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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. Oktober 2017 | 19:44 Uhr

Drei Jugendclubs vor der Schließung

vom

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erstellt am 25.Sep.2013 | 10:26 Uhr

Schwerin | Es ist eine Mischung von Unsicherheit und Wut, die sich unter den Mitarbeitern der Schweriner Jugendeinrichtungen breit macht. Vor dem Arbeitsamt tragen sie diese lautstark und öffentlich nach außen.

"Das Haushaltssicherungskonzept der Landeshauptstadt sieht vor, dass im nächsten Jahr 175 000 Euro bei der Jugendarbeit eingespart werden müssen. Es ist jedoch völlig unklar, wie das geschafft werden soll, weil die Fortschreibung des Strategiepapiers für die Jugendarbeit noch immer aussteht. Das bedeutet für uns, dass bei dieser Konstellation fünf Personalstellen wegfallen, denn in allen anderen Bereichen ist das Einsparpotenzial ausgeschöpft", erläutert Regina Dorfmann, die Vorsitzende des Stadtjugendrings.

Und sie rechnet weiter vor: Fünf Personalstellen bedeuten bei zwei Stellen pro Jugendeinrichtung, dass praktisch drei Treffs schließen müssten. "Wollen das die Stadtvertreter wirklich?", fragt sie und macht das Szenario plastisch: "Wir haben drei Planungsverbünde für die Jugendarbeit. Also müsste in jedem ein Jugendtreff zugemacht werden. Wer will das entscheiden? Jugendhaus Lankow oder Westclub one? Külzhaus oder Werderclub? Wüstenschiff, Bauspielplatz, Deja vu, Bus stop oder Treff Krebsförden", fragt Dorfmann und setzt fort: "Und wer kann das verantworten?"

Und da laut Gesetz vorgeschrieben ist, dass sich ein Arbeitnehmer bei drohender Arbeitslosigkeit drei Monate zuvor beim Arbeitsamt zu melden hat, müssen die Mitarbeiter nun zur Arbeitsagentur.

Doch zu dieser dramatischen Zuspitzung hätte es nach Meinung des Stadtjugendrings gar nicht kommen müssen: Denn der Jugendhilfeausschuss hatte eine Sondersitzung einberufen, um noch rechtzeitig die Fortschreibung der Strategiepapiers für die Jugendarbeit zu beschließen, was Planungssicherheit für die nächsten drei Jahre gebracht hätte. Aber der Jugend- und Sozialdezernent legte kein Strategiepapier vor, weil die detaillierten Zahlen vom Land noch nicht da waren. Und wenn auf der für heute anberaumten erneuten Sondersitzung wieder kein Beschluss gefasst werden kann, ist das Schreckensszenario kaum noch aufzuhalten.

Warum aber verschlingt die Jugendarbeit in Schwerin so viel Geld? Wofür wird es ausgegeben? Im Haushalt der Stadt sind dafür 1,8 Millionen Euro veranschlagt. Als größter Posten sind darin die Schulsozialarbeiter enthalten. Punkt zwei sind die Jugendhäuser mit den Personalkostenzuschüssen. Posten drei die Straßensozialarbeiter, auch Streetworker genannt, und die Sozialarbeiter der Schulwerkstatt "Fit for life". Und schließlich ist auch eine vergleichsweise bescheidene Summe für Trägerverbundarbeit und Sportjugendarbeit vorgesehen, die - selbst wenn sie komplett gestrichen würde, nicht mal einen Klub retten könnte.

Im Vergleich zu den 90er-Jahren ist die Zahl der Kinder in Schwerin deutlich gesunken, nicht aber das Budget der Jugendarbeit. Warum? Hier hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert, berichtet Regina Dorfmann. Die Zahl der Schulsozialarbeiter sei deutlich gewachsen, die der Jugendtreffs aber habe abgenommen. Das "Check up" ist geschlossen, das "Travellers" ist ins "Wüstenschiff" gezogen, der Alternative Mädchentreff bekommt keinerlei Zuschüsse mehr. Und die aktuelle Entwicklung sieht so aus: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 21 Jahren ist in Schwerin seit mehreren Jahren stabil bei knapp unter 10 000 und wird es laut Prog nosen auch bleiben. Dagegen aber wächst die Zahl der Eltern, die mit der Erziehung überfordert sind. "Sicher, Eltern haben Pflichten, die auch angemahnt werden müssen. Doch wir registrieren, dass die Hilflosigkeit wächst", berichtet Regina Dorfmann. Deshalb sollte die Gesellschaft im Interesse der Kinder Verantwortung übernehmen, damit ihnen die Zukunft nicht verbaut ist.

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