zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

24. Oktober 2017 | 02:36 Uhr

Märchenhaft : Die tonnenschwere Schönheit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hauptturm des Schweriner Schlosses diente als Landmarke, Aussichtspunkt und versorgte das herzogliche Schloss mit Wasser

von
erstellt am 22.Apr.2014 | 22:00 Uhr

Wie für Rapunzel errichtet scheint der Hauptturm des Schweriner Schlosses. Doch das Mädchen muss ihre langen Haare gar nicht herunter lassen, denn Besucher können das schlanke Bauwerk über 176 Treppenstufen erklimmen. Selbst Bergsteiger kletterten schon auf den Turm: Das war 1981, um das zwölf Meter hohe Schieferdach von außen zu reparieren. Eindringendes Wasser hatte die Substanz des Turmes damals bedroht, starker Wind wehte ab und an lose Schieferplatten herunter. Zu diesem Zeitpunkt war der stolze Hauptturm mit seinen 73 Metern schon seit mehr als 90 Jahren nicht mehr das höchste Gebäude in Schwerin. Der Turm des Doms überflügelte die Spitze des Schlosses seit Mitte der 1890er-Jahre mit 117,5 Metern Gesamthöhe. Der Grundstein für den Hauptturm des Schlosses war am 6. Oktober 1845 versenkt worden. Knapp zwei Jahre später feierten die Schweriner schon Richtfest. An dem schlanken „Koloss“ zwischen den alten Fassaden des Bischofshauses und des Neuen Langen Hauses orientierten sich Reisende. Die Landmarke war für jeden auf die Stadt Zukommenden von allen Himmelsrichtungen aus zu sehen.

Die Schlossbewohner dagegen nutzten nur das untere Drittel des Turms: In der ersten Etage befand sich die Silberkammer, in der zweiten das Blumenzimmer zur Huldigung des Großherzogs Friedrich Franz II. (1823-1883), in der dritten das Rauchzimmer und darüber wohnten die Hofdamen. Die Höhe des Turms machten sich die Ingenieure der damaligen Zeit zu Nutze und installierten mehrere Wasserbassins. Dort floss das Regenwasser hinein oder eine Dampfmaschine pumpte Seewasser nach oben. Über Rohre wurden die Räume des Schlosses mit kühlem Nass versorgt. An wichtigen Stellen konnten Schläuche an das Leitungssystem angeschlossen werden, um im Ernstfall Feuer zu löschen. Heute sind die Bassins verschwunden, aber das Leitungssystem dient Mitarbeitern und Azubis des Klempnergewerkes immer noch als Anschauungsobjekt für Regenentwässerung. Ganz unten im Fuß des Hauptturms war es kühl, so dass winterliches Eis aus dem Schweriner See Monate lang gelagert werden konnte – für die herzoglichen Speisen und Getränke.

Mit der Zeit sackte der 3000 Tonnen schwere Turm. Im Jahr 2001/2 sicherten ihn Statiker mit Hilfe von Kleinbohrpfählen im Fundament. Auch die Fassade erstrahlt wieder in neuem Glanz.

 

 

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen