Theaterprojekt : Die Sehnsucht nach der Traumfigur

Schauspielerin Britt Claudia Dehler spielt im E-Werk eine junge Frau, die unter Anorexie leidet.
Schauspielerin Britt Claudia Dehler spielt im E-Werk eine junge Frau, die unter Anorexie leidet.

Berufsschüler schauen sich Theaterstück zum Thema Essstörungen an und diskutieren dann mit Experten über Bulimie und Anorexie

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10. Juni 2015, 08:00 Uhr

Der Titel des Theaterstücks im E-Werk ist schon harte Kost: „Fressen – Lieben – Kotzen“. Noch härter indes ist das Stück selbst, das Regisseur Markus Wünsch der Schauspielerin Brit Claudia Dehler wie auf den Leib geschrieben hat und das sich jetzt Schüler der Beruflichen Schule Gesundheit der Landeshauptstadt angeschaut haben, um das Thema Essstörungen tiefgründig zu diskutieren.

Die Bühne ist schwarz und fast leer. Nur ein Mikrofon und eine Videokamera stehen auf Stativen. Eine junge Frau tritt auf die Bühne, stellt sich vor und beginnt, sich auszuziehen. Vollständig. Es wird totenstill im Theater. Die Zuschauer starren wie gebannt auf den nackten Körper. Die Frau tritt ans Mikro, blickt in die Kamera und beginnt zu sprechen. Das Bild wird auf eine Leinwand projiziert. Nun blickt ein überlebensgroßes Gesicht die Zuschauer ausdrucksstark an und zieht sofort alle Blicke auf sich. Die Worte fesseln, die Geschichte setzt Emotionen frei. Schonungslos erzählt die Frau auf der Bühne vom Martyrium ihres Köpers mit einem einzigen Ziel: der Traumfigur. Eine Stunde prasseln Worte wie Peitschenhiebe diesmal nicht auf den geschundenen Körper, sondern auf die Zuschauer. Die Geschichte klingt so authentisch, wird so überzeugend gespielt, dass die Leute im Raum tief berührt sind, einige vermuten sogar, die Schauspielerin spiele nicht, sondern berichte aus eigenem Erleben.

Schnell wird in den nach einer Denk-Pause beginnenden Gesprächen klar, dass die exzessive Sehnsucht nach der Traumfigur eigentlich die Sehnsucht nach Liebe ist. Die Schüler gehen aber noch tiefer, suchen Ursachen für fehlende Liebe oder Liebesentzug, für Ängste und Selbstzweifel, die zu solch fatalen Auswirkungen führen können. Doch wie können sie mit dem Thema umgehen? Wie sich oder Freunden helfen?

Schauspielerin Brit Claudia Dehler, Theaterpädagogin Nadine Lipp, Psychologin und Amtsärztin Renate Kubbutat, Heilerzieher Marco Kübler und Suchtpräventionsberaterin Angela Marie Munser versuchen, Antworten zu geben. „Identitätskrisen hat jeder mal, die Frage ist doch, wie man damit umgeht. Man hat immer eine Wahl, aber dafür ist Ehrlichkeit zu sich selbst wichtig“, sagt Kubbutat. Die Berufsschüler wollen wissen, wie sie als künftige Heilerzieher helfen können. „Offenheit im Gespräch, Vertrauen schaffen, nicht kontrollieren, sondern als Gesprächspartner Brücken bauen“, rät Kübler. „Wenn ich erkenne, wo die Ursachen liegen, habe ich auch eine Chance, dann habe ich die Wahl“, fasst Lipp zusammen.

Termine für das Stück können Schulklassen mit ihr unter Telefon 0385-5300144 vereinbaren.

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