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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. August 2017 | 15:07 Uhr

Bülow : Die verschluckte Münze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei Wochen lang hatte der kleine Martin ein Zwei-Euro-Stück im Körper - und das ist mit der Münze passiert.

Was tun Eltern nicht alles dafür, dass ihren Säuglingen und Kleinkindern nichts Falsches in den Hals kommt. Sie schauen nach, was ihrem Nachwuchs in greifbarer Nähe gefährlich werden könnte, saugen dann den Boden nach winzigen Teilchen ab, räumen die kleinen Spielzeugteile der älteren Geschwister weg und werden nicht müde zu erwähnen, dass dies und das nicht in Mund gehört. Jetzt wäre ein Kleinkind aber eben kein Kleinkind, wenn es nicht Wege finden würde, um mit großer Neugierde all das zu probieren, was glitzert, bunt, rund oder sonst irgendwie interessant scheint. Ein Zwei-Euro-Stück zum Beispiel.

Martin ist ein aufgeweckter Knirps, neugierig und stolzer Besitzer eines solchen Talers. Er gehört ihm. Ganz allein. Der Schatz eines Vierjährigen. „Taschengeld“, nennt es seine Mutter Anna-Maria Rehle aus Bülow. Martin spielt mit dem Geldstück, testet, wie es sich im Mund anfühlt – und verschluckt es. Das war am 19. Juni.

Eine 2,2 Millimeter dicke und 8,5 Gramm schwere Kupfer-Nickel-Gusslegierung mit 2,57-Zentimeter-Durchmesser ist gut fürs Portmonee, aber nichts für einen Körper. „Er hatte riesiges Glück, dass das Zwei-Euro-Stück nicht in die Luftröhre gekommen ist“, sagt Anna-Maria Rehle. Dass ihr Sohn in der Mittagszeit solch eine Münze geschluckt hatte, kam der gelernten Arzthelferin erst nicht in den Sinn. „Martin klagte zwar über Halsschmerzen“, erinnert sie sich, „aber die waren auch schnell wieder weg.“ Es dauerte bis zum Abend, ehe der Junge sich traute, die ganze Geschichte zu erzählen.

Auf zum Kinderarzt und zurück mit der Erkenntnis: Was einigermaßen gut reinkommt, kommt auch wieder raus – auf natürlichem Wege. Also hieß es für Martin warten, bis die Münze ihren Weg durch Magen und Darm findet. Doch das ließ auf sich warten. Dass der Fremdkörper noch in Martin steckte, dass konnten die Rehles mit einfachen Mitteln selbst überprüfen. Mit einem Metalldetektor strich Vater Ralf über Martins Körper. „Und es piepste tatsächlich“, stellte er fest. Die Tage vergingen und die Nervosität stieg. Jetzt ging es in die Klinik. Röntgen, Ultraschall, später Magenspiegelung unter Narkose. „Auf einmal war das Geldstück nicht mehr zu sehen“, erinnert sich Martins Mutter. Irgendwo zwischen Magen und Darm steckte es. Und dann tauchte die Münze wieder auf. Abends, 15 Tage nach dem Verschlucken, schied der Körper das aus, mit dem er so gar nichts anfangen konnte. Als Zahlungsmittel ist das Zwei-Euro-Stück zwar noch tauglich, ansehnlich ist es aber nicht mehr. Dafür hat die Magensäure gesorgt. Doch jetzt hat Martin seinen Schatz wieder. Er ist unverformt, doch der Glanz ist weg. Die schwarz verfärbte Münze will der Kleine aufbewahren.

„Dukatenesel“, so wurde Martin jetzt scherzhaft mal genannt. Nun, da alles vorbei ist, fällt das Schmunzeln wieder leicht. Und Geldstücke, die will er nur noch in Schoko-Ausführung in seinen Mund lassen.

Chefarzt Dr. Harald von Suchodoletz der Klinik für Kinderchirurgie weiß, wann schnelles Handeln nötig ist
Chefarzt Dr. Harald von Suchodoletz der Klinik für Kinderchirurgie weiß, wann schnelles Handeln nötig ist Foto: privat
 

Wann wird es gefährlich?

Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie weiß, wann schnelles Handeln nötig ist Dr. Harald von Suchodoletz ist Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie der Schweriner Helios-Kliniken. Er weiß, was zu tun ist, wenn etwas verschluckt wurde, das gar nicht in den Körper gehört.

Wie gefährlich ist das Verschlucken von Münzen?
Es muss unterscheiden werden, ob der Fremdkörper verschluckt wurde oder in die Luftröhre gelangt ist. Der Fremdkörper in der Luftröhre ist lebensgefährlich, während das Verschlucken eines Geldstücks meistens harmlos ist und es nach wenigen Tagen auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden wird. Ist nach einer Woche nichts im Stuhl zu entdecken, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Steckt das Geldstück in der Speiseröhre, sollten Eltern mit dem Kind notfallmäßig eine entsprechende Klinik aufsuchen.

Was kann mit einem Geldstück im Körper passieren?
Neben der Erstickungsgefahr kann eine in der Speiseröhre steckende Münze auch starken Druck auf die Speiseröhrenwand ausüben und Gewebe an dieser Stelle absterben lassen. Der Druck der Münze kann auch so groß sein, dass die Speiseröhre einreißt und es zu einer lebensgefährlichen Entzündung kommen kann. Hat die Münze erst einmal den Weg in den Magen gefunden, verlässt sie den Körper meist ohne Komplikationen über den Darm.

Was verschlucken Kinder?
Zu den häufigsten Dingen, die Kinder verschlucken, gehören kleines Spielzeug und Münzen. Seltener Batterien und Magnete, die wegen ihres elektrischen, beziehungsweise magnetischen Verhaltens aber möglichst schnell wieder entfernt werden müssen. Die kleine Lok einer elektrischen Eisenbahn ist auch schon verschluckt worden. Diese wurde aber auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 20:00 Uhr

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