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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. Oktober 2017 | 16:19 Uhr

Schweriner Museum : Die irritierende Moderne

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ fragte Besucher im neu eröffneten Museum, ob sie die moderne Kunst dort verstehen

von
erstellt am 19.Jul.2016 | 12:00 Uhr

Am Eröffnungstag gab es für den Millionen-Anbau am Museum neben viel Lob auch hochgezogene Augenbrauen. Das soll Kunst sein? Viele Schweriner, die an diesem Tag kostenlos Ueckers „Wustrower Tücher“, den „Nageltisch“ und die „Sandspirale“, Herolds „Mahnmal für einen Matrosen“ und Sachsenmeiers „Garten der Lüste nach H.B.“ anschauten, konnten die Botschaften schwer verstehen. Zwei Wochen später war SVZ erneut auf Stippvisite im Museum der Moderne, fragte zahlende Gäste nach ihrem Eindruck. Und erhielt erstaunliche Antworten.

Resultat: Vor allem Touristen kommen zurzeit ins Museum. Sie haben Quartier an der Ostsee bezogen, machen einen Abstecher in die Landeshauptstadt. Viele kennen das Museum aus der überregionalen Presse oder dem Fernsehen und haben es bewusst als Urlaubsziel ausgewählt. Ralf und Maria Gründner aus Nordrhein-Westfalen verleben ihre Ferien in Wismar. Sie mögen den Bauhaus-Stil, klare Formen nach dem Prinzip „weniger ist mehr“. Deshalb bekommt das neue Museumsgebäude von ihnen eine glatte Eins. Die Schau finden sie „gut“, haben Günther Uecker hier überhaupt erst kennen gelernt. Das Kriegs-Trauma, das er in den Wustrower Tüchern verarbeitet, kennt Ralf Gründner aus den Erzählungen seines Vaters. Ja, diese Kunst macht nachdenklich, erreicht die Tiefen der Seele.

Das finden auch zwei Damen aus dem Vogtland. „Aber erst in zwei Stunden“, sagt die eine von ihnen lächelnd, während sie vor dem hölzernen Mahnmal sitzt und intensiv den A-4-Bogen liest, der hier für jeden Besucher ausliegt. Ihre Freundin lacht, findet noch nicht die richtigen Worte für den ersten Eindruck. Irritierend anders, irgendwie. Aber wenn die Kunst gesackt ist, dann werden wir sie schon verstehen und schätzen, meinen die beiden augenzwinkernd. Yvonne Hamer aus Wismar findet die Zusammenstellung der Arbeiten sehr interessant. „Aber einige Fragen bleiben für mich offen“, sagt sie. „Ich werde mich zu Hause weiter mit den Werken und ihren Künstlern beschäftigen.“

Heike Täubner, Mitarbeiterin des Museums, hört in diesen Tagen immer wieder Fragen von den Besuchern. Die meisten verweist sie dann auf Ueckers Video-Botschaft und gibt ihnen einen der „Beipackzettel“. „Viele Leute lassen sich dann viel Zeit hier in den Räumen und staunen“, sagt sie. „Aber es gibt natürlich auch solche, die einfach den Kopf schütteln und sich lieber die Alten Meister anschauen.“

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