Schwerin : Döner mit sechs Soßen

Hähnchen- oder Kalbfleisch gefällig? Mohamed Al-Akram hat immer ein offenes Ohr für die Gäste im Döner Imbiss und freut sich auch über interessante Gespräche.
Hähnchen- oder Kalbfleisch gefällig? Mohamed Al-Akram hat immer ein offenes Ohr für die Gäste im Döner Imbiss und freut sich auch über interessante Gespräche.

Kulinarische Weltreise in Schwerin - heute: Die irakische Familie Al-Akram betreibt seit fünf Jahren einen Imbiss in der Innenstadt

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23. Februar 2018, 12:00 Uhr

In der Landeshauptstadt leben Menschen aus aller Welt. Aus ihrer Heimat haben die Zugezogenen nicht nur ihre Sprache und ihre Traditionen, sondern auch ihre Essgewohnheiten mitgebracht. Einige kochen in Restaurants für die Schweriner ihre einheimischen Speisen. Andere bieten in ihren Läden frisches Obst und Gemüse und Waren feil, die es beim Discounter nicht gibt. Heute: Mohamed Al-Akram aus dem Irak.

Direkt gegenüber vom Kino Capitol sättigt der „Royal Döner“ die Innenstadtpassanten. „Wir stillen den schnellen Hunger“, sagt Mohamed Al-Akram, Sohn der 49-jährigen Chefin Gwan Gafour. Seit 2012 gibt es diesen irakischen Döner. Zu Essen gibt es nicht nur Dönerfleisch mit sechs verschiedenen selbstgemachten Soßen. Sondern auch Pommes, Currywurst, Hamburger und Salat. „Wir versuchen zum Beispiel, bei den Soßen immer mal wieder etwas völlig Neues herzustellen“, sagt Mohamed Al-Akram. Wichtig sei ihnen auch, bewusst mit den Lebensmitteln umzugehen. „Wir wollen so wenig wie möglich wegschmeißen.“ Richtige Kalkulation sei alles. Auch wenn das nicht immer einfach sei.

Im Jahr 2000 dachten die Al-Akrams nicht im Ansatz daran, dass sie später mal im 4000 Kilometer entfernten Schwerin einen eigenen Imbiss bewirtschaften werden. Vor 18 Jahren zog die Familie weg aus der irakischen Millionenstadt Kirkuk. Der Vater arbeitete dort bei einer Erdölfirma. Mutter Gwan Gafour kümmerte sich um den Haushalt. Mohamed war noch ein Kind, als Saddam Hussein im Irak herrschte und seine Familie nach Deutschland aufbrach. „Im Irak war es für uns damals schwierig“, sagt der 26-Jährige, ohne näher auf diese Zeit eingehen zu wollen. Aber heute besuche seine Familie regelmäßig die Verwandten im Irak.

Die ersten Jahre in Deutschland seien für seine Eltern schwierig gewesen, da die im Ausland erworbene Berufserfahrung vor deutschen Arbeitgebern meist wenig zähle, erzählt Mohamed Al-Akram. Mit der Eröffnung des Döner-Ladens sei ein Familientraum in Erfüllung gegangen. Seither stehen Mohamed Al-Akram und seine Mutter täglich im Laden.

Mittlerweile hat der junge Iraker seinen deutschen Realschulabschluss in der Tasche. Darauf ist er stolz. Seine Eltern sind es auch.

Wer bei den Al-Akrams in den Laden kommt, der nimmt sich manchmal auch ein wenig Zeit für ein Gespräch. „Wenn gut gelaunte Kunden einen lustigen Spruch bringen, dann lachen wir auch gemeinsam darüber.“

Familie Al-Akram fühlt sich wohl in Schwerin, hat hier Freunde gefunden. Fest steht: Wenn sie für sie auftischen, werden auch mal neue Soßen ausprobiert.

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