Haus „Seeblick“ : Ehemalige Klinik-Leiterin erinnert sich

Irmgard Schultz beim Abfüllen der gespendeten Milch.

Irmgard Schultz beim Abfüllen der gespendeten Milch.

Irmgard Schultz leitete die Frauenmilchsammelstelle in der ehemaligen Klinik „Seeblick“.

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05. Oktober 2019, 16:00 Uhr

Gerne nimmt sich Irmgard Schultz das kleine Fotoalbum mit den Bildern aus der Frauenklinik vor. Von 1952 bis 1962 arbeitete die Schwerinerin im Haus „Seeblick“ in der Bornhövedstraße, in der heute das HygCen-Prüflabor für Medizintechnik seinen Sitz hat. „Ich verbinde mit der Klinik viele schöne Erinnerungen“, sagt Schultz beim Blättern im Album. Die Schwarz-WeißAufnahmen zeigen sie in Schwesternkleidung, mit Babys auf dem Arm, bei der Arbeit in der Frauenmilchsammelstelle.

Blättern im Album: Irmgard Schultz erinnert sich gemeinsam mit ihrer Tochter Karin an die Arbeit in der früheren Frauenklinik.  Fotos: Koepke / Archiv Schultz
Blättern im Album: Irmgard Schultz erinnert sich gemeinsam mit ihrer Tochter Karin an die Arbeit in der früheren Frauenklinik. Fotos: Koepke / Archiv Schultz
 

Noch kurz vor Kriegsende begann Irmgard Schultz eine Ausbildung in einem Güstrower Kinderheim. Nach dem Krieg war sie dann zunächst als Sprechstundenhilfe in Schwerin tätig. „Ich wollte aber unbedingt Kinderkrankenschwester werden, deshalb habe ich mich im Rostocker Universitätskrankenhaus beworben“, erzählt die heute 92-Jährige. Und sie hatte Erfolg mit ihrer Bewerbung, bekam den begehrten Ausbildungsplatz.

Leiterin der Frauenmilchsammelstelle

Um für ihre alleinstehende Mutter zu sorgen, kehrte Irmgard Schultz nach der Lehre in ihre Heimatstadt zurück und nahm die Stelle in der Frauenklinik an. „Ich habe erst auf der Neugeborenen- und auf der Frühchen-Station gearbeitet“, berichtet Schultz. 1955 sei ihr dann die Leitung der gerade eingerichteten Frauenmilchsammelstelle übertragen worden.

In einem Zeitungsartikel aus der damaligen Zeit gibt „Schwester Irmgard“ Auskunft über ihre Tätigkeit. „Wir sind so froh über diese neue Station“, sagt sie dem Reporter. „Die Sammelstelle wurde gebraucht“, betont Irmgard Schultz auch heute noch. Für ihre verantwortungsvolle Aufgabe sei sie speziell geschult worden: „Jede eingehende Milch-Spende habe ich überprüft.“

Blickt mit Dankbarkeit zurück

1962 wechselte Irmgard Schultz in die Krippe in der Schillerstraße, wo sie bis zur Rente als Kinderkrankenschwester arbeitete. „Wir wohnten in der Weststadt, und so konnte ich mich auch besser um meine drei eigenen Kinder kümmern“, erzählt die Schwerinerin.

Auf die Jahre als Schwester in der Frauenklinik blickt Irmgard Schultz mit Dankbarkeit zurück. Seit Juni lebt sie gar nicht weit entfernt vom ehemaligen Haus „Seeblick“ in einer Senioren-Wohngruppe. „Wenn ich einen Spaziergang mache, sehe ich die frühere Klinik. Dann kommen die Erinnerungen wieder“, sagt sie. In dem Krankenhaus seien auch ihre Kinder geboren. „Und ich habe in der Klinik meinen Mann kennengelernt, der dort die Telefonanlage eingebaut hat.“

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