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Weltkulturerbe Schwerin : Die Zweitwohnung der Fürsten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor. Teil 12: Altes Palais

Zwischen Kollegiengebäude, Theater, Museum und Schloss mutet das Fachwerkhaus am Alten Garten, in dem heute die Landtagsverwaltung sitzt, geradezu bescheiden an. Dennoch ist es ein zentrales Gebäude im Schweriner Residenzensemble. Früher lebten in dem Haus Erbprinzen, Großherzöge und Witwen.

Oberamtmann Dr. Hertzberg ließ den spätbarocken Sichtfachwerkbau mit zwei gleichlangen Flügeln 1790 errichten. Erbprinz Friedrich Ludwig kaufte es im Jahr 1801, als die Herrscherfamilie ihre Geschäfte noch von Ludwigslust aus führte. Für ihn und seine Frau, die russische Zarentochter Helena Pawlowna Romanowa, sollte es umgebaut und standesgemäß eingerichtet als Schweriner Wohnsitz dienen. Doch die Gattin verstarb schon 1803 – sie war gerade mal 18 Jahre alt, hatte Friedrich Ludwig aber schon zwei Kinder geschenkt, darunter Paul Friedrich. Der Erbprinz heiratete noch mehrmals, seine letzte Ehe schloss er 1818 mit Auguste Friederike von Hessen Homburg. In diesem Jahr und vielleicht auch aus diesem Grund „wurde das Palais gegen Osten durch einen unterkellerten Anbau erweitert“, schreibt Kunsthistoriker Dr. Christian Ottersbach. Ein Jahr später starb allerdings Friedrich Ludwig. Anschließend nutzte Paul Friedrich das väterliche Palais, „da er nach seiner Hochzeit mit Alexandrine von Preußen oft in Schwerin zu Bällen und Theateraufführungen weilte“, wie Ottersbach berichtet.

Dauerhaft zog Paul Friedrich in das Fachwerkhaus am Alten Garten schließlich ein, als die Residenz nach Schwerin zurückverlegt wurde, also 1837. Das alte Schloss war in diesem Moment nicht mehr bewohnbar, Paul Friedrich plante einen repräsentativen Neubau an der Stelle, wo heute das Museum steht. In der Zwischenzeit musste das Fachwerkhaus als Interimssitz dienen und wurde entsprechend herausgeputzt. „Zur Erweiterung des Palais wurde das benachbarte Gebäude Schlossstraße Nr. 3 angekauft, das um 1800 in frühklassizistischem Stil durch den Advokaten Georg Lembcke neu errichtet worden war“, schreibt Dr. Ottersbach. „1831 hatte Erbgroßherzogin Alexandrine das Haus erworben, das sie 1837 ihrem Mann schenkte. Über die Theatergasse hinweg wurde eine Verbindung mit Tordurchfahrt geschaffen. Im selben Jahr erwarb Paul Friedrich auch die Gebäude Ritterstraße 14/16, die der Maurermeister Johann Cornelius Barca nach eigenen Plänen um 1780 erbauen ließ.“ Georg Adolph Demmler gestaltete den Komplex nun nach den Bedürfnissen einer Hofhaltung um und ließ einen Saal anbauen am Flügel zur Ritterstraße. Hoffeste ohne Saal sind schließlich nicht vorstellbar. Wenige Jahre später sollte es dem Neustädtischen Palais in der Puschkinstraße ähnlich ergehen, als es zum Interimssitz für Friedrich Franz II. umgebaut wurde. Der Saal an der Ritterstraße wurde im Jahr 1912 endgültig abgebrochen.

Der bei den Schweriner überaus beliebte Großherzog Paul Friedrich starb unerwartet und früh mit erst 41 Jahren. Nach dem Tod ihres Gatten 1842 nutzte Alexandrine das Alte Palais noch 50 Jahre als Witwensitz. Auch hier sind deutliche Parallelen zum Neustädtischen Palais zu finden: Großherzogin Marie, Witwe von Friedrich Franz II., bewohnte es von 1883 bis 1920.

„Im 20. Jahrhundert waren im Haus Behörden untergebracht“, schreibt Dr. Ottersbach im Welterbe-Gutachten über das Alte Palais. „Das Innere zeigt noch die historischen Raumstrukturen mit in Enfilade angeordneten Räumen, welche die jüngste Instandsetzung bis 2000 weitgehend respektiert bzw. wieder hergestellt hat. Von den historischen Ausstattungen konnten bei der Instandsetzung nur Teile freigelegt und konserviert werden, so Decken- und Wandmalereifragmente in pompejanischem Stil und Reste historischer Tapeten des 18. und 19. Jahrhunderts.“ Unter früheren Fußbodenbelägen seien zwei niederländische Gobelins geborgen worden, die womöglich zur früheren Schlossausstattung gehörten.


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erstellt am 09.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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