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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 17:15 Uhr

Gross Trebbow : Dorfkirche wird zum Sündenfall

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Groß Trebbower Gotteshaus ist Paradies für Schimmelsporen – Mitglieder des Fördervereins kämpfen weiter um eine Regenrinne

von
erstellt am 07.Apr.2016 | 16:00 Uhr

„Es sind schon wieder 95 Prozent“, sagt Harald Möhler beim Blick auf das kleine Hydrometer an der Kirchenwand. Die Messtechnik sei zwar nicht die neuste, aber durchaus verlässlich, versichert das Mitglied des Fördervereins Dorfkirche Groß Trebbow. Seit einem Jahr notiert Möhler täglich die Luftfeuchtigkeit in der Kirche. Und dabei verlässt er sich nicht nur auf das analoge Messgerät. Auch sogenannte Feuchte-Logger wurden an den Kirchenwänden angebracht. „Alles gut und schön, aber das Grundproblem bleibt – die hohe Luftfeuchtigkeit“, sagt Möhler. Was diese in der Groß Trebbower Kirche anrichtet, sei mittlerweile auch schon für Laien zu sehen. Allein der sehr muffige Geruch verrät dem Besucher beim ersten Schritt in das Gotteshaus, dass der Schimmel sich dort wohlfühlt. „Wir lüften viel, aber das reicht nicht“, sagt Dorothea von Trotha. Sie ist Vorsitzende vom Förderverein zum Erhalt der Trebbower Kirche. Immer wieder hätten Sachverständige bestätigt, dass sich das Problem nur mit einer Dachrinne lösen lasse. Das Regenwasser falle jetzt aus großer Höhe auf das Traufenpflaster und spritzt dann gegen das Mauerwerk. Die starken Auswaschungen an den Backsteinen und insbesondere im Fugenbereich seien nicht mehr zu übersehen.

Aber eben nicht nur die Grundmauern des Gotteshauses sind in Mitleidenschaft gezogen, auch die Schätze im Inneren. „Hier ist es ganz klar zu sehen: Schimmel“, sagt Matthias Kunze. Dem Klavierbauer aus Alt Meteln blutet das Herz. „Klangholz kann maximal eine Luftfeuchtigkeit von 60 Prozent aushalten, die sind hier in der Kirche nie. Ein Wert zwischen 80 und mehr als 90 sind Sünde für die Instrumente“, sagt Kunze und schaut nach weiteren Schadstellen in der Orgel. Die sind schnell gefunden. „Hier ist der Holzwurm aktiv, das ist alles hell und ganz frisch“, erklärt er und wischt den weichen Holzstaub auf einem kleinen Kantholz ab. Und die traurige Nachricht: „Auch bei hoher Luftfeuchtigkeit fühlen sie diese Tierchen wohl.“

Für die Mitglieder des Fördervereins ist das ein weiterer Tiefschlag. „Wir haben die Orgel erst vor wenigen Jahren restaurieren lassen und rund 65 000 Euro investiert. Wenn sich nicht bald etwas ändert, war das alles umsonst“, erklärt Harald Möhler. Doch die Denkmalschutzbehörde lässt keine Dachrinne zu. „Es sei in Mecklenburg nicht typisch und würde gegen die Denkmalschutzrichtlinien verstoßen. Aber was nutzt der Denkmalschutz, wenn das Denkmal verschimmelt“, spitzt Dorothea von Trotha die Situation zu.

Ganz so wollte es Dr. Michael Bednorz, Leiter des Landesamtes für Denkmalschutz, nicht ausdrücken. Er sicherte gestern auf Nachfrage der Redaktion allerdings zu, sich das Problem noch einmal anzuschauen. „Wenn es der einzige Weg ist und es auch wirklich Sinn macht, dann sollte sich in diesem Fall eine Lösung des Problems finden lassen“, sagte Bednorz.

Einen vergleichbaren Fall gab es im vergangen Jahr in Tempzin. Die Außenwände der Klosterkirche waren stets feucht, doch die Denkmalschutzbehörde hat schließlich der Nachrüstung einer Dachentwässerung zugestimmt.

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