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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 22:56 Uhr

Schweriner Museum : Die Kunst, für 0 zu demonstrieren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ungarischer Konzeptkünstler Endre Tót eröffnet nach Marsch durch die Altstadt seine Sonderschau im Staatlichen Museum.

von
erstellt am 21.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Demonstrieren leicht gemacht: Wer noch nie auf einer Demo war, weil er sich nicht öffentlich politisch positionieren will, hat jetzt die Gelegenheit, dennoch auf den Spuren der Demonstranten des Wendeherbstes von 1989 zu wandeln. Der international renommierte Konzeptkünstler Endre Tót lädt am heutigen Sonnabend zu einer Demonstration für Null ein – englisch zero. Sie startet um 15 Uhr auf dem Alten Garten, führt rund um den Pfaffenteich und wieder zurück zum Museum. Dort wird um 16 Uhr eine Kabinettausstellung zum Thema Null eröffnet.

Doch kann Null überhaupt ein Thema sein? Für Endre Tót schon. Der 1937 in Sümeg am Balaton geborene Künstler hatte sich zunächst als Neo-Avantgardist mit informeller Malerei einen Namen gemacht. Ab 1970 beschritt er dann völlig andere künstlerische Wege. Er gab die Malerei vollständig auf, beschäftigte sich fortan konsequent und humorvoll mit der Null und entwickelte hieraus eine eigenständige konzeptuelle Position. Die erklärt er so: „Null ist die Reduktion auf das Minimalste, auf das geringst Mögliche, ist aber mehr als nichts.“

Dieses Herangehen, zunächst als Opponieren gegen realsozialistische Gängelei entstanden, baute Tót konsequent aus. Und er ging mit seinen Aktionen, die er als Readymade der besonderen Art versteht, in die Öffentlichkeit. Demonstrationen für Null gibt es seither auf der ganzen Welt. Es formierte sich weltweit die Zero-Bewegung ähnlich der Fluxus-Gruppe.

„Ich bin glücklich, dass ich dies in der Hand halten kann“, steht auf einem Plakat, mit dem Endre Tót demonstriert. „Ich freue mich, wenn ich auf Plakaten werben kann“, steht auf einem anderen. Weitere Ausstellungsstücke, die in der Kabinettausstellung im Museum gezeigt werden, sind „Meine unbemalte Leinwand“ oder Blätter, die mit einer oder mehreren Nullen bedruckt sind, Künstlerbücher, die voll sind von den nicht gemalten Bilder von Endre Tót, Kästchen, die 0 enthalten, Blätter, die nur mit 0 beschrieben, Stempel mit der 0. Von seinem Ausflug in die Mail Art zeugen Karten im Null-Format, Briefmarken, die nur mit 0 bedruckt oder Postkarten, die an „Unbekannt“ adressiert sind.

Wenn Tót über seine Arbeit spricht und erklären soll, dann hat er Spaß, muss er selbst lachen. Er fühle sich ein bisschen wie Marcel Duchamp, mit Augenzwinkern etwas zu inszenieren und dem Betrachter dann alle Freiheit zu lassen, die zu interpretieren, erläutert der Künstler, der in ein paar Tagen seinen 80. Geburtstag feiert und noch vor Vitalität sprüht. So verstehe er denn auch die für heute geplante Demonstration für 0 als ein Kunstwerk, eben nur ein großes, bewegliches.

Dass dies nicht alle Menschen so sehen und auf Anhieb verstehen, sei nicht ungewöhnlich, kommentiert Dr. Deborah Bürgel, die Kuratorin der Kabinettausstellung. Als sie die „Demo für Null“ bei der städtischen Versammlungsbehörde und der Polizei angemeldet habe und Inhalt und Ziele beschreiben sollte, habe das für einiges Aufsehen gesorgt, erzählt sie schmunzelnd. Das geht auch anderen so, wie die Dokumentarfilme und Fotos zeigen, die die Kabinettausstellung mit Stücken der Sammlung Kelter und Leihgaben des Künstlers abrunden.

Die um 15 Uhr vor dem Museum beginnende „Zero-Demo“ soll etwa eine Stunde dauern. Plakate werden vom Veranstalter gestellt. Danach führt Kuratorin Bürgel in die Ausstellung ein. Künstler Endre Tót wird auch dabei sein.

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