zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

19. August 2017 | 02:04 Uhr

Industriepark Schwerin : Eidechsen müssen umziehen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nachdem bereits für Nestlé hunderte der geschützten Tiere umgesetzt wurden, gilt das für alle weiteren Ansiedlungen im Industriepark

Wer hätte je gedacht, dass freie Flächen für die geschützten Zauneidechsen in Schwerin fehlen würden? Doch Wirtschaftsdezernent Bernd Nottebaum musste jetzt zugeben, dass es inzwischen eng geworden ist. Die sowohl auf sonnige als auch schattige Plätze angewiesenen Reptilien tummeln sich nämlich ausgerechnet im Industriepark Schwerin. Und wenn es eine Ansiedlung gibt, müssen die Tiere durch ausgebildete Fachkräfte umgesiedelt werden. Mehr als 200 Zauneidechsen mussten so beispielsweise für Nestlé umziehen. Dort, wo die Tiere jetzt leben, passen aber keine weiteren mehr hin. So landeten die Echsen vom Areal, auf dem der Flugzeugsitze-Hersteller ZIM gerade baut, auf dem Nachbargrundstück, das das Ehepaar Zimmermann als Vorbehaltsfläche schon einmal reserviert hat. Woanders war kein Platz mehr.

Die Umsetzung der Zauneidechsen, pro Quadratmeter kostet das etwa zwei Euro, wird im Übrigen vom Land mit 90 Prozent gefördert. Es sollen aber nicht prophylaktisch alle noch unbebauten 290 Hektar des Industrieparks von den kleinen Reptilien befreit werden, sondern immer nur das jeweilige Grundstück, auf dem ein Investor bauen möchte.

Das gilt ebenso für die Munitionsberäumung. Zur Erinnerung: Das langjährig militärisch genutzte, 350 Hektar große Areal war Anfang der 2000er-Jahre bis in eine Tiefe von 50 Zentimeter von Waffenresten befreit worden, als es um die mögliche Ansiedlung von BMW ging. Dass das nicht ausreicht, hat Nestlé gezeigt, die in der Bauphase sogar zwei Tage pausieren mussten, um die Munitionsräumer arbeiten zu lassen.

Für jeden neuen Investor wird die Stadt deshalb entsprechend der Baupläne für das neue Werk künftig die jeweiligen Flächen beräumen lassen. Auch hierfür übernimmt das Land 90 Prozent der Kosten, informierte Wirtschaftsdezernent Nottebaum. Damit das möglich ist, wird die Stadt den kompletten Industriepark mit seinen noch unbebauten 290 Hektar vom Land kaufen. Im nicht öffentlichen Teil der Beratung des Hauptausschusses ist der entsprechende Vertrag in dieser Woche den Kommunalpolitikern vorgestellt worden. Und auch für die von der Stadt auf einen Schlag zu zahlende Grunderwerbssteuer gibt es eine 90-prozentige Förderung durch das Land.

Potenzielle Investoren können also künftig von der Stadt die benötigten Flächen erwerben, die dann sowohl von militärischen Altlasten als auch von den geschützten Zauneidechsen befreit sind. Als erster wird Nottebaum zufolge die SAS davon profitieren: Sie möchte ihre Bioabfallverwertungsanlage in den Göhrener Tannen erweitern.

„Wir sind gut im Plan, in jedem Jahr mindestens eine Neuansiedlung im Industriepark zu haben“, bilanziert Nottebaum. Die Kooperation mit der Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes „läuft professionell gut“. Die Nachfrage nach freien Grundstücken in Schwerin an. Nestlé haben Sogwirkung, so der Dezernent.

zur Startseite

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen