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Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2017 | 22:08 Uhr

Ansturm auf Bäume : Edle Hölzer unterm Hammer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gädebehner Forstamtsleiter Ingo Nadler versteigerte bei Auktion des Landes Eichen und Eschen aus dem Werderholz: Gesamterlös 242 000 Euro

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Gestern war Zahltag für Förster und Waldbesitzer aus Mecklenburg-Vorpommern: Bei der Wertholzversteigerung des Landes im Crivitzer „Haus Seeblick“ wurden 242 000 Euro eingenommen. Dafür kamen 601 Festmeter Laubholz unter den Hammer des Auktionators Carsten Küsel. Stämme von neun verschiedenen Baumarten standen zur Versteigerung, zumeist Eichen und Eschen. Immerhin zwölf Vertreter der Möbelindustrie aus ganz Deutschland waren wegen dieser Kostbarkeiten aus den Wäldern extra nach Crivitz gekommen und sicherten sich nach so mancher Bieterschlacht die edlen Hölzer.

Für den Gädebehner Forstamtsleiter
Ingo Nadler ist dieser Auktionstag im Januar immer etwas ganz Besonderes. Schon seit Jahren gehört er zu den Förstern, die einzelne Lose aufrufen und die Versteigerung leiten, bis der Chefauktionator den Zuschlag erteilt. Eine gute halbe stand Nadler gestern am Pult. Und da bot er auch die Stämmen aus seinem Forstamtsbereich an. „Die kamen dieses Jahr aus dem Werderholz im Revier Schelfwerder“, berichtet Ingo Nadler. Konkret waren es sieben Eichen und drei Eschen. Die brachten es zusammen auf knapp 20 Festmeter Wertholz. „So viel steuern wie in etwas in jedem Jahr bei“, betont Nadler. Zumeist kommen alle Stücke dann auch aus einem Revier des Forstamtes. Denn bei normalen Erntearbeiten in den Wäldern zwischen Schwerin und Sternberg lassen die Förster die besten Stücke extra stehen, damit diese zu einem späteren Zeitpunkt bei der Landesauktion angeboten werden können. Im Herbst wurden sieben prächtige Eichen und drei Eschen im Werderholz gefällt. Die Eichen waren wohl um die 170 Jahre alt, die Eschen etwa 100 Jahre, schätzt Nadler. Dass diese Bäume zu Wertholz wurden, verdankten sie ihrem geraden, weitgehend astfreiem Wuchs. Wenn dann noch der entsprechende Umfang hinzukommt, lässt sich viel Geld mit so einem edlen Gehölz erzielen.

Nach dem Fällen wurden die Stämme aus dem Werderholz in die Nossentiner Heide gebracht. Dort lagen alle Versteigerungsstücke aus MV, damit die Interessenten die Stämme in Augenschein nehmen konnten. Denn im Dezember hatte das Schweriner Landwirtschaftsministerium einem Katalog mit allen edlen Hölzern an Möbelproduzenten in ganz Deutschland verschickt. Anfang Januar schauten die Interessenten sich an, was in den Wäldern von Mecklenburg-Vorpommern Prachtvolles herangereift war. Und immerhin ein Dutzend Interessenten kam gestern zum Einkaufen nach Crivitz. Die räumten auch alles ab: Alle Stämme wurden versteigert. Renner waren wieder einmal die Eichen. Diese Stämme wurden zumeist für 300 bis 400 Euro pro Festmeter angeboten. Der Zuschlag fiel jedoch meist bei deutlich höheren Geboten. Im Durchschnitt brachte ein Festmeter Eiche gestern in Crivitz 564 Euro. Den Spitzenwert erzielte eine Stieleiche aus dem Stadtwald von Rostock mit 1200 Euro pro Festmeter. Den 2,5 Festmeter starken Stamm ersteigerte ein Furnierwerk aus Bayern. Unter dem Strich noch teurer war ein Eichenstamm aus dem Forstamt Dargun. Der Festmeterpreis hier ging auf 1150 Euro hoch. Bei insgesamt 5,63 Festmetern brachte der Stamm knapp 6 500 Euro. Diese hohen Preise zahlen aber nur die Spezialisten aus der Furnierindustrie. Deren Vertreter steigen bei der Auktion zumeist auch erst ein, nachdem die Möbelhersteller bei 500 bis 600 Euro je Festmeter mit dem Bieten schon fertig waren. „Die haben einen ganz anderen Blick für die Stämme und wissen genau, was die da rausholen können“, stellt Hella Stein von der Forstbehörde des Landes fest. Genau darauf kommt es dem Landwirtschaftsministerium auch an. „Bei der Wertholzversteigerung erfahren wir auch, wie viel wir erlösen können.“ Und nicht nur Eichen brachten gestern gutes Geld, auch mit dem Erlös bei den Eschen war Hella Stein zufrieden. Diese Baumarten machten gestern 85 Prozent des Angebotes aus.

Die Bäume stammen dabei nicht nur aus den Wäldern des Landes. Auch private Waldbesitzer, Städte wie Rostock mit der besten Eiche und die Universität Greifswald waren vertreten. „Die Wertholzversteigerung ist für alle da, sie soll auch eine Übersicht über die besten Hölzer aus den ganzen Land sein“, betont Hella Stein. Mit der gestrigen Versteigerung waren nicht nur die beteiligten Waldbesitzer zufrieden. „Die Ergebnisse zeigen, dass sich erstklassige Qualität gut verkaufen lässt“, so Minister Dr. Till Backhaus.

Dass die gestrige Auktion zum allerersten Mal im Crivitz und nicht in Schwerin stattfand, kam durch einen kurzfristigen Ortswechsel zustande. Maik Hortig vom Haus Seeblick sagte spontan zu, nachdem am Mittwoch der Stammort der Auktion, das Gasthaus „Zur Mueßer Bucht“, absagen musste. „Wir sind sehr dankbar, dass wie ganz unkompliziert hierher ausweichen konnten“, bedankt sich Hella Stein.


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