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Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 08:44 Uhr

Pingelshagen : „Die rosigen Zeiten sind vorbei“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Silke Priegnitz verkauft seit zehn Jahren Blumen in Pingelshagen, doch die große Konkurrenz macht es ihrem Geschäft immer schwerer

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Blumen am Arbeitsplatz. Silke Priegnitz hat sie zur Genüge. Wenn ihr jemand einen Strauß weg nimmt, dann ist sie auch gar nicht beleidigt. Im Gegenteil. Sie freut sich, denn so kommt Geld in die Kasse ihres kleinen Blumenladens. Doch von einem florierenden Geschäft könne keine Rede sein. „Die rosigen Zeiten, die sind vorbei.“

Silke Priegnitz sorgt vor. Ist kein Kunde im Geschäft, dann bindet sie Sträuße. Oder macht Totensonntags-Kissen. Der November, das ist die Zeit des Grabschmucks. Dann nimmt sie Styropor, umhüllt es mit Island-Moos und verziert das Ganze mit Zapfen, Strandflieder oder Zuckerbüschen. Manchmal kommt jemand in ihren Laden und sagt, dass er solch ein Gesteck für 4,95 Euro im Discounter bekommt. „Aber bei mir ist alles Handarbeit. Die hat eben ihren Preis“, antwortet sie dann. Der kleine Blumenladen in dieser beschaulichen Holzhütte an der Buswendeschleife an der Grevesmühlener Chaussee und die große Blumen-Konkurrenz in den Discountern. Ein ungleicher Kampf. „Selbst an den Tankstellen gibt es Blumen“, weiß die Floristin, die früher einmal Gärtnerin war.

Die einstige Warnitzer Gärtnerei, das war Silke Priegnitz’ Arbeitgeber. 1991 war dort Feierabend. „Wir haben das Licht ausgemacht“, erinnert sie sich. Zeit für Wehmut blieb keine. Sie schulte um zur Floristin, arbeitete in einem Blumengeschäft in einem großen Einkaufszentrum. 2007 wurde das Jahr, in dem sich die Pingelshagenerin in die Selbstständigkeit wagte. In ihrem Dorf wurde der Blumenladen frei, die Gemeinde suchte dringend eine Nachfolgerin. Silke Priegnitz übernahm mit Kollegin Brigitte Schult das Geschäft. Jetzt hatten sie eine Blockhütte, viel Tatendrang, jede Menge Arbeit und noch kein fließendes Wasser in ihrem „Blumenhaus Pingelshagen“. Die Wasserleitung kam, die Kundschaft auch.

Seit vier Jahren steht sie nun alleine zwischen frischen Blumen und Fröschen aus Keramik. Ihre Kollegin ist im Ruhestand. „Für zwei würde das Geschäft jetzt auch nicht mehr reichen. Der Umsatz hat sich in den vergangenen Jahren mehr als halbiert“, weiß die Floristin. Es gibt Tage, da kommen nur zwei Kunden. Freitage gehören nicht dazu. Dann kommen die Lkw-Fahrer, die auf der Heimreise Blumen für die Liebsten holen. Dann kommen Kunden, die sich mit bunten Blumen das Wochenende verschönern oder sie verschenken wollen. Fast alle sind Stammkunden. Ganz oft kommt Jeannette Schmidt. Sie wohnt auf der anderen Straßenseite, bringt schon mal eine Portion Sauerfleisch oder ein Stück Kuchen mit rüber. So lässt es sich besser schnacken. Das gehört in solch einem Laden dazu. Ja, sagt Silke Priegnitz, es mache ihr nach wie vor Spaß, im eigenen Laden so kreativ sein zu können. Nein, sagt sie, sie glaube nicht, dass sie das bei der wirtschaftlichen Entwicklung noch zehn Jahre lang machen werde. „Ich habe schön öfter ans Aufhören gedacht“, gibt sie zu. Doch noch konnten Stammkunden und Freunde sie überreden, weiter zu machen.

Am Dienstag feierte Silke Priegnitz ihr zehnjähriges Firmenbestehen. Da gab es warme Worte und Geschenke. Wein, Sekt, Süßigkeiten. Ein Gutschein für eine Massage war auch dabei. Blumen gab es dagegen nicht. Das macht Sinn. Denn die hat die Blumenfrau ja zur Genüge.

 

 

 

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