Museumsschätze : Ehepaar nach 175 Jahren vereint

Johanna Christiane Stampe lebte von 1784 bis 1846. Ihr Bild ist neu im Museum. Repro: Janke
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Johanna Christiane Stampe lebte von 1784 bis 1846. Ihr Bild ist neu im Museum. Repro: Janke

Verborgene Kostbarkeiten: Volkskundemuseum bewahrt seltene Daguerreotypien und knüpft dabei sogar alte Familienbande neu

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10. September 2015, 21:00 Uhr

Friedrich Wilhelm Alexander Stampe war Bürgermeister zu Lübz und lebte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Verheiratet war er mit Johanna Christiane Stampe, Tochter des Mühlen Eichsener Pastors. Beide starben in den 1840er-Jahren, doch 175 Jahre später sind sie wieder vereint: als golden gerahmte Daguerreotypien im Freilichtmuseum Mueß. Während Alexander Stampe schon länger dort aufbewahrt wird ist seine Gattin ein echter Neuzugang.

Hinter dem fast unaussprechlichen Wort verbirgt sich der Vorläufer der Fotografie, Mitte des 19. Jahrhunderts absolut modernste Technik. Entwickelt hat das Verfahren der französische Maler Louis Jacques Mandé Daguerre in den Jahren 1835 bis 1839. Die Daguerreotypie ist eine Fotografie auf einer spiegelglatt polierten Metalloberfläche. Hierzu wurden meist versilberte Kupferplatten genutzt, die durch Jod-, Brom- oder Chlordampf lichtempfindlich gemacht. Wegen der geringen Empfindlichkeit dauerte eine Belichtung an der Sonne anfangs zehn bis fünfzehn Minuten – vor allem Gebäude wurden in der Anfangszeit fotografiert. Später brauchte die Belichtung weniger als eine halbe Minute, wodurch Porträts möglich wurden. Aber immerhin: Wer so lange still sitzen musste, verkniff sich oft das Lächeln. Viele der Abgebildeten schauen heute recht grimmig in die Augen der Betrachter. Entwickelt wurde die Daguerreotypie mit Hilfe von Quecksilberdämpfen, fixiert zum Teil in Zyankali-Lösung. Alles in allem ein für den Fotografen ganz schön ungesundes Verfahren.

Einer der ersten Daguerreotypisten in Schwerin war Carl Rettberg (1808-1883). Er war von Haus aus Maler, betrieb ein Daguerreotypie-Atelier in Lübeck, bevor er 1846 zurück in seine Geburtsstadt Schwerin kam. Am 20. November 1847 taucht diese Annonce auf: Daguerreotypie-Porträts werden von morgens 9 bis 1 Uhr und nachmittags von 2 bis 4 Uhr gefertigt. Ein Bild kostete fünf bis sechs Mark.

Auch das Ehepaar Stampe hat Rettberg abgelichtet. „Spannend ist, dass es sich bei den Bildern nicht um direkte Porträts handelt, sondern um Reproduktionen, wahrscheinlich von gemalten Pastellen. Das Warum lässt Raum für Spekulationen: Vielleicht wollten die Dargestellten noch mal ein Foto von sich aus früheren Tagen haben? Oder dieses verschenken? Oder nicht so lange still halten beim Fotografieren?“, sagt Volkskundler Volker Janke, der das Fotoarchiv in Mueß betreut. „Wertvoll macht das Pärchen die Tatsache, das bisher erst fünf Daguerreotypien bekannt sind, die sich einem mecklenburgischen Fotografen zu ordnen lassen. Und dass das lange Zeit getrennte Pärchen auf unterschiedlichen Wegen nach Mueß gefunden hat, um hier für immer ungetrennt bewahrt zu bleiben.“

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