„Kurt Bürger“ wieder In : Die Ruhe nach dem Sturm

Frische Farbe für die Fassade, viel Durchhaltevermögen und Spaß am Umgang mit den Gästen: Ulrich Gursinksi hat die Schweriner Jugendherberge vom Landesverband übernommen.
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Frische Farbe für die Fassade, viel Durchhaltevermögen und Spaß am Umgang mit den Gästen: Ulrich Gursinksi hat die Schweriner Jugendherberge vom Landesverband übernommen.

Schweriner Jugendherberge hat sich von ehrgeizigen Erweiterungsplänen verabschiedet und kalkuliert mit 9000 Gästen pro Jahr

svz.de von
08. November 2014, 12:00 Uhr

Die Jugendherberge „Kurt Bürger“ war kurz nach der Wende ein Renner: Gäste mussten sogar in Notbetten übernachten, so groß war der Andrang im Sommer. Reservierungen lagen aus Japan, Australien, England oder Italien vor. Herbergsleiter Ulrich Gursinksi kündigte damals an, dass der Landesverband intensiv über eine Erweiterung der Schweriner Anlage nachdenke – von 90 auf 180 Betten. „Damit würden wir deutlich auf über 30 000 Übernachtungen kommen“, so Gursinski anno 1994. Ein Architekturbüro sei bereits beauftragt worden, Enwtürfe vorzulegen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Erweiterung ist nicht gekommen und längst wollen nicht mehr 16 0000 Besucher im Jahr – so viele waren es 1994 – in der Schweriner Herberge Quartier nehmen. Auf rund 9000 habe sich die Gästezahl inzwischen eingependelt, sagt Ulrich Gursinski. Eine Zahl, mit der er und seine Frau, die die Herberge seit 2007 privat betreiben, gut wirtschaften können. Heute lächelt der langjährige Herbergsvater, wenn er sich an den Ansturm und die hochtrabenden Pläne erinnert. Warum alles dann doch ganz anders gekommen ist, das ließe sich in wenigen Worten zusammenfassen: demografischer Wandel, sprich weniger Schulklassen, sowie immer mehr Übernachtungsangebote in Schwerin und ein wachsendes Anspruchsdenken der Gäste. „Unsere Besucher waren vor 20 Jahren abgehärtet und kamen mit den spartanischen Verhältnissen, also kleinen Zimmern und Duschen im Keller, besser klar“, sagt Gursinski. Damals wie heute hatte die Schweriner Herberge 90 Übernachtungsmöglichkeiten, davon viele in Sechs-Bett-Zimmern, und den Sanitärtrakt im Souterrain. Immerhin gibt es heute mehrere Duschräume, sogar für Lehrer sind jetzt separate Duschen und WCs mit eigenem Schlüssel eingebaut. Für Klassenfahrten, Jugendfreizeiten oder Trainingslager sei das Angebot völlig in Ordnung, aber einen längeren Familienurlaub in der Schweriner Jugendherberge – den würde Gursinski selbst nicht machen. Er bleibt auf dem Teppich, schätzt die Zustände und Möglichkeiten des Gebäudes am Waldschulweg realistisch ein. Dabei: Familienurlaub in Herbergen liegt im Trend, weiß der Schweriner. Doch dafür müssten die Zimmer größer sein, Dusche und WC direkt angeschlossen. Doch solch einen Umbau kann Gursinski finanziell nicht stemmen.

Dass der Landesverband des Jugendherbergen einen größeren Umbau in Schwerin auch nicht stemmen konnte, das klärte sich um die Jahrtausendwende. Bis dato wurden Finanzpläne geschmiedet, Bauvoranfragen gestellt, das Anbauprojekt entwickelt – doch das nötige Geld kam nicht zusammen. Die Besucherzahlen sanken kontinuierlich, statt zu steigen. 2006 schließlich trennte sich der Verband gleich von mehreren Häusern in MV, erzählt Gursinski. „Damals war ich gerade 50 und dachte: eine Jugendherberge leiten kannst du am besten, also habe ich mit meiner Frau das Haus übernommen.“ Leider sei in den 90er-Jahren nicht mehr allzu viel Geld ins Haus gesteckt worden, weil man ja auf den großen Umbau wartete, sagt Gursinski. Also musste er in den vergangenen Jahren einiges nachholen. Die Fenster wurden aufgearbeitet, die Fassade saniert, die Sanitärräume erweitert, neue Möbel angeschafft, Fluchttreppen angebaut und Nebengebäude auf Vordermann gebracht. Acht bis neun Mitarbeiter braucht die Schweriner Jugendherberge in der Saison von März bis Oktober, im Winter komme er mit drei bis vier Leuten aus, sagt Gursinksi.

Schulklassen machen heute übrigens nur noch 40 Prozent der Gäste aus. Viele Vereine, vor allem Sportler und Musiker kommen, einmal hatte Gursinski schon den Thomanerchor zu Gast. „Wir sind heute aber trotzdem noch ein Wirtschaftsfaktor für die ganze Stadt“, betont Gursinki. „Unsere Besucher schicken wir in den Zoo, die Naturschutzstation, die Schleifmühle, ins Planetarium oder ins Eisenbahnmuseum.“ Außerdem bietet die Herberge ein eigenes Aktivitäts-Programm mit Kanutouren und Klettern.

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