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Schwerin Mühlen der Verwaltung : Die Odyssee eines Investors

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"Was ich in Schwerin erlebt habe, kann man sich gar nicht vorstellen", sagt Klaus Donner. "Das ist ja schlimmer als früher." Der Investor ist erbost über die Arbeit der städtischen Verwaltung und der Landesbehörden.

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erstellt am 21.Jul.2013 | 05:46 Uhr

Krebsförden | "Was ich in Schwerin erlebt habe, kann man sich gar nicht vorstellen", sagt Klaus Donner. "Das ist ja schlimmer als früher." Der Investor ist erbost über die Arbeit der städtischen Verwaltung und der Landesbehörden.

Im Jahr 2005 kauft Klaus Donner eine ehemalige Kieskuhle in Krebsförden. Er will die Fläche erschließen und die Grundstücke für eine Wohnbebauung vorbereiten. 2009 stellt er bei der Stadt eine Bauvoranfrage. Die wird positiv beschieden - die Bauverwaltung sieht kein Hindernis für eine Bebauung. Doch es kommt anders. Im Laufe der weiteren Bearbeitung stellt sich heraus, dass die Fläche laut Liegenschaftskataster an einen Wald grenzt. "Das hatte Klaus Donner in seiner Voranfrage nicht angegeben", sagt Baudezernent Wolfram Friedersdorff. "Zu einem Wald muss allerdings immer ein Mindestabstand eingehalten werden." Damit begannen die Probleme. Die Stadt stellte bei der Landesforstverwaltung einen Antrag auf eine so genannte Waldumwandlung. Doch die Forst wollte nicht auf das kleine Waldstück verzichten - der Antrag wurde abgelehnt. Friedersdorff verhandelte mit dem zuständigen Staatssekretär, Klaus Donner sprach mit dem Staatssekretär und Minister Till Backhaus. In der Folge wurde klar: Eine Wohnbebauung ist nur möglich, wenn ein Bebauungsplan aufgestellt wird. Das übernahm aber nicht wie üblich der Investor, sondern die Stadtverwaltung. "Das war der einfachere Weg", begründet Friedersdorff.

Inzwischen hatte Klaus Donner jede Menge Müll aus der ehemaligen Kieskuhle geholt und auf seine Kosten entsorgt. "Anschließend sind 8400 Kubikmeter Kies aufgefüllt worden. Das hat allein 70 000 Euro gekostet." Das war im Jahr 2011 - einen B-Plan gab es immer noch nicht. Allerdings hatte Donner bereits eine Familie aus Hamburg und eine aus Schleswig-Holstein gefunden, die Am Wald bauen wollten.

In Medewege wurde als Naturausgleich eine Hecke gepflanzt. Und die Waldumwandlung war endlich möglich. Mitarbeiter der Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS) legten die Säge an - und wurden von ihrem stellvertretenden Betriebsleiter gleich wieder gestoppt. Er meinte, dass die Bäume nach der städtischen Baumschutzsatzung nicht hätten gefällt werden dürfen. "Ich habe gleich beim zuständigen Forstamtsleiter angerufen", sagt Klaus Donner. "Der hat mir bestätigt, dass die Baumschutzsatzung für einen Wald gar nicht gilt." Doch die Arbeiten konnten immer noch nicht weiter gehen. In den Baumkronen wurden zwei Vogelnester entdeckt. "Das Umweltamt der Stadt verlangte von mir zu kontrollieren, ob die Nester besetzt sind - bei Schnee und acht Grad minus", erregt sich Donner. Zwei Mitarbeiterinnen des Amtes kamen per Fahrrad nach Krebsförden, um die Angelegenheit zu überwachen. "Die waren ganz schön durchgefroren", schmunzelt der Investor. Es stellte sich heraus, dass die Nistgelegenheiten offenbar schon älter waren und schon im Vorsommer nicht genutzt worden waren. Die Bäume konnten gefällt werden. Mit dem Erlös aus dem Holzverkauf wurden die SDS bezahlt. Heute stehen auf 900 Quadratmetern zwei Baumgruppen und zwei einzelne Bäume.

Auch die Erschließung ist erledigt, fünf Grundstücke können bebaut werden. Klaus Donner hat neben dem Grundstückskauf noch 220 000 Euro investiert. "Ich hoffe, dass ich mit plus minus Null aus der Sache rauskomme." Auch Wolfram Friedersdorff ist zufrieden, dass die Sache nun doch noch zu einem guten Ende gekommen ist. "Wir wollten die Bebauung an dieser Stelle. Aber die Verhandlungen mit dem Land wegen des Waldes waren sehr kompliziert." Das Fazit von Klaus Donner: "Es ist unglaublich, wie in Schwerin mit Investoren umgegangen wird."

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