Folgen. Es muss ein so genannter artenschutzrechtlicher Fach beitrag erstellt werden.

Der weist für die rund 30 Hektar großen Fläche, die für die Kaffee-Kapsel-Produktion zunächst bebaut werden soll, aus, dass hier Frösche, Kröten und vor allem Zauneidechsen zu Hause sind. Und die sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Deshalb wurden die Tiere eingefangen. Sie sollen auf einer Fläche nördlich des Industrieparks wieder ausgesetzt werden. Doch dieses Areal gehört dem Land. Mit dem muss die Stadt aber erst noch eine Vereinbarung abschließen, damit die Eidechsen, Frösche und Kröten dort wieder ausgesetzt werden dürfen. Deshalb werden die Tiere auf einer Fläche in der Nähe von Sternberg "zwischengehältert", wie es im Verwaltungsdeutsch heißt. Die ganze Aktion, die Umsiedlung von 220 Exemplaren, kostet 25 000 Euro. Bezahlen muss das der Investor Nestlé - zusätzlich. Der hat nämlich bereits mit dem Kaufpreis 42 Cent pro Quadratmeter als Ausgleichsabgabe auf den Tisch legen müssen. Denn für den Industriepark wurden generell Ausgleichsflächen im Siebendörfer Moor ausgewiesen und auch schon umgestaltet. Ziel ist es, die Moorflächen wieder zu vernässen.

So wie Nestlé könnte es jedem weiteren Investor gehen, der sich im Industriepark Schwerin ansiedeln will. Er müsste Extra-Geld ausgeben, um Eidechsen umzusiedeln. Dem will die Stadt entgegenwirken und prüft derzeit, ob generell noch einmal weitere Ausgleichsflächen ausgewiesen werden können. Dann nämlich müssten nicht jedes Mal Frösche und Kröten gesucht, gezählt und umquartiert werden.

Die Macht der kleinen Tiere bekam auch schon Rennorganisator Ingo Kalderasch zu spüren. Bevor das erste Rennen auf seiner Sorea-Off-Road-Strecke in den Göhrener Tannen gestartet werden konnte, musste er die Piste einmal langsam abfahren. Den Lurchen und Kriechtieren sollte so Gelegenheit gegeben werden, sich in Sicherheit zu bringen. Anschließend musste er einen Zaun ziehen, um Eidechsen und Co. den erneuten Zutritt zur Rennstrecke zu verwehren.

Auch um das Nestlé-Gelände wurde bereits ein niedriger, geschlossener Zaun gezogen. Der ist aber an einigen Stellen von Vandalen schon wieder niedergetreten worden. Eidechsen hätten also derzeit schon wieder unbefugt Zutritt.

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