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Zeitung für die Landeshauptstadt

25. November 2017 | 03:27 Uhr

Schwerin : Dynamo: Eklat um Werbepartner

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Fußballverein beendet nach öffentlicher Kritik Partnerschaft mit Wirtschaftsagentur eines NPD-Funktionärs

svz.de von
erstellt am 05.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Die SG Dynamo Schwerin hat derzeit drei große Ziele. Erstens: Sie will schnellstmöglich in die Fußball-Verbandsliga aufsteigen. Zweitens: Die Paulshöhe soll auch in Zukunft unter anderem Spielstätte der SG bleiben. Dieses Vorhaben unterstützt mittlerweile auch eine Bürgerinitiative, der sich auch Politiker verschiedener Parteien angeschlossen haben. Drittes Ziel der SG Dynamo: Der Klub möchte seine schlechte Außenwirkung loswerden. Für Letztere sorgten insbesondere in der Zeit von 2003 bis 2012 Dynamo-Anhänger, die durch Krawall und Nähe zum rechten Spektrum aufgefallen sind. Jetzt hat sich vor acht Tagen die Wirtschaftsagentur Suhr aus Dabel dem Sponsorenpool der SG Dynamo Schwerin angeschlossen. Stefan Suhr ist aber nicht nur Chef dieser Agentur, sondern auch Landesschatzmeister der NPD und NPD-Mitglied im Kreistag Ludwigslust-Parchim.

„Eine NPD-Größe wird Sponsor bei der SG Dynamo Schwerin. Damit kommt für mich eine Zusammenarbeit mit der SG Dynamo Schwerin in der Bürgerinitiative ,Erhalt von Paulshöhe’ nicht mehr in Frage“, reagierte Lothar Gajek, Vorsitzender des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied der Stadtvertretung Schwerin, auf diese Partnerschaft. Zudem teilte Gajek in einer öffentlichen Erklärung mit, dass er geschockt sei, was teilweise in der WhatsApp-Chat-Gruppe der Bürgerinitiative abgelaufen sei und spricht dabei von einem „Schmähgedicht“ gegen Flüchtlinge. „Es wird billigend in Kauf genommen, dass rechtsradikal gesinnte Bürger innerhalb des Paulshöhe-Chats agieren und ihre Parolen verbreiten“, so Gajek weiter.

Der Vorstand der SG Dynamo Schwerin hat mittlerweile reagiert. Vorgestern Abend verkündete der Klub, dass die Zusammenarbeit zwischen der SG und der Wirtschaftsagentur in beiderseitigem Einverständnis beendet wurde. Suhr schrieb auf der Facebook-Seite der SG: „Leider ist es in der öffentlichen Wahrnehmung dazu gekommen, dass mein rein privates Engagement bei der SG Dynamo Schwerin mit meiner politischen Tätigkeit in einen Zusammenhang gesetzt wird.“ Für Lothar Gajek steht fest: „Ich glaube nicht, dass diese Zusammenarbeit beendet worden wäre, wenn es keinen öffentlichen Druck gegeben hätte.“

Mit Bezug auf das „Schmähgedicht“ sagt Uwe Brauer, derzeit Interimspräsident bei der SG Dynamo Schwerin, gegenüber der SVZ: „Der Chat ist nicht von Dynamo, sondern von der Bürgerinitiative initiiert. Ich habe den Chat-Verlauf in Bezug auf das Gedicht nochmal gelesen. Von einem billigenden Verhalten würde ich jedenfalls nicht reden.“ So sei beispielsweise derjenige, der dieses geschmacklose Werk eingestellt habe, so Brauer, umgehend aus der Gruppe entfernt worden. „Ob diese von Herrn Gajek angesprochenen Bürger tatsächlich rechtsradikal gesinnt sind, vermag ich nicht zu sagen. Festhalten möchte ich jedoch, dass die Bürgerinitiative ein Sammelbecken aller politischen Richtungen ist.“

Doch wie geht die SG Dynamo Schwerin mit Rechtsradikalen oder rechtsradikalen Tendenzen im Verein um? Uwe Brauer: „Politik hat in meinen Augen nichts im Sport zu suchen. Für alle bei uns im Verein gelten klare Regeln. Eine davon ist, seine politische Gesinnung zu Hause zu lassen. Rassismus, Intoleranz und Gewalt jeglicher Art lehnen wir konsequent ab.“

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