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Lebensmittelspenden in Schwerin : „Die Tafel ist nun mal kein Aldi“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Steigende Nachfrage nach den Hilfsangeboten / Immer öfter gehen Kunden leer aus, weil das Angebot nicht ausreicht

von
erstellt am 14.Okt.2015 | 12:00 Uhr

„Wir sehen kein Flüchtlingsproblem“, sagt Peter Grosch, der Chef der Tafel-Vereine in Westmecklenburg. „Uns ist es egal, wo jemand herkommt oder wie er aussieht. Wir versorgen Leute in der Not.“ Dass unter den Hilfebedürftigen, die an jedem Donnerstag die Schweriner Ausgabestellen oder in Westmecklenburg an einem anderen Tag eine der insgesamt 13 Hilfspunkte aufsuchen, zunehmend auch Flüchtlinge sind, habe natürlich auch er feststellen können, sagt Grosch. Aber die Masse sind Stammkunden – und neu dazugekommene Ältere. „Die Altersarmut steigt“, sagt Grosch.

Obwohl die vielen ehrenamtlichen Unterstützer und Ein-Euro-Jobber bei der Tafel immer etwa ein Dutzend mehr Beutel mit Lebensmitteln packen als in der Vorwoche ausgegeben wurden, übersteigt die Nachfrage das Angebot. Rund 700 Beutel sind in der vergangenen Woche ausgereicht worden, steht im Protokoll des „Sozialen Runden Tisches“. 40 bis 50 Gäste mussten ohne oder mit geringer Ware die Tafel wieder verlassen. Eine Situation, die überall in Westmecklenburg entsteht. Dass es zu Unmut kommen kann, ist Grosch bewusst. Die Stimmung unter den Wartenden werde zunehmend schlechter und drohe zu kippen, konstatiert auch der „Soziale Runde Tisch“.

„Aber die Tafel ist nun mal kein Aldi. Bei uns gibt es nicht Ware in gleicher Form“, erklärt Grosch. „Wir geben das aus, was uns die Märkte der Region zur Verfügung stellen. Das ist glücklicherweise eine ganze Menge. Aber dass manchmal auch einige der Besucher leer ausgehen, das gab es auch schon lange vor der Flüchtlingsdebatte.“

Deshalb habe die Tafel reagiert. Der Kinderbauernhof in Sukow und die Tafelgarten in Schwerin sorgten inzwischen für eigenes frisches Obst und Gemüse in den Ausgabestellen der Tafel. Vor allem die drei Kindertafeln profitieren davon. Zu denen kommen Grosch zufolge im Übrigen ausschließlich deutsche Kinder. So sei es auch in den beiden Schweriner Suppenküchen auf dem Dreesch und in Lankow.

Die heute 700 Lebensmittelbeutel pro Tag sind nahezu doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Hinzu kommen rund 800 Frühstücksangebote, die die Tafel auf Wunsch von Schulen täglich zur Verfügung stellt. „Wir sind hochzufrieden mit dem, was uns die Lebensmittler zur Verfügung stellen“, lobt Grosch. Aber wenn in einer Woche einmal Wurst mit ausgegeben werden kann und in der nächsten Woche nicht, dann gäbe es auch schon mal Beschwerden, berichtet Grosch kopfschüttelnd. „Die Tafeln sind eine gute Idee, aber keine Selbstverständlichkeit“, sagt er. Schließlich lebe auch sein Verein von der Hand in den Mund – gänzlich ohne staatliche Hilfe. Einmal abgesehen von den Ein-Euro-Jobbern, die dank der guten Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur die Tafel-Arbeit unterstützen. 100 000 Euro braucht Grosch im Jahr für Benzin, für Raummieten und für Reparaturen. „Das geht nur mit Spenden“, erklärt Grosch. „Ich frage mich, wie wir das 20 Jahre lang immer geschafft haben.“

Zum Glück hält die Hilfsbereitschaft an. Erst jüngst habe die Trainerin einer Jungen-Hockeymannschaft angeboten, beim Pflücken von Obst im Tafelgarten zu helfen. Und auch ein Autohaus habe gerade wieder für die Tafel gesammelt. Das sind nur zwei aktuelle Beispiele. „Ohne diese Hilfe wäre unsere Arbeit nicht möglich“, sagt Grosch.

So können Sie helfen:

Der Verein Schweriner Tafel ist auf Spenden angewiesen, um Mieten, Reparaturen und Spritkosten zahlen zu können. Wer helfen möchte: Evangelische Bank eG, IBAN DE65 5206 0410 0007 3104 04.

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