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Wodenhoferin hat sich der Imkerei verschrieben : Die Mutter der Königinnen

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Karla Wallner mag Königinnen. Ihnen gilt ihr besonderes Interesse. Wenn es darum geht, Bienen-Königinnen zu züchten, macht ihr von den Hobbyimkern so leicht keiner etwas vor. 15 Völker betreut die 82-Jährige.

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erstellt am 24.Apr.2013 | 09:37 Uhr

Wodenhof | Karla Wallner mag Königinnen. Ihnen gilt ihr besonderes Interesse. Wenn es darum geht, Bienen-Königinnen zu züchten, macht ihr von den Hobbyimkern so leicht keiner etwas vor. Für das so genannte Umlarven braucht man nämlich nicht nur gute Augen, sondern auch ruhige Hände, erzählt die Freizeitimkerin aus Wodenhof. Und beides hat sie mit ihren 82 Jahren noch. Hierbei werden junge Bienenlarven, die ein bis anderthalb Tage alt sind, aus den Wabenzellen entnommen und in künstlich geformte, so genannte Weiselzellen gelegt. Dort entwickeln sie sich zu Königinnen. Denn ob aus einem Ei eine Arbeiterin oder eine Königin wird, hängt ausschließlich von der Art der Pflege durch die Ammenbienen ab. Karla Wallner: "Larven in Weiselzellen werden ausschließlich als Königinnen aufgezogen." Die Wodenhoferin könnte darüber viel erzählen, weil sie auch ein bisschen stolz darauf ist. Denn das Umlarven beherrscht nicht jeder. Sie habe das früh gelernt. Ihr Mann, der leider schon verstorben ist, züchtete Bienen in seiner Freizeit. Und als sie sich damit vertraut machte, fand sie schnell Gefallen daran. "Königinnen zu züchten, das hat mich von Anfang an interessiert", sagt sie.

15 Völker betreut Karla Wallner heute noch - in Wodenhof, bei Wickendorf und auf dem Grundstück ihrer Tochter in Langen Brütz. Mit ihren Bienen geht sie nicht mehr auf Wanderschaft. Bis 2011 war die Imkerin auf der Insel Poel anzutreffen. Danach war Schluss mit dem Wandern. "Das ist mühevoll geworden. Ich habe meine Bienen lieber in der Nähe" sagt sie. Und wie es ausschaut, haben die meisten Völker den langen Winter gut überstanden. Nur ein Volk sei verhungert. Leider. Futter hatten alle Bienen gleich viel. "Ich schätze, dass sich in diesem Bienenstock Wespen bedient haben."

Während die Völker im Winter Ruhe hielten, hat Karla Wallner die Zeit genutzt, um die Holzrähmchen für die Waben gründlich zu reinigen, einige musste sie erneuern. Das macht sie ohne fremde Hilfe. Die Holzleisten schneidet sie an der Kreissäge. Doch mittlerweile hat die 82-Jährige Respekt vor der Säge, weil schon mal ein kleines Missgeschick passiert ist.

Mit Beginn des warmen Wetters haben sich die ersten Bienen auf den so genannten Reinigungsflug gemacht. "Sie fliegen aus dem Bienenstock und entleeren sich. Wegen der Verbreitung von Krankheitserregern machen sie das nicht in der Beute, ihrer Behausung. Allerdings fliegen Bienen nur an sonnigen Tagen bei einer Lufttemperatur von 10 Grad Celsius - und am liebsten um die Mittagszeit. Sie suchen sich dann helle, farbintensive Flugziele. "Deshalb rät jeder Imker, dann keine weißen Bettlaken auf die Wäscheleine zu hängen, weil man sich über die gelben oder bräunlichen Kotflecken der Bienen ärgert", erzählt die Hobbyimkerin schmunzelnd, die sich auch mit anderen Weisheiten gut auskennt. So sagt sie: "Wenn die Weide zu blühen beginnt, dann dauert es noch 30 Tage, bis der Raps blüht." So können sich Imker auf die beginnende Saison gut einstellen. Nach der Rapsblüte wird der erste Honig des Jahres geerntet. "Das ist für mich eine arbeitsreiche Zeit, auch wenn meine Tochter mich dabei unterstützt." Mit ihrem Honig versorgt die Wodenhoferin ihre Familie, den süßen Brotaufstrich a la Wallner gibt es aber auch auf Märkten oder beim Ramper Uferfest.

Die Imkerei, so meint die 82-Jährige, halte sie auf Trab. Sie habe eine Aufgabe. "Man kann sich nicht hängen lassen, vergisst seine eigenen Wehwehchen." Und das sei gut so. Außerdem habe sie noch immer Freude daran. Ebenso am Autofahren. Die Seniorin ist noch selbst unterwegs mit ihrem anthrazitfarbenen Renault. "Ich fahre gern Auto, das macht mir Spaß - und ich bin unabhängig, kann zu meinen Bienen, wann immer ich will."

Vieles, was Karla Wallner heute über die fleißigen Honigsammler weiß, hat sie von ihrem Mann Ernst gelernt. Durch ihn ist sie zur Imkerei gekommen. "Als wir 1954 heirateten, hatte ich einen Mann mit drei Bienenstöcken geheiratet. Ich selbst wusste nur, dass Bienen Honig liefern und stechen können. Ich hatte eine panische Angst vor Bienen. Aber mein Mann brauchte einen Handlanger."

Dass sie im Laufe der Jahre allerlei lernte und Erfahrungen sammelte, darüber kann sie heute ganz entspannt erzählen. Sie erinnert sich: "Mein allererster Einsatz ging schief. Ich wollte einen Schwarm allein einfangen. Um mich vor möglichen Stichen zu schützen, habe ich mir extra schafwollene Handschuhe übergestreift. Was ich nicht wusste: Wolle reizt Bienen. Und so war ich nach dem Einfangen völlig zerstochen." Daraufhin habe sie ihren Mann zu Hilfe geholt.

Es dauerte eine Weile, aber dann war klar: "Ich musste die Bienen lieben lernen, bevor ich sie tatsächlich lieb gewonnen habe." Nach dem Tod ihres Mannes hat sie sich deshalb auch nicht von ihrem Hobby losgesagt. Ob ihre Kinder die Bienenzucht übernehmen, das sei fraglich, meint die Seniorin. Ihr ältester Sohn ist Landwirt und habe keine Zeit dafür und der jüngere Sohn reagiert hoch allergisch auf Bienen. Einzig ihre Tochter hilft mit. Aber ob sie die Bienenvölker übernimmt? Sie weiß es nicht.

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