Crivitz : Ehemaliges Kino ist ein Haus ohne Aussicht

Das Geländeund der Bürgersteig  vor dem alten Kino sind beliebter Innenstadt-Parkplatz. Denn vor dem Amt gegenüber dürfen Autos nur zwei Stunden lang stehen. „Aber das Parken auf dem Bürgersteig ist verboten, da verteilen wir Knöllchen“, so Hartmut Paulsen.
Das Geländeund der Bürgersteig vor dem alten Kino sind beliebter Innenstadt-Parkplatz. Denn vor dem Amt gegenüber dürfen Autos nur zwei Stunden lang stehen. „Aber das Parken auf dem Bürgersteig ist verboten, da verteilen wir Knöllchen“, so Hartmut Paulsen.

Seit fünf Jahren steht das ehemalige Kino mitten in der Stadt leer und ein Verkauf scheint aussichtslos – das Gebäude steht unter Denkmalschutz

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05. Mai 2018, 16:00 Uhr

Wohl jede Gemeinde im Schweriner Umland kennt das Problem: Schandflecke stören das Dorf- oder Stadtbild. Die alten Häuser verfallen wegen ungeklärter Eigentumsfragen, purem Desinteresse oder fehlenden Käufern. Wir stellen einige dieser Ärgernisse vor.

Das ehemalige Kino in Crivitz kennen viele Einwohner noch aus ihrer Jugendzeit. Seit 2013 steht dieses das Stadtbild prägende Gebäude leer und verfällt zusehends. Auch Sperrmüll wird gern auf dem Gelände abgestellt.

„Ich bin in meiner Kindheit in den 60-ern dort immer ins Kino gegangen“, erzählt beispielsweise Rosemarie Böther aus der Stadtbibliothek. „Und später hat sich unsere Frauenakademie immer im oberen Kinosaal getroffen.“ „Ich habe da 1987 ‘Dirty Dancing’ gesehen“, erinnert sich eine Mitarbeiterin des Amtes Crivitz schräg gegenüber. Und Ordnungsamtschef Hartmut Paulsen hat dort regelmäßig Silvester gefeiert. „Seit 1975 fanden dort viele Kulturveranstaltungen statt, im Kinosaal ist ja auch eine Bühne“, so Paulsen. Regelmäßige Ausstellungen gab es ebenfalls. Ab 1970 war eine beliebte Disco Anziehungspunkt für die Stadt und das Umland. Doch nach der Wende war das 1956 erbaute Gebäude nicht mehr als Kulturhaus für die Stadt zu halten. Ab 1991 wurde es verpachtet, ab 1993 war die Gaststätte „Zum Amtsschimmel“ darin. 1998 wurde das Gebäude verkauft. Von 1999 bis 2013 versuchten vier Restaurants ihr Glück in dem Haus, doch alle mussten irgendwann aufgeben. Und das, obwohl es außer dem „Seeblick“ kein weiteres Restaurant in der 5000-Einwohner-Stadt gibt. „Ich verstehe nicht, warum die Restaurants sich nicht halten konnten“, sagt Hartmut Paulsen.

Seit 2013 steht das große Gebäude jedenfalls leer und niemand will es haben. „Da müsste ja sehr viel investiert werden, um die Heizung, die Küche, die Sanitäranlagen und die Wärmedämmung auf einen modernen Stand zu bringen“, vermutet Paulsen. „Ich wünsche mir, dass das Gebäude stehen bleibt, aber einer vernünftigen Nutzung zugeführt wird, zum Beispiel als Wohnraum.“

Dass das Kino auch noch unter Denkmalschutz steht, dürfte es nicht leichter machen, einen Käufer zu finden. Denn damit ist ein Umbau bei einer Nutzungsänderung sehr erschwert. Weil der Kinosaal verständlicherweise ohne Fenster gebaut wurde, ist es deshalb kaum möglich, diesen großen Teil des Gebäudes mit Tageslicht und Aussicht zu versehen. „Da spielt aber auch Baurecht eine Rolle“, erklärt Andreas Wißuwa vom Fachdienst Bauordnung beim Landkreis Ludwigslust-Parchim. „Die Nordwest-Seite steht komplett auf der Grundstücksgrenze, die Südost-Seite näher als 2,50 Meter. Dann dürfen aus Brandschutzgründen keine Fenster eingebaut werden.“ Nur bei der Hälfte der Wand zum Krankenhaus wäre ein Einbau nach Baurecht möglich.

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