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25. November 2017 | 01:22 Uhr

Ehemaliger Hausmeister vor Gericht

vom

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erstellt am 21.Feb.2013 | 08:47 Uhr

Er ist 47 Jahre alt, Familienvater, Ehemann. Elf Jahre lang hat er als Hausmeister an der Schule in Rastow bei Schwerin gearbeitet. Als Jugendwart war er aktiv bei der Freiwilligen Feuerwehr. Kurzum, er war bekannt in Rastow und offensichtlich auch bei vielen beliebt.

Umso größer das Erschrecken im Ort, als im September 2012 die ungeheuerlichen Vorwürfe gegen den Mann laut wurden. Er soll in der Schule mehrere Kinder sexuell missbraucht haben. So viel hat sich rasch herum gesprochen. Im September führte die Polizei den Hausmeister ab, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Wie sich nun herausstellt, sind die Vorwürfe wahr.Gestern, zu Beginn des Prozesses vor dem Schweriner Landgericht, legte er ein Geständnis ab. Genau genommen war es sein Verteidiger Ullrich Knye, der sagte, sein Mandant gestehe die Vorwürfe aus der Anklage „voll umfänglich“ ein. Damit sollten vor allem die Betroffenen geschützt werden, die nun nicht mehr vor Gericht aussagen müssen.

Was dem 47-Jährigen genau vorgeworfen wird, hörten Medienvertreter und Besucher gestern nicht. Nebenklage-Anwältin Christine Habetha stellte schon vor Verlesung der Anklage den Antrag, die Öffentlichkeit auszuschließen. Sie vertritt zwei der Opfer. Mit dem Verweis auf deren „schutzwürdige Interessen“ folgte das Gericht dem Antrag, ließ dann aber die Zuschauer zu der kurzen Stellungnahme des Angeklagten wieder zu.

Der 47-Jährige räumt alle 13 Fälle aus der Anklage ohne Wenn und Aber ein. Die listet nur solche „Ereignisse“ auf, bei denen die Jungen zwölf und 13 Jahre alt waren – also auch im juristischen Sinne Kinder. Dabei ist es den Ermittlungen zufolge weder zu Geschlechtsverkehr noch zur Anwendung von Gewalt gekommen. Offenbar hat sich der Hausmeister die Schüler unter anderem mit kleinen Geschenken wie Alkohol und Tabak gefügig gemacht. Bei einer Hausdurchsuchung hatten die Ermittler laut Anklage auch kinderpornografische Schriften gefunden. Neben dem mehrfachen Missbrauch wird ihm auch sexuelle Nötigung vorgeworfen.

Vier Kinder waren der Anklage nach von den Übergriffen betroffen. Einmal hat der Hausmeister wohl auch mit „Kloppe“ gedroht, als der Junge nicht so wollte wie er. Die angeklagten Taten ereigneten sich zwischen Juli 2007 und September 2012 in der Schule. Heute sind die vier Jungen beziehungsweise Männer zwischen 12 und 18 Jahre alt, drei von ihnen sind Nebenkläger.
Der Jüngste hat es irgendwann nicht mehr ausgehalten, sich der Mutter offenbart, die dann mit einer Anzeige die Ermittlungen ins Rollen brachte. Wa-rum der Hausmeister den Missbrauch über so viele Jahre offensichtlich ungestört betreiben konnte, ist bislang unklar. Rechtsanwältin Christine Habetha findet harte Worte dafür: „Die Schule hat hier versagt“.

Der Angeklagte sagte gestern, dass er nach wie vor einen großen Freundeskreis habe und auch, dass seine Familie zu ihm stehe. Verteidiger Ullrich Knye, einer von zwei Verteidigern, verlas einen Brief des erwachsenen Sohnes seines Mandanten. Der betont schriftlich, dass er seinen Vater immer als liebevoll kennengelernt habe. Der Angeklagte selbst schildert auf Fragen des Gerichts, dass er in einer Pflegefamilie aufwuchs, die Schule nach der zehnten Klasse mit guten Ergebnissen abschloss und 2001 die Stelle als Hausmeister antrat. Aus dieser sei er inzwischen fristlos entlassen. Er wolle nach der Haftzeit mit seiner Familie in ein anderes Bundesland ziehen. Im Prozess soll auch ein psychiatrischer Gutachter gehört werden.

„Mein Mandant ist froh, dass er hier nicht aussagen muss“, sagt Nebenklagevertreter Matthias Macht. Nach dem Geständnis genügt es dem Gericht offenbar, die Aussagen der Schüler aus dem Ermittlungsverfahren in die Hauptverhandlung einzubeziehen. Es sollen auch weitere Zeugen gehört werden. Jetzt, wo der Angeklagte die Vorwürfe eingeräumt hat, kann der Prozess voraussichtlich um zwei Tage verkürzt werden, sagte der Vorsitzende Richter Armin Lessel.
Wenn es dabei bleibt, wird das Urteil am 6. März gesprochen.

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