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Schweriner Stadtgeschichten : Die Stadt beginnt zu wachsen

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eingemeindungen in die Landeshauptstadt: heute – seit dem 19. Jahrhundert gehören Schelf-, Feldstadt und Neumühle zu Schwerin

svz.de von
erstellt am 04.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Die Landeshauptstadt hat 24 Stadtteile, doch nur wenige gehören seit der Gründung Schwerins mit der Verleihung der Stadtrechte 1160 zum Stadtgebiet. Viele der Viertel wurden erst nach und nach eingemeindet, so wie die Schelfstadt, die Feldstadt und Neumühle im 19. Jahrhundert.

Mehr als hundert Jahre lang existierten Schwerin und die heutige Schelfstadt, damals Neustadt genannt, nebeneinander – eigenständig und unabhängig voneinander. Für die Schweriner Bürgerschaft völlig unverständlich. „Die Unzuträglichkeit, welche aus der Trennung so eng verbundener Commünen bestand, war sehr groß“, schreibt Ludwig Fromm in seiner Chronik der Haupt- und Residenzstadt Schwerin. Am 1. Januar 1832 war damit Schluss, die erste Eingemeindung der Stadt wurde vollzogen – genau 63 Jahre nachdem die Neustadt ihre eigene Verfassung bekam.

Denn die heutige Schelfstadt war zunächst als eigenständige und neue Stadt geplant. Herzog Friedrich Wilhelm entschied am 26. Juni 1705 den „Anbau- und Extendirung der bey der Alten Residentz-Stadt und Vestung Schwerin nahe anliegenden bisher so genandten Schelffe“. Jakob Reutz plante die Neustadt und entwickelte für die damalige Steinstraße, heute Puschkinstraße, die Schul- und Apothekerstraße sowie die Fischerstraße, heute Münzstraße, die Bebauung. Ein neuer Marktplatz sollte entstehen, ebenso wie eine Kirche. Die neuen Häuser in den Hauptstraßen durften dabei nicht höher als zwei Stockwerke sein.

Seit 185 Jahren gehört die historische Schelfstadt mit dem Pfaffenteich, dem ältesten Bauwerk der Stadt, dem Elektrizitätswerk, dem Schweinemarkt, der Schelfkirche und dem Schelfmarkt sowie dem Schleswig-Holstein-Haus nun zu Schwerin. Die Eingemeindung war jedoch nicht die einzige, die im 19. Jahrhundert erfolgte.

Auch das „Nachtjackenviertel“ ist seit 1840 ein Stadtteil der Landeshauptstadt. Wegen der zahlreichen Bars, Kneipen, Restaurants und des aktiven Nachtlebens wurde die Feldstadt von den Schwerinern lange so genannt. Und auch bei seiner Eingemeindung hieß der Stadtteil nicht so wie heute. In der damaligen Vorstadt standen zwar nur wenige Häuser, doch dafür fanden sich dort zahlreiche Gast- und Wirtshäuser.

Um die Zahlung der Aus- und Eingangszölle besser kontrollieren zu können, entstanden im 19. Jahrhundert Wälle und Toranlagen wie das Berliner Tor am Platz der Jugend. So wurde aus der Vorstadt 1840 ein Teil von Schwerin.

48 Jahre später fand dann die letzte Eingemeindung im 19. Jahrhundert statt – und das wegen einer Mühle. 1888 kaufte Schwerin die „neue Mühle“ dem Dorf Wittenförden ab und damit auch die Rechte an dem Gebiet. Die Wassermühle stand am südlichen Ende des Neumühler Sees und diente erst als Korn- und dann als Walkmühle.

Doch der neue Stadtteil brachte nicht nur die Mühle in die Stadt, sondern auch neue Möglichkeiten der Wasserversorgung. Durch die erhöhte Lage und den Zugang zum Neumühler See wurde zwischen 1887 und 1899 eine Kanalisation und Wasserleitungsanlage errichtet. Seit 1889 werden die Schweriner Bürger zentral mit dem Trinkwasser aus Neumühle versorgt. Zudem entstanden in der Zeit das Wasserwerk und der Wasserturm, der noch heute Wahrzeichen des östlichen Stadtteils ist.

Neben der Mühle und der Wasserversorgung profitierte die Landeshauptstadt auch von den erworbenen Stadtwiesen, den „Mühlen-Schaar“, deren Verpachtung Geld in die Stadtkasse fließen ließ.

Weniger erfreut durften die Schweriner über den Weinanbau auf dem Neumühler Weinberg gewesen sein. Dort wurde lange versucht, Wein anzubauen – wenn auch mit scheinbar wenig Erfolg. Eine Legende erzählt von französischen Offizieren, die während der Besetzung im frühen 19. Jahrhundert im Schloss untergebracht waren und den Wein aus Neumühle probierten. Sie seien um Jahre gealtert und ergraut. Danach hätten sie nie wieder nach dem Wein verlangt.

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