Uelitz : Die versteckte Waffenschmiede

Wolfgang Utecht zeigt ein Luftbild von 1945, das die Dimension der Luftmunitionsanstalt Pulverhof verdeutlicht.
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Wolfgang Utecht zeigt ein Luftbild von 1945, das die Dimension der Luftmunitionsanstalt Pulverhof verdeutlicht.

Im Pulverhof bei Uelitz wurden im Zweiten Weltkrieg V1-Raketen montiert

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08. August 2018, 12:00 Uhr

800 Jahre Uelitz – das wird in diesem Jahr gefeiert. Am Sonnabend geht es in einer Doppelveranstaltung um ein Stück Geschichte, das lange geheim gehalten wurde und um das sich daher auch viele Geheimnisse ranken: die Luftwaffenmunitionsanstalt im Pulverhof (Muna), in der von 1936 bis 1945 Hitlerdeutschland Waffen schmieden ließ, darunter auch die „Vergeltungswaffe V 1“. Wolfgang Utecht, der im Rastower Ortsteil Pulverhof zu Hause ist, hat sich mit dieser Geschichte befasst. Am Sonnabend nimmt er alle Interessierten mit auf eine Zeitreise – und das gleich doppelt. Um 14.30 Uhr beginnt im Gemeindehaus am Uelitzer Sportplatz unter dem Titel „Der Wald soll schweigen“ ein etwa einstündiger Vortrag. Danach folgt eine Führung über das einstige Muna-Gelände. Treffpunkt ist um 16 Uhr die Straße vor dem Kursana-Domizil Pulverhof. Die Uelitzer Feuerwehr bringt bei Bedarf Gäste des Vortrags dorthin.

Wolfgang Utecht befasst sich seit Jahren mit diesem Thema, um die Geschichte von Pulverhof Stück für Stück zu rekonstruieren und dabei menschliche Schicksale vor dem Vergessen zu bewahren. Denn zwischen 1940 und 1945 wurden 600 bis 1000 Personen, davon mindestens 150 Zwangsarbeiter aus elf Nationen, in der Muna beschäftigt. Hinzu kommen kurz vor Kriegsende zwei Katastrophen: Im April 1945 beschossen Flieger der Alliierten einen Munitionszug bei Pulverhof. Die Explosion riss zahlreiche Menschen in den Tod. Auf dem Friedhof in Uelitz sind 115 Opfer begraben, nur von 30 kennt man die Namen. Ebenfalls im April gab auf dem Gelände eine Explosion, deren Ursache bis heute unklar ist. Dabei starb ein Teil der Stammbelegschaft.

Mit etwa 650 Hektar gehört das Gelände der ehemaligen Muna heute zu den größten militärischen Altlastflächen in Westmecklenburg. Große Teile des Waldes zwischen Uelitz und Rastow sind mit munitionsverseucht und daher gesperrt.

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