Jakobskreuzkraut in MV : Dieses Kraut ist kreuzgefährlich

Schön anzusehen, aber hochgiftig: Das gelb blühende Jakobskreuzkraut stellt besonders für Pferde eine Gesundheitsgefahr dar.
Schön anzusehen, aber hochgiftig: Das gelb blühende Jakobskreuzkraut stellt besonders für Pferde eine Gesundheitsgefahr dar.

Jakobskreuzkraut treibt Landwirten und Tierhaltern Sorgenfalten auf die Stirn – Ministerium verweist auf Merkblatt zum Thema

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21. August 2016, 07:00 Uhr

In einem sonnigen Gelb leuchten die Blütenköpfe auf der grünen Wiese. Schön anzusehen für den Laien – für den Landwirt ein Graus. „Das Jakobskreuzkraut wird immer mehr zur Plage“, sagt Bernd Rieprecht. Der Geschäftsführer der Plater Agrargenossenschaft ärgert sich seit Jahren über diesen gelbfarbenen Teppich, dessen Ausmaße immer größer werden, wie er betont. Schuld daran seien unter anderem die Stilllegungsflächen. „Alles schön und gut, aber dadurch vermehrt sich das Jakobskreuzkraut sehr schnell und vor allem großflächig“, gibt er zu bedenken. Was in den vergangenen Jahren noch mit geeigneten Mitteln und regelmäßigem Mähen der Wiesenflächen möglich war, lasse sich in diesem Jahr nicht mehr eindämmen. „Wir machen kein Heu mehr und können unsere Abnehmer somit auch nicht beliefern“, bringt Rieprecht es auf den Punkt. Denn besonders für Pferde, deren Halter zum Hauptkundenstamm der Plater Agrargenossenschaft gehören, sei das Kraut kreuzgefährlich. „Sie haben nun das Nachsehen, doch wir wollen uns auf keinen Fall strafbar machen und ich möchte nicht schuld sein, wenn ein Tier an vergiftetem Heu stirbt“, sagt Rieprecht.

Und dass das durchaus passieren kann, weiß Roswitha Mietz aus leidvoller Erfahrung. „Wir hatten bereits Abgänge, bei denen wir davon ausgehen müssen, dass die Tiere über einen längeren Zeitraum Jakobskreuzkraut gefressen haben“, sagt die Chefin des Sukower Reiterhofes. Seit vielen Jahren kämpft sie gegen das Kraut. „Es wird immer mehr und als Ökobetrieb haben wir nicht die Möglichkeit, mit Chemie dagegen vorzugehen“, erklärt Roswitha Mietz. Auch auf den Wiesen habe sie eigentlich nicht die Möglichkeit, das Jakobskreuzkraut effektiv zu bekämpfen. „Aber die Wiese war im vergangenen Jahr komplett damit zugewuchert, wir mussten sie umbrechen“, sagt die Sukowerin und zeigt Bilder von einem gelben Blütenteppich direkt auf der Wiese hinter der Reithalle. Im Frühjahr wurden die 15 Hektar Grünland doch umgebrochen. „Wir haben dann in Bio-Saatgut investiert, das durchaus einen stolzen Preis hat“, erklärt sie und lässt nicht unerwähnt, dass die doppelte Menge nötig war, um ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen. „Wir haben hier nicht den besten Boden, für das Jakobskreuzkraut reicht es“, weiß sie. Für vernünftige Wiesengräser sei es ein harter Kampf, zu keimen und zu wachsen. Den ersten Schnitt konnten die Sukower jedoch schon einfahren. 115 Ballen sind nun als Silage für die Pferde in großen Ballen verpackt. „Wenn wir den guten Zustand der Wiese halten wollen, dann müssten wir alle zwei Jahre umbrechen und neu aussähen. Das ist finanziell nicht zu stemmen“, betont die Reiterhof-Chefin.

Sie habe sich bereits mehrfach an das Landwirtschaftsministerium gewandt. „Die müssen doch etwas tun, so kann es nicht weitergehen, schließlich haben die Vorschriften, die von dort kommen, das Problem mit zu verantworten“, moniert Roswitha Mietz. Außer einer Telefonnummer, unter der „nie jemand zu erreichen ist“, habe sie keine weitere Hilfe bekommen.

Im Landwirtschaftsministerium verwies man auf Nachfrage der Redaktion lediglich auf ein Merkblatt, das eigens zum Thema erarbeitet wurde.

Merkblatt Jakobskreuzkraut  

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