zur Navigation springen

Schweriner Kriminalfälle : Die Jagd nach Onkel Tick-Tack

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spektakuläre Kriminalfälle in Schwerin – heute: Der Uhrmacher Adolf Seefeld verbreitete nicht nur in Schwerin Angst und Schrecken

svz.de von
erstellt am 01.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Mord und Totschlag, Raub und Erpressung, Entführungen und spurloses Verschwinden – auch in Schwerin sind in der Vergangenheit spektakuläre Kriminalfälle passiert. So wie die Ermordung mehrerer Jungen Anfang der 1930er-Jahre.

Weg war er. Der Fischhändler Franz Kowalski sah den Jungen noch um die Ecke in die Königsstraße, heute Puschkinstraße, einbiegen, dann musste er die Kunden an seinem Verkaufsstand auf dem Schlachtermarkt bedienen. Was er nicht wusste: Er sollte seinen kleinen Freund Hans Joachim Neumann aus Wismar nie wieder sehen.

Der Junge war aufgeregt. Für ihn bedeuteten die regelmäßigen Ausflüge an den Sonnabenden nach Schwerin immer interessante Erlebnisse. Am 16. Februar 1935 wollte er nicht nur dem Fischhändler Franz Kowalski helfen, sondern auch einen ehemaligen Schulfreund und Tante Martha besuchen. Doch bei beiden kam er nie an. In der Kaiser-Wilhelm-Straße, heute Mecklenburgstraße, sprach ihn ein alter Mann an und überredete ihn, gemeinsam die Grotte im Schlossgarten zu besichtigen. Es sollte der letzte Ausflug für Hans Joachim Neumann sein.

Der alte Mann war nicht zum ersten Mal in Schwerin. Seit vierzig Jahren wanderte er durch das Land, lebte in der Natur, reparierte Uhren und sprach überall kleine Jungen an. Schnell hieß er Onkel Tick-Tack. Adolf Seefeld trug meist einen dunklen Mantel sowie einen Filzhut mit einer Krempe. Er achtete auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Doch hinter seinem sympathischen Gesicht verbarg sich das pure Grauen. Die Kinder, denen er Geschenke versprach, konnten das jedoch nicht ahnen.

Hans Joachim Neumann war nicht der einzige Junge, der in der Landeshauptstadt spurlos verschwand. Eine Woche später kam der neunjährige Hans Zimmermann nicht zu einer Schülerwanderung. Oberstaatsanwalt Wilhelm Beusch wurde stutzig, glaubte nicht mehr an einen Zufall, fing an zu recherchieren und kam einer Mordserie auf die Spur. Nach und nach verknüpfte er die Schweriner Toten mit Fällen aus Rostock, Wittenberge, Ludwigslust, Neuruppin und Grabow.

22. März 1935. Wittenberge. Der letzte Mord für Adolf Seefeld. Doch das wusste er am Morgen noch nicht. Gustav Thomas hieß sein Opfer. Am 3. April 1935 konnte die Polizei Onkel Tick-Tack festnehmen. Am 22. Februar 1936 wurde er zum Tode verurteilt. Erst als die Gestapo ihn folterte, gestand er, die Kinder mit Geschenken angelockt und vergiftet zu haben. Mehr als 100 Missbrauchsfälle, darunter mindestens 30 Morde zwischen Berlin und Hamburg seit 1893, wurden ihm angelastet. Am 23. Mai starb Onkel Tick-Tack Adolf Seefeld unter dem Fallbeil.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen