Schwerin : Drei neue Hotels für Schwerin?

Erhalt oder Abriss: Das um 1840 von Georg Adolph Demmler für den Oberhofmeister Otto Henning Freiherr von Stenglin prächtig ausgestattete Adelspalais ist für die Denkmalpflege „ein wichtiges Element der Stadt- und Landesgeschichte“ und soll doch einem Hotel-Neubau weichen.
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Erhalt oder Abriss: Das um 1840 von Georg Adolph Demmler für den Oberhofmeister Otto Henning Freiherr von Stenglin prächtig ausgestattete Adelspalais ist für die Denkmalpflege „ein wichtiges Element der Stadt- und Landesgeschichte“ und soll doch einem Hotel-Neubau weichen.

Für die schon lange diskutierten Projekte müssen noch einige Hürden genommen werden

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01. Februar 2018, 05:00 Uhr

Seit Jahren schon wird in der Stadt über den Bau von zwei neuen Hotels geredet: ein Haus für die Arcona-Living-Gruppe und eins für die B&B-Hotel-Gruppe. Jetzt gibt es auch noch Pläne für ein Motel One. Doch bei allen Projekten sind noch zum Teil hohe Hürden zu überwinden.

Am Beutel, unterhalb der alten Polizeiinspektion, soll ein Hotel mit gehobenem Standard entstehen. Die Arcona-Living-Gruppe würde das Haus langfristig pachten. War es zunächst nur ein Schweriner Investor, der das Gebäude errichten will, so ist es jetzt ein Konsortium aus der Region. „Wir würden einen solchen Hotelneubau sehr begrüßen“, sagt Baudezernent Bernd Nottebaum. „In diesem Preissegment fehlt ein attraktives Haus.“ Der Dezernent wünscht sich, dass dort auch Kapazitäten für Kongresse mittlerer Größe geschaffen werden.

Doch sind nach SVZ-Informationen wesentliche Grundstücksfragen zu klären. Die Investoren wollen sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern.

Auf dem Parkplatz Wismarsche Straße, Ecke Obotritenring möchte die B&B-Gruppe bauen. Das Unternehmen gilt als „Economy-Kette“ und wurde 1990 in der Bretagne gegründet. Ihre Hotels stehen mittlerweile in mehreren Ländern Europas.

In Schwerin soll es unbedingt der Standort auf dem ehemaligen Gaswerksgelände sein. Doch mit dem Bau würden 50 der dortigen Stellplätze verloren gehen. „Wir müssten deshalb die ohnehin geplante Parkpalette um diese 50 Plätze erweitern“, sagt Stadtwerkechef Josef Wolf. Dem städtischen Unternehmen gehört die Fläche.

Doch 50 Stellplätze auf einer Parkpalette haben ihren Preis: Mit einer halben Million Euro kalkuliert Wolf. „Diese Summe müssen wir auf den Verkaufspreis für das Grundstück draufschlagen.“ Die Folge: Der ursprüngliche Grundstückspreis hat sich verdoppelt. Das bringt offenbar die B&B Hotels ins Grübeln. „Wir prüfen das Angebot noch“, sagte eine Firmensprecherin der Zentrale in Hochheim am Main.

Noch nicht so alt wie diese beiden Vorhaben ist das Projekt für ein Motel One an der Nordseite des Grunthalplatzes genau gegenüber dem Intercity-Hotel. Doch das dort stehende Gebäude ist für ein derartiges Hotel nicht geeignet, es müsste abgerissen werden. Das Problem hier: Für das Gebiet gibt es eine von der Stadtvertretung beschlossene Erhaltungssatzung. Das bedeutet – einfach abreißen geht nicht. Der Projektmanager für dieses Vorhaben bietet an, die Fassade stehen zu lassen und dahinter neu zu bauen. Ob sich Stadtverwaltung und Stadtvertretung darauf einlassen, ist noch lange nicht ausdiskutiert. Dabei gibt es für Motel One offenbar Möglichkeiten. Am Domplatz in Magdeburg nutzt die Hotelgruppe ein historisches Gebäude, das einen modernen Anbau bekommen hat.

Worüber noch gar nicht laut diskutiert wird, ist die Frage, ob Schwerin überhaupt weitere Hotels verträgt. „Es wäre eine Bereicherung für die Stadt“, sagt Matthias Theiner, der Regionalchef des Hotel- und Gaststättenverbandes. „Bekannte Hotelketten bringen oft auch ihre Stammgäste mit.“ Wahre Begeisterung will unter den ansässigen Hoteliers aber offenbar nicht aufkommen. Lag doch die Auslastung aller Häuser von Januar bis Oktober 2017 im Durchschnitt knapp unter 40 Prozent. Bei den größeren Hotels war sie etwas höher, weil dort gern auch Reisegruppen absteigen, bei den kleineren Beherbergungsstätten war die Auslastung entsprechend niedriger. Berauschende Zahlen sind das nicht, heißt es aus der Branche. Darüber kann auch eine leicht gestiegene Verweildauer der Gäste nicht hinwegtäuschen. Durchschnittlich blieben Besucher 1,8 Tage in Schwerin.

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