zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 08:42 Uhr

Alt Meteln : Drei Schicksale ziehen um die Welt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kirchen thematisieren am Weltgebetstag Geschichten philippinischer Frauen

svz.de von
erstellt am 05.Mär.2017 | 23:56 Uhr

Als Kind musste sie zu Hause oft miterleben, wie ihre Mutter geschlagen wurde. Als sie sieben Jahre alt war, starb ihre Mutter an Krebs. Nur einen Monat später wurde ihr Vater erschossen – Merlyn war allein, musste zusehen, wo sie bleibt. Mit 15 Jahren gab sie sich aber als volljährig aus, um einen Job als Haushaltshilfe in Manila zu bekommen.

In der Alt Metelner Pfarrscheune ist es ruhig. Keine der rund 20 Frauen sagt etwas. Die Gedanken sind in dieser Minute bei Merlyn. Es sind zwar knapp 9900 Kilometer Luftlinie zwischen Manila und Alt Meteln doch am Weltgebetstag ist das unerheblich. Die Geschichten, Gebete und Lieder des jeweiligen Landes ziehen ein in unzählige Orte weltweit – so auch in Crivitz, Pinnow, Plate, Wittenförden, Zittow und Alt Meteln. „Am ersten Freitag im März feiern Christen diesen Tag. Jedes Jahr bereiten Frauen aus einem bestimmten Land den Gottesdienst vor. Dieses Mal kamen sie von den Philippinen. Wir bekommen die entsprechenden Texte, sprechen über das Land, das Leben der Frauen dort und beten für die Menschen“, erklärt Agnes Kreutzberg, Gemeindepädagogin. Gemeinsam mit neun anderen Frauen hat sie den Abend in der Pfarrscheune vorbereitet. Ideengeberin und vorher jahrelanger Kopf der Vorbereitungsgruppe: Gerlinde Romberg. „Es ist ein schönes Gefühl, dass es diesen Tag gibt. Weltweit findet er am gleichen Tag statt, alle beschäftigen sich mit derselben Thematik“, sagt die 77-Jährige.

„Come to the Circle, komm und erzähl uns“ – gemeinsam singt die Runde diese Zeile. Danach hört sie die Geschichte von der Tagelöhnerin Celia, Mutter eines Kindes. Sie arbeitet auf einer Zuckerrohrplantage. Ihr täglicher Lohn reicht nicht aus, um ihre Familie mit genug Essen zu versorgen. Maschinen verrichten immer häufiger ihre Arbeit.

„Come to the Circle, komm und erzähl uns.“ Editha ist 69 Jahre, Witwe. Sie lebt im Osten der Philippinen. Ein Taifun zerstörte ihren Laden, ihr Haus, nahm ihr fast das Leben. Staatliche Hilfe? Fehlanzeige. Eine christliche Organisation und Hilfsprogramme waren ihr Rettungsanker. Heute lebt sie in einer Hütte, teilt sich das Essen mit ihren Nachbarn. Solidarität ist ihre Kraftquelle.

„Ich bin das vierte Mal beim Weltgebetstag dabei. Für mich   ist das immer wieder eine Horizonterweiterung“, erzählt die 29-jährige Bettina Manthey und wiegt ihre fünf Monate alte Tochter in den Schlaf. Am gleichen Tisch sitzt Heidi Wienkemeier. Sie war schon mehrmals in Schwerin beim Gebetstag dabei. In Alt Meteln schätzt sie die „familiäre Atmosphäre“.

Familiäre Geborgenheit mit einer Prise Nachdenklichkeit – das ist das Gefühl, das sich in der Alt Metelner Pfarrscheune beim gemeinsamen Essen ausbreitet. Die Frage des Abends „Was ist denn fair?“ bleibt im Kopf. Fair ist für Merlyn, Celia und Editha wenig, sie müssen trotzdem mit den Lebensumständen klarkommen, doch am Weltgebetstag haben ihre Geschichten Gehör gefunden.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen