Himmelsstürmer : Die Überflieger von Pinnow

Alles in Bewegung: Zwei Multicopter beim Synchronflug in Pinnow.
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Alles in Bewegung: Zwei Multicopter beim Synchronflug in Pinnow.

Mitglieder der Modellfluggruppe des Fliegerclubs Schwerin-Pinnow sind auf die Multicopter gekommen

svz.de von
18. März 2014, 12:00 Uhr

Ein Summen liegt in der Luft, als wären mehrere Bienenvölker gleichzeitig im Anflug. Doch Insekten sind es nicht, die an diesem Nachmittag am Rande des Flugplatzes bei Pinnow ausschwärmen. Es sind Multicopter, für die mittlerweile viele Mitglieder der Modellfluggruppe des Fliegerclubs schwärmen.

„Die anderen haben mich damals belächelt, als ich mit so einem selbst gebauten Ding ankam“, sagt Dietrich Oepke. Damals, das war 2007, das Ding, das war ein Quadrocopter mit vier Rotoren. Und Dietrich Oepke, das ist der Mann in der Modellfluggruppe, der vor 48 Jahren ein erstes mit Motor angetriebenes, ferngesteuerte Segelflug-Modell auf dem Flugplatz aufsteigen ließ.

Heute lässt der 76-jährige Oepke gerne auch einen seiner vier Multicopter in die Höhe. Senkrechtstart, wie ein Hubschrauber, geht es in die Luft. Maximale Flughöhe von 100 Metern, immer in Sichweite, kein Betrieb über Menschen und Menschenansammlungen und nicht schwerer als fünf Kilogramm – das sind die behördlichen Auflagen. Und der Datenschutz zählt auch dazu, denn die Modellfreunde aus Pinnow haben an ihren Multicoptern Kameras installiert, um aus der Luft Bilder zu schießen oder Videofilme zu drehen. „Ich bin schon seit Jahrzehnten leidenschaftlicher Schmalfilmer. Jetzt habe ich auch die Möglichkeit, rein privat schöne Aufnahmen von meinem Grundstück oder vom Dorf zu machen“, sagt der Rentner aus Langen Brütz.

Schöne Aufnahmen, für die kann sich auch Dietrich Papendorf aus Kleefeld begeistern. Seit vielen Jahren ist er im Verein, vor rund zweieinhalb Jahren ist er dann auf den Multicopter gekommen, lässt sein Fluggerät gerne dicht über der Warnow schweben und verfolgt so den Flussverlauf aus der Vogelperspektive. Und wenn er auch noch mit seinem Hexacopter Vögel in der Luft begleiten kann, dann weiß er, warum er im Laufe der Zeit viel Geld in seine sechsfüßige Schwebeplattform investiert hat. Carbongestell, GPS, Motor, Kompass, Regler, Batterien, Videoübertragungssystem, Steuerung – „in diesem Gerät stecken rund 15 000 Euro“, sagt der 73-Jährige. Als Maschinenbau-Ingenieur habe er früher immer nur für andere etwas gebaut. „Jetzt“, sagt er, „habe ich mal etwas für mich gebaut.“

Ein halbes Dutzend der 23 Mitglieder starken Modellfluggruppe hat jetzt schon Multicopter. „Multicopter, auf diese Bezeichnung legen wir großen Wert“, betont Dietrich Papendorf. Den Begriff Drohnen, so werden diese Geräte im allgemeinen Sprachgebrauch auch genannt, hören er und seine Vereinskameraden gar nicht gerne. „Mit dem Begriff Drohne wird eine zivile Bedrohung assoziiert. Wir lassen unsere Multicopter aber ausschließlich zu Zwecken des Sports und der Freizeitgestaltung fliegen“, unterstreicht er. Die Multicopter der Modellfluggruppen-Mitglieder seien, so Papendorf, auch gar nicht schwer genug, um komplexe Überwachungs- oder gar Waffensysteme tragen zu können.

Hinsichtlich der Aufstiegserlaubnis für die so genannten unbemannten Luftfahrsysteme hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung folgende Regelungen festgelegt: Wiegt das Fluggerät inklusive Nutzlast bis zu fünf Kilogramm und hat es keinen Verbrennungsmotor als Antrieb, besteht in den meisten Bundesländern – so wie in Mecklenburg-Vorpommern – die Möglichkeit, dass eine allgemeine Erlaubnis erteilt wird. Diese Erlaubnis haben die Modellflug-Freunde als Mitglieder des Fliegerclubs Schwerin-Pinnow automatisch. Die Abgrenzung zwischen unbemannten Luftfahrsystemen und Flugmodellen erfolgt ausschließlich über den Zweck der Nutzung. Dient die Nutzung dem Sport oder der Freizeitgestaltung, so gelten die Regeln für Flugmodelle. Ist mit dem Einsatz hingegen ein sonstiger, insbesondere ein gewerblicher Nutzungszweck verbunden – das können beispielsweise Bildaufnahmen mit dem Ziel des Verkaufs
sein –, so handelt es sich um ein umbenanntes Luftfahrsystem und es bedarf einer auf den Einzelfall bezogenen Erlaubnis von der zuständigen Luftfahrtbehörde.

Dietrich Oepke hat sein iPad eingeschaltet und zeigt ein Video seines ersten Octocopter-Starts vor sieben Jahren. Die Bilder zeigen, dass sein Multicopter von allen Seiten begutachtet wird. „Die hatten viel Spaß“, erinnert sich Oepke. Belächelt wird er schon lange nicht mehr – jetzt wird mitgemacht.

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