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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Oktober 2017 | 00:25 Uhr

Alt Meteln : Die Liebe zur Landwirtschaft bleibt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hans Rotermann hat den Vorsitz der Agrargemeinschaft Lübstorf an seinen Sohn abgegeben – Jetzt hat er viel mehr Zeit für die Familie

von
erstellt am 08.Feb.2015 | 09:00 Uhr

So richtig loslassen, das mag und kann Hans Rotermann gar nicht. Dennoch hat der Alt Metelner Landwirt nun den Staffelstab an seinen Sohn Hendrik übergeben. „Ich habe meinen Platz im Vorstand der Agrargemeinschaft Lübstorf freigemacht. Irgendwann ist Schluss – auch wenn es schwer fällt“, sagt er und sein Blick gleitet über den großen Hof. Rotermanns Leben ist von Anfang an bäuerlich geprägt. Als drittes Kind und einziger Sohn seiner Eltern lernte er zu Beginn der 50er Jahre auf dem Hof der Familie in Alt Meteln. Es folgte die Fachschule und 1956 die Rückkehr nach Hause. 1960 trat die Familie mit 54 Hektar Boden der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) bei. „Ich habe nie von einem anderen Beruf geträumt. Landwirt war und ist auch heute noch das Größte für mich“, betont der 78-Jährige.

Auch wenn die 420 Kühe, die mehrere Dutzend große Stammherde der schwarzköpfigen Fleischschafe der Agrargemeinschaft und auch die 3900 Hektar Ackerland nicht sein Eigentum waren, hat er sie dennoch gehütet wie seinen Augapfel. Aufstehen im Morgengrauen, die Radtour zum gut einen Kilometer entfernten Stall und auch der Kontrollblick auf die Feldfrüchte – das waren die Pfeiler, um die sich bisher sein Leben rankte. „Nun gut, in den vergangenen Jahren habe ich auch viel Zeit im Büro verbracht, doch es hatte immer mit Landwirtschaft zu tun“, versichert Hans Rotermann.

Ob er so ganz loslassen kann? Der große, schlaksige Mann atmet tief: „Die Situation ist neu für mich – mal gucken, wie es so wird“, sagt er schmunzelnd und lehnt sich wieder auf der Couch zurück.

Die Familie wird sich freuen. Immerhin haben er und seine Frau zusammen sieben Kinder und auch 16 Enkel. „Wenn die alle da sind, dann ist ordentlich Leben im Haus“, sagt Rotermann und lenkt das Gespräch wieder auf die Landwirtschaft. Schließlich mache sie sein Leben aus. Und noch sei nicht alles zu diesem Thema gesagt: „Ich habe ja auch nichts mehr zu melden, aber eine Meinung“, betont er und vertieft sich in den Streit zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft. „Doch eines lässt sich unterm Strich klar sagen: Bis jetzt sind die Leistungen gestiegen. Das ist doch nur möglich, weil wir in all den Jahren gut gewirtschaftet haben und das, was wir gemacht haben, nachhaltig war“, so sein Fazit.

Allein von ökologischer Landwirtschaft zu leben, würde laut Rotermann nicht funktionieren. „Wenn die Leute ehrlich sind, dann müssten sie auch zugeben, dass das, was sie da reden, alles Quatsch ist“, sagt er mit seiner rauen, aber irgendwie doch liebenswerten Art.

Noch rigoroser ist er jedoch, wenn es um das Thema Subventionen geht: „Die können komplett gestrichen werden. Ein Landwirt muss doch von seiner Arbeit leben können und eben nicht von den Zuschüssen“, so der Alt Metelner. Dass er sich mit Aussagen wie diesen nicht nur Freunde macht, weiß er. Doch es stört ihn nicht. „Wir sind bisher immer gut durch alle Wirren gekommen. Und ich habe so lange in der Landwirtschaft gearbeitet, weil ich damit Erfolg hatte. Im vergangenen Jahr hatten wir sogar die beste Ernte seit Bestehen des Unternehmens. Ist das nichts?“, fragt er und strahlt über das ganze Gesicht. Rotermann sei von Natur aus Optimist. Was er sich für die Zukunft wünscht? Er überlegt wieder kurz und sagt: „Ich habe meine Freude daran, wenn der Betrieb weiter so gut läuft.“

Die einzige Sorge, mit der er sich aber arrangiert hat, ist sein Rücken. „Vom vielen Sitzen im Büro ist der Rücken kaputt. Vielleicht auch von der Arbeit. Aber wenn man in Bewegung bleibt, dann wird es schon gehen“, sagt der 78-Jährige. Nicht nur der Hund, sondern auch seine zwei Rennpferde im Ruhestand halten ihn auf Trab. „Das ist auch gut so“, sagt er, nimmt seinen Gehstock und wandert Richtung Koppel.

 

 

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