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Blick in Geschichte : Die Zeit der Sowjets in Schwerin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach SVZ-Bericht: Ehemaliger Verbindungsoffizier Hartmut Winterfeld bringt Impulse für museale Aufarbeitung

von
erstellt am 21.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Das Traditionszimmer, das die russischen Truppen bei ihrem Abzug 1993 der Stadt Schwerin schenkten, könnte nach 22 Jahren im Depot jetzt vielleicht doch den Weg an die Öffentlichkeit finden. Hartmut Winterfeld, ehemaliger Verbindungsoffizier der Bundeswehr zu den GUS-Truppen im Bezirk Schwerin, hatte den SVZ-Bericht über das verborgene Kleinod gelesen – und sich daran erinnert, wie er dort selbst internationale Gäste hingeführt und mit dem Kommandanten der 49. Garde-Mot.-Schützen-Division dort gefeiert hatte.

Für Gesine Kröhnert, Leiterin des Volkskunde- und des Stadtgeschichtsmuseum, ist das ein erstklassiger Zeitzeugenbericht und ein lang ersehnter Anknüpfungspunkt, das Militärmuseum endlich zum wissenschaftlichen Studienprojekt und öffentlichem Ausstellungsobjekt zu machen.

Aber was war eigentlich die Aufgabe eines Verbindungsoffizieres? „Immer wenn es irgendwo geklemmt hat, haben sie mich gerufen“, sagt Winterfeld lächelnd. Er hat bei Tagen der offenen Tür mitgeholfen, ist mit dem Divisionsorchester nach Heide in Holstein gefahren, besichtigte die Wälder, in denen Stellungen für Panzer ausgehoben waren, die eingeebnet werden mussten. Der Schweriner kann erzählen von „unendlich viel Schrott“, von eiligen Eisenbahn-Transporten, auf denen so viel wie möglich mitgenommen wurde Richtung Osten. Und er weiß, wie der kalte Krieg auf beiden Seiten langsam überwunden wurde.

Hartmut Winterfeld ist heute 69 Jahre alt, hat genug zu tun mit Haus, Garten und Enkelkindern – erinnert sich er gerne an die aufregenden Zeiten kurz nach der Wende. Als seine militärische Laufbahn zu Ende ging, war er einige Jahre in Weißrussland für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge tätig. Er versteht die russische Seele gut. Einige Kontakte halten bis heute. Über das Traditionszimmer in Schwerin hält Winterfeld seine russischen Freunde auf dem Laufenden. Den ehemaligen Kommandanten der rund 10 000 Mann starken Truppe in Schwerin würde er gerne einladen, falls tatsächlich Teile des Kabinetts öffentlich ausgestellt werden sollten. „Museum des Ruhms“ nannten die Russen es, weiß Winterfeld. Dort gab es Politschulungen, wurden die Kriegshelden verehrt mit Porträts und individuellen Geschichten.

Der Großteil der Kunstwerke aus dem Traditionszimmer ist in Schwerin gefertigt worden. Drei oder fünf Jahre blieben die Soldaten hier – viele Künstler haben im Laufe von 48 Jahren mitgewirkt. Entsprechend bunt ist das Gesamtwerk, reicht von einfachen Collagen bis zu Ölgemälden und aufwändigen Holzarbeiten.

Birgit Jagla hat beim Abzug der russischen Truppen 1993 alle Objekte für das Stadtgeschichtsmuseum fotografiert, inventarisiert und jetzt digitalisiert.

„Mit den Kenntnissen und Kontakten von Hartmut Winterfeld eröffnen sich jetzt völlig neue Möglichkeiten“, sagt Gesine Kröhnert. „Wir können ein Projekt für die Uni Rostock verfassen und mit neuem Konzept noch einmal an die Stadt Schwerin herantreten, um nach einem möglichen Ausstellungsraum zu suchen.“


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