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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. August 2017 | 22:32 Uhr

Protest : Dörfer kämpfen gegen Windräder

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sülstorfer, Bandenitzer, Holthusener und Alt Zachuner wehren sich gegen den Bau von 200 Meter hohen Anlagen

Es ist ein Kampf gegen Windmühlen – insgesamt 19, vielleicht aber auch 24. So viele Windkraftanlagen sollen zwischen Sülstorf, Bandenitz, Holthusen und Alt Zachun errichtet werden (SVZ berichtete). Nicht 130, sondern 200 Meter hoch sollen ihre Rotorblätter in den Himmel ragen, nur 1000 Meter von Sülstorf entfernt. „Los gehen soll es schon im August“, sagt Robert Kort aus Sülstorf. Bis Ende des Jahres gäbe es noch die maximalen Subventionen für Windräder. Im Jahr 2015 sollen außerdem auch die Abstandsregeln für solche Anlagen verschärft werden.

Robert Kort ist aktiver Mitstreiter einer Bürgerinitiative, die am gestrigen Ostermontag für jede Menge Gegenwind sorgte. Etwa 150 Einwohner aus vier betroffenen Gemeinden protestierten lautstark auf der grünen Wiese gegen den Windpark. „Wir fordern den Rückzug aus dem Projekt“, sagt auch Heiko Henning aus dem nahe gelegenen Besendorf.

Schlagschatten der Rotorblätter, laute Windgeräusche, Eiswurf von den rotierenden Anlagen im Winter und jede Menge tote Vögel und Fledermäuse im Sommer – damit rechnen die Mitstreiter der Bürgerinitiative. „Und das wollen wir nicht“, sagt Angela Au aus Sülstorf.

Seit Januar stemmt sich die Bürgerinitiative gegen den Windpark. „Die Pläne gibt es wohl schon seit zwei Jahren, aber wir Bürger haben davon erst gar nichts so richtig mitbekommen“, erzählt Robert Kort. Die Bürgerinitiative sammelte mehr als 800 Unterschriften und übergab sie Ministerpräsident Erwin Sellering. Er habe sich zwar bedankt, aber passiert sei seitdem irgendwie nichts so richtig. „Wir reden hier über kein ausgewiesenes Windkrafteignungsgebiet“, sagt Robert Kort weiter. „Unsere Gemeinden haben kein Veto gegen das Zielabweichungsverfahren eingelegt.“ So ein Verfahren ist notwendig, um außerhalb ausgewiesener Windeignungsgebiete entsprechende Anlagen aufstellen zu können.

Die Bürgerinitiative steht noch vor einem anderen Problem: „Wir fühlen uns übergangen. Unsere Bürgermeister und Gemeindevertreter halten trotz unseres Protestes an dem Projekt fest. Sie reden aber nicht mit uns“, erzählt Heiko Henning aus Besendorf.

Inzwischen glauben die Protestler auch, dass es einfach nur ums Geld geht – „auf unsere Kosten“, so Robert Kort. Nach seinen Angaben würde Sülstorf etwa 35 000 Euro Pacht pro Jahr für ein Windrad kassieren. Das Land würde an weiteren sechs Anlagen ebenfalls jeweils die gleiche Summe verdienen. „Wir reden hier aber auch über Investitionskosten von rund 92 Millionen Euro“, erklärt Heiko Henning weiter.

Jetzt hoffen die Bürger darauf, Bürgermeister und Gemeindevertreter an einen Tisch zu bekommen. „Vielleicht glauben sie auch, wenn einer aussteigt, machen die anderen Gemeinden das Geschäft“, so die Protestler. Ihnen werde so schnell nicht die Puste ausgehen – bei ihrem Kampf gegen Windmühlen.

 

 

 

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erstellt am 21.Apr.2014 | 22:00 Uhr

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