zur Navigation springen

Die Fassade bröckelt: : Die Staatskanzlei wird aufpoliert

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Neue Farbe und Fenster sollen dem Gebäude wieder Glanz verleihen / 3,7 Millionen Euro soll die Sanierung kosten

von
erstellt am 18.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Groß und ehrwürdig ragt es aus dem Boden. Die klassizistische, dreiflügelige Anlage, die an den Alten Garten grenzt, hat eine lange Geschichte. Heute dient das Gebäude als Sitz der Staatskanzlei, der Ministerpräsident hat hier sein Büro.

Früher bot sie einen wirklich beeindruckenden Anblick, heute bröckelt die Fassade an vielen Stellen. Und auch an den Fenstern und Türen ist die Zeit nicht spurlos vorbei gegangen. Damit soll nun aber Schluss sein: „Die Staatskanzlei wird saniert“, heißt es auf Nachfrage der SVZ aus dem Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern. „Für knapp 3,7 Millionen Euro werden bis Ende des Jahres die Arbeiten an der Fassade und im Gebäude ausgeführt“, sagt Mitarbeiter Christian Hoffmann.

Eingerüstet werde das Gebäude im Frühjahr, so dass die Arbeiten bzw. Natursteinarbeiten zum Ausbessern und Streichen der Fassade, am Portikus sowie an den Schmuckelementen vorgenommen werden können. Die Fenster seien im so genannten Kastenfenstersystem angelegt und sollen nach historischem Befund aufgearbeitet, teilweise oder komplett ausgetauscht werden. „Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, werden die Arbeiten eng mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege abgestimmt“, so Hoffmann. Außerdem werde der Brandschutz den aktuellen Anforderungen entsprechend angepasst. Dafür sei extra ein Brandschutzkonzept erarbeitet worden, das ebenfalls bis Ende des Jahres umgesetzt werden soll.


Aus der Geschichte



Auf dem Gelände des heutigen Regierungsgebäudes stand etwa ab 1236 ein Franziskanerkloster, das im Zuge der Reformation 1548 aufgelöst und im 16. Jahrhundert weitgehend abgetragen wurde. Mit der Planung des Kollegiumsgebäudes wurde schließlich 1819 begonnen. Errichtet wurde es von 1825 bis 1834 – das ist klar. Unstrittig ist auch, dass es nach dem Entwurf des Architekten Carl Heinrich Wünsch gebaut wurde. Doch ist auf dem Entwurf auch eindeutig die Handschrift des wohl berühmtesten Baumeisters Schwerins zu finden, von Georg Adolph Demmler. Wie groß sein Anteil wirklich war, wird wohl immer Spekulation bleiben. Demmler selbst hatte zwei Entwürfe für den Bau eingereicht. Beide wurden allerdings abgelehnt. Das Gelände war schwierig und abschüssig. So gestaltete sich der Bau nicht ganz einfach. Fast zehn Jahre sollten die Arbeiten andauern.

Heute gilt der massige, kräftig gegliederte, dreigeschossige Putzbau als das bedeutendste klassizistische Gebäude der Landeshauptstadt. Die fünf Götterstatuen auf dem Giebel des Hauses sind von Emil Cauer: Zeus, Athene und Demeter zur Schlossstraße und Hermes und Poseidon auf der Rückseite. Für die damalige Zeit war das Gebäude hoch modern. Sogar eine zentrale Wärmeluftheizung gab es. Doch am 1. Dezember 1865 brannte d er Bau bis auf die Grundmauern ab.

In nur zwei Jahren wurde das Kollegiumsgebäude wieder aufgebaut, und zwar von Demmlers Nachfolger Hermann Willebrand. Er hielt sich an die alten Baupläne, setzte aber im Innern eigene Akzente: Wie zum Beispiel die so genannte Goldene Treppe, die vom Haupteingang oberhalb der Terrasse in der Schlossstraße zu den Repäsentationsräumen der Staatskanzlei empor führt.

Das Kollegiumsgebäude war in seiner gesamten Geschichte stets das wichtigste Regierungsgebäude in Schwerin: Bis 1918 war es Sitz des Großherzoglichen Staatsministeriums, bis 1933 des bürgerlichen Kabinetts. Nach der Machtergreifung Hitlers diente es bis 1945 als Sitz der NSDAP-Gauleitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte eine Nutzung durch die Landesregierung Mecklenburgs und seit 1952 durch die SED-Bezirksleitung Schwerin. Im Oktober 1990 wurde es dann schließlich Sitz der Staatskanzlei.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen