Die Roman-Autorin von nebenan

Den Schreibtisch teilt sich Karina Brauer mit ihrem Mann, der selbst Gedichte und Kurzgeschichten schreibt. Foto: Klawitter
Den Schreibtisch teilt sich Karina Brauer mit ihrem Mann, der selbst Gedichte und Kurzgeschichten schreibt. Foto: Klawitter

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18. April 2010, 07:59 Uhr

Neu Zippendorf | Unter ihren Schüler-Aufsätzen stand früher oft: "Kürzer fassen". Karina Brauer muss lachen, wenn sie daran denkt. "Ich habe eben schon immer gerne geschrieben und mir Geschichten ausgedacht." Abends, wenn sie nicht einschlafen kann, entwickelt sie im Kopf ganze Fortsetzungsromane. "Irgendwann hat mein Mann mich gefragt, warum ich das alles nicht mal aufschreibe", erzählt die 48-Jährige. Eines Tages hat sie sich tatsächlich drangesetzt. Jetzt liegt ihr erster Roman vor: "Du kannst den Wind nicht aufhalten" heißt er und ist erschienen im Literareon-Verlag. Am Sonnabend stellt sie ihn auf der Schweriner Literaturmesse in der Volkshochschule vor. Neben ihr wird dann vermutlich ihr Mann Werner Brauer sitzen. Nicht nur, um ihr Mut zuzusprechen, sondern auch, weil er selbst Autor ist von Jugendliteratur, Kurzgeschichten und Gedichten.

Das Ehepaar Brauer wohnt in einem Hochhaus in der Hamburger Allee. Die vier Kinder sind inzwischen ausgezogen, der erste Raum gleich neben der Eingangstür ist zum kreativen Schreibzimmer umfunktioniert worden. Werner Brauer nutzt es tagsüber, Karina Brauer übernimmt die Spätschicht am heimischen Computer, wenn sie von der Arbeit in Grevesmühlen nach Hause kommt. Dort leitet die studierte Lehrerin seit zwei Jahren die Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer von häuslicher Gewalt. "Ich bin bei der großen Kündigungswelle 1992 aus dem Schuldienst entlassen worden", erzählt Karina Brauer. "Mittlerweile habe ich die ganze Palette durch - mit Arbeitslosigkeit und Weiterbildung. Ich bin sehr glücklich, dass ich jetzt wieder einen Job habe, in dem ich helfen kann."

Mehr als fünf Jahre lang hat die ge bürtige Schwerinerin die Geschichte um Chris-Tina, die Heldin ihres Debüt-Romans, gesponnen. Als sie sich dann an den Schreibtisch setzte, war sie selbst erstaunt, wie schnell die Worte aufs Papier flossen. Ein halbes Jahr brauchte sie für das Manuskript. Knapp 220 Seiten ist der gedruckte Roman stark.

"Ich wollte ein Bild vom Leben in der DDR geben", beschreibt Karina Brauer die Grundidee. Die Geschichte beginnt in den 80er-Jahren, arbeitet mit Rückblenden und endet schließlich 2002. Hauptfigur Chris-Tina studiert anfangs Pädagogik - so wie ihre Erfinderin. "Ich bin aber nicht Chris-Tina", sagt Karina Brauer. "Natürlich habe ich einige Seiten von mir und Dinge, die ich selbst erlebt habe, im Roman versteckt." Ihrer Urgroßmutter, die sie zärtlich "Ömi" nennt, hat sie mit dem Roman ein kleines Denkmal gesetzt, gibt Karina Brauer zu. Denn eine "Ömi" spielt in "Du kannst den Wind nicht aufhalten" eine zentrale Rolle.

Die Vermarktung ihres Erstlingswerkes hat Karina Brauer selbst übernommen. Das ist gar nicht so einfach. Vielen Bibliotheken in der Region hat sie eine Lesung angeboten, bei Buchhandlungen Exemplare der Erstauflage abgeben. "Dort habe ich mal für einen Tag neben Reinhold Messner gelegen", erzählt sie stolz. "Was will man mehr?" Noch ein Buch schreiben. Karina Brauer ist schon mittendrin im zweiten Roman. Wieder beginnt er zu DDR-Zeiten, wieder steht eine junge Frau im Mittelpunkt. "Aber diesmal gibt es noch mehr Dramatik", verspricht die Autorin.

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