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23. November 2017 | 10:03 Uhr

Die Nacht der schwarzen Bildschirme

vom

svz.de von
erstellt am 07.Okt.2010 | 10:14 Uhr

Schwerin | Für rund 18 000 Fernsehzuschauer fiel der Feierabend am Mittwoch anders aus als geplant. Einige wollten "Aktenzeichen XY...ungelöst" im TV sehen, andere den Klassiker "Edward mit den Scherenhänden", wieder andere das Handball-Bundesligaspiel THW Kiel gegen Frisch Auf Göppingen. Doch zumindest die Kunden von Kabel Deutschland schauten in die Röhre - kein Bild. Der Grund: Gegen 15.30 Uhr war bei Erdarbeiten ein Glasfaserkabel beschädigt worden. "Dadurch kam es zu einer Unterbrechung aller Dienste über dieses Breitbandkabel", sagt Kabel Deutschland-Pressereferentin Dorothee Janssens. Zur Reparatur seien Tiefbauarbeiten nötig gewesen, Handwerker hätten das Kabel flicken müssen. Erst gestern gegen 10 Uhr waren die Arbeiten beendet und alle Dienste wieder erreichbar.

SVZ hörte sich am Pannen-Abend in Schwerin um. In der Videothek "Video Paradies" zum Beispiel war mehr los als an einem gewöhnlichen Mittwoch. "Eigentlich ist das eher ein ruhiger Tag, aber an diesem Abend waren viele Kunden hier", sagt Gudrun Häusler.

Protokoll einer fernsehlosen Zeit:

17.55 Uhr: Zeit für das Sandmännchen bei Familie Bremert. Doch auf dem Bildschirm flackert es nur. Denee Bremert muss seinen Sohn ohne das abendliche Ritual ins Bett bringen. "Es geht auch mal so", sagt der Vater.

18.46 Uhr: Statt fernzusehen macht sich Sozialarbeiter Klaus Bammann zu einer Joggingrunde durch die Altstadt auf. "Das wurde sowieso mal wieder Zeit", sagt der 29-Jährige.

19.44 Uhr: In der Bar "Mr. Sports" sitzen Leiter Stephan Breitmoser und Koch Sven Warncke am Tresen. Sie schauen das Handball-Spiel THW Kiel gegen Frisch Auf Göppingen. Im Gastraum herrscht gähnende Leere. Nichts los - trotz schwarzer Bildschirme in vielen Haushalten. Nicht ein einziger Gast ist da. "Wir haben ein Bild, weil wir es über Satellit bekommen", sagt Breitmoser.

20.11 Uhr: Jan Szymanski betritt die Bar. "Ich kann nicht fernsehen heute Abend", sagt der 35-Jährige. Er weiß schon von der Störung, hat direkt bei Kabel Deutschland angerufen. Jetzt schaut er sich das Handball-Spiel auf der Großbildleinwand an. "Ich habe mal in Kiel gewohnt, deshalb interessiert mich das Spiel schon", sagt er und bestellt einen Pfefferminztee. "Zur Entspannung."

20.21 Uhr: Klaus Bammann macht sich auf die Suche nach einem Scart-Kabel. Er will sich eine DVD ansehen, wenn der Fernseher schon nicht funktioniert.

21.06 Uhr: Tischlermeister Jan-Eric Däumer greift nach einem Buch im Regal. Ein Bestseller von Andreas Eschbach. Der 27-Jährige ist einer der wenigen, die der TV-Ausfall nicht interessiert: Er hat keinen Fernseher.

21.49 Uhr: Das Spiel ist aus. Kiel hat klar mit 39:24 gewonnen.

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