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Weltkulturerbe Schwerin : Die Wiege der Schauspielkunst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor - Teil 13: Staatstheater

Das Schweriner Theater macht die Stadt seit mehr als 400 Jahren europaweit bekannt. Richard Wagner erlebte hier frühe Aufführungen seiner Opern, Clara Schumann und Antonin Rubinstein spielten hier, Camille Saint-Saens und Johannes Brahms dirigierten in Schwerin, Felix Mendelssohn Bartholdy leitete 1840 das 1. Schweriner Musikfest mit 150 Orchestermusikern und 340 Chorsängern. Der 17. Juni 1563 wird als der Beginn der Schweriner Musik- und Theatergeschichte gewertet: Damals erteilte Herzog Johann Albrecht I. den Auftrag, eine Hofkapelle zu gründen. Die daraus hervorgegangene Mecklenburgische Staatskapelle gilt als drittältestes Orchester in Deutschland. 1753 gründete Conrad Ekhof, der „Vater der deutschen Schauspielkunst“, in Schwerin die erste deutsche Ausbildungsstätte für Schauspieler. Neben Hamburg nimmt Schwerin für sich in Anspruch, die Geburtsstätte des deutschen Nationaltheaters zu sein.

Klar, dass es dafür eine Spielstätte braucht, die Vergleiche zu größeren Städten nicht zu scheuen braucht. Indes: Ein bisschen Pech mit dem Thema Feuer hatten die Schweriner schon. Das Theater hatte zwei Vorgängerbauten, die komplett abbrannten. Dass die drei Ränge im Haus heute über eigene Treppenhäuser verfügen, ist dieser Geschichte geschuldet: Im Notfall kann eine Evakuierung schnell erfolgen.

Das heutige Haus stammt aus dem Jahren 1883 bis 1886, entworfen wurde es von Georg Daniel. Am Eröffnungstag, dem 3. Oktober 1886, war es einer der modernsten Theaterbauten der Welt. Es wurde über ein eigenes Elektrizitätswerk mit Licht versorgt. In diesem Maschinenhaus sitzt heute die Theaterverwaltung. Entworfen hat das Ziegelgebäude wohl ebenfalls Georg Daniel. Der hatte zehn Jahre zuvor das Hamburger Stadttheater in der Dammtorstraße errichtet, schreibt Kunsthistoriker Dirk Handorf und macht Ähnlichkeiten zwischen beiden Bauwerken aus. 1858 arbeitete Daniel in Wien. Fazit: Eine Verwandtschaft mit dem Wiener Opernhaus lasse sich nicht leugnen.

Italienische und französische Renaissance sind die Formen, die für den Historismus-Bau am Alten Garten gewählt wurden. Säulenarchitektur und Tempelmotiv verleihen dem Gebäude Würde und weisen es als Musentempel aus, schreibt Dr. Christian Ottersbach in seinem Welterbe-Gutachten. „Von der Schlossgartenbrücke aus erscheinen die Bögen der stadtseitigen Schlossbrücke wie der Unterbau des über dem Wasser stehenden Baus – eine der vielen architektonischen Kniffe, welche die ästhetische Qualität des Residenzensembles ausmachen.“ Außen Renaissance, innen Barock – aber natürlich gibt es kleine Ausnahmen von dieser Regel: Der Zuschauerraum zeigt Barockformen, aber Konzertfoyer und Gesellschaftszimmer sind im Renaissancestil gehalten, das Vestibül der großherzoglichen Hauptloge ist Neorokoko.

Besondere Schätze im Innern sind eine Friese-Orgel im Bühnenraum und der Schmuckvorhang vom Düsseldorfer Maler Ernst Hartmann, der den Triumph des Apoll zwischen den Musen zeigt. Er gehört zu den letzten zwölf originalen Bühnenvorhängen der Zeit zwischen 1850 und 1930, die in Deutschland erhalten geblieben sind.

Von 1919 bis 1943 war der Daniel-Bau Sitz des frei gewählten demokratischen Landtages von Mecklenburg. Dr. Ottersbach: „Die prachtvollen Räume haben nach 1945, als man den Historismus nicht mehr schätzte, bei Umbauarbeiten teilweise schwere Verluste hinnehmen müssen. Das Konzertfoyer wurde 1959 für die Kammerbühne verbaut und erst 2003 wieder freigelegt und in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt.“


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erstellt am 23.Mai.2016 | 16:00 Uhr

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