Wildes Schwerin : Die vergessene flauschige Tradition

Mit Füchsen und vielen anderen Pelzen kennt Kürschner Götz Weidner sich aus. Er würde sich freuen, wenn wieder weniger Felle entsorgt werden.
Mit Füchsen und vielen anderen Pelzen kennt Kürschner Götz Weidner sich aus. Er würde sich freuen, wenn wieder weniger Felle entsorgt werden.

Serie Wildes Schwerin: Waschbär, Fuchs und Marder werden von Stadtjägern erlegt – aber nur selten werden die Felle aufgearbeitet

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07. November 2017, 23:34 Uhr

Der Pelz ist scheinbar aus der Mode gekommen. Oftmals wird er mit Tierleid und Tierqualen in Verbindung gebracht. „So ein Pelz kann aber auch das Nebenprodukt der kontrollierten Jagd sein. Und Tierschutz gehört in die Hände der Jäger“, sagt Götz Weidner. Schon vor vielen Jahrzehnten hat er das Kürschner-Handwerk gelernt. „Ich bin da reingewachsen, habe meinen Eltern schon als kleiner Junge über die Schulter geschaut“, erzählt der heute 67-Jährige. Weidner hätte sich längst in den Ruhestand verabschieden können, doch er liebt sein Handwerk. Wenn er von Fuchsdecken und maßgeschneiderten Ansitzsäcken spricht, bekommen seine Augen einen ganz besonderen Glanz. „Ich verarbeite vorrangig Felle aus der Region, manchmal auch aus anderen Bundesländern“, betont Weidner und erzählt von einem neuen Label, das heimische Pelze kennzeichnet: „we prefur“. Er hat sich ohne lange Überlegungen der Initiative angeschlossen. Ebenso unterstützt er das Pilotprojekt des Landesjagdverbandes „Fellwechsel“. Das ist eine Betreibergesellschaft einer Abbalgstation in Baden-Württemberg. Dort werden Fuchs, Marderhund, Waschbär, Stein- und Baummarder, Iltis, Mink, Nutria und Bisam angenommen, gestreift und entweder gegerbt, getrocknet oder als weiter verarbeitetes Produkt auf den Markt gebracht. Einige Felle landen dann auch bei Götz Weidner auf dem Arbeitstisch. „Ich weiß, dass sich die Mode verändert hat. Aber die Klientel, die Eleganz möchte und auch Pelz trägt, die ist nicht gänzlich ausgestorben“, sagt Weidner. Sein Auftragsbuch beweist es: „Es reicht leider nicht aus, um weitere Angestellte zu beschäftigen, aber ich werde mein Handwerk noch 10 oder 15 Jahre machen“, sagt der Wahl-Schweriner mit einem Augenzwinkern. Die Zeiten, in denen seine Auszubildenden Preise abgeräumt haben und in renommierten Jagdzeitschriften abgelichtet wurden, sind vorbei. „Für kreative Ideen bin ich aber immer offen“, sagt er und zeigt Pelz-Capes, Schals und flauschige Echtfell-Accessoires aus der eigenen Kollektion. In den meisten Fällen würden die Felle entsorgt. „Das ist schade. Nur wenige Jäger kommen mit dem Pelz vom selbst erlegten Tier hier an“, erzählt der Kürschner und holt einen großen Ring mit vielen Fuchsfellen von der Wand: „Es soll eine Decke werden. 18 Stück, das reicht für eine Decke von 1,20 mal 1,80 Meter“, erklärt der Fachmann. Aber auch kleinere Arbeiten gehören zum Alltag: „Hier habe ich einen Waschbär, der kommt an eine Kapuze, und für die Kapuze seiner Frau wollte der Kunde einen Marderhund, der ist noch flauschiger“, sagt er und schiebt die Pelzstücke über den Tisch.

Die Zeiten, in denen der Kürschner als Geheimtipp für besondere Weihnachtsgeschenke galt, sind vorbei, meint Weidner. „Die Palette der Imitate ist breit gefächert“, sagt er. Umso wichtiger sei es, so Weidner, den Fokus auf Nachhaltigkeit und Regionalität zu lenken. Umso höher schlägt sein Herz, wenn Kunden einen alten Pelz umarbeiten oder gar aus der uralten Lederhose des Großvaters eine für die Enkelin schneidern lassen. „Leder und Pelz sind besonders robust. Auch nicht sehr schmutzempfindlich.“ So reiche es etwa aus, den echten Pelz alle zehn Jahre in eine Spezialreinigung zu bringen.

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