zur Navigation springen

Fünf Jahre Schweriner Hospiz : Die Zeit zum Abschied geben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit fünf Jahren begleitet das Schweriner Hospiz schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen

von
erstellt am 26.Apr.2016 | 16:00 Uhr

„Ich wusste von Anfang an: Hier bekommt mein Mann die Unterstützung, die er braucht“, sagt Kyra Brodehl über das Schweriner „Hospiz am Aubach“. In der ersten Zeit der Krankheit hatte sie ihren Mann noch selbst gepflegt. Aber irgendwann ging es nicht mehr. Dirk Brodehl litt an einem Hirntumor, war auf einen Rollstuhl angewiesen. „Gemeinsam haben wir uns das Hospiz angesehen und uns gemeinsam für die Einrichtung entschieden“, sagt Kyra Brodehl. Die hellen Zimmer, die schönen Terrassen, der Garten, die familiäre Atmosphäre.

Fast drei Monate wurde Dirk Brodehl im Hospiz betreut, in der letzten Phase seines Lebens begleitet. „Es war eine sehr intensive Zeit, die wir noch miteinander verbringen durften“, sagt Kyra Brodehl, die ihren Mann so oft es ging besuchte, sogar im Hospiz übernachtete. „Auch eine gemeinsame Reise nach Boltenhagen haben wir zusammen mit anderen Patienten noch gemacht.“ Überhaupt sei der Austausch mit Mitbewohnern und Angehörigen eine große Hilfe gewesen, sagt Kyra Brodehl.

„Wir machen möglich, was möglich ist, kümmern uns auch um die Angehörigen“, betont Hospiz-Leiterin Katy Nülken. Den Patienten die Angst vorm Sterben zu nehmen, ihren Familien die Zeit zum Abschied zu geben, darauf sei die Arbeit im Hospiz ausgerichtet. Auch Kyra Brodehl hatte diese Zeit, war bis zuletzt an der Seite ihres Mannes. Dirk Brodehl wurde 46 Jahre alt.

Seit fünf Jahren gibt es das Schweriner Hospiz mit seinen zwölf Plätzen nun. Mehr als 620 Patienten wurden in der Sozius-Einrichtung in dieser Zeit schon betreut. „Unser jüngster Bewohner war 19 Jahre alt, unser ältester 99“, sagt Katy Nülken. Knapp 30 Mitarbeiter gehören zum Team, über alle Bereiche. Unterstützt werden sie von zwölf Ehrenamtlichen. „Im Hospiz geht das Leben weiter“, sagt Katy Nülken. Normalität sollen die Bewohner erfahren, vor allem aber in lächelnde Gesichter blicken.

Um sämtliche Ausgaben zu decken, ist das Hospiz nach wie vor auf Spenden angewiesen. „Die Pflege- und Krankenkassen übernehmen 95 Prozent der Kosten“, erläutert Katy Nülken. Das Hospiz erhalte Zuwendungen von Privatpersonen und Unternehmen. Eine große Hilfe sei auch die Arbeit der Hospiz-Stiftung, so die Leiterin.

Zum fünfjährigen Bestehen gibt es am 10. Mai einen Festakt im Hospiz, soll für die Anschaffung eines eigenen Klaviers gesammelt werden. Auch Kyra Brodehl wird bei der Feierstunde unter den Gästen sein. Es zieht sie immer noch hin zur Einrichtung am Aubach, auch zu den Treffen für Angehörige im nahen „Café Lichter“ kommt sie regelmäßig. „Ich bin sehr dankbar, dass es das Hospiz gibt“, sagt Kyra Brodehl.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen