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Wohnungsmarkt in Bewegung : Die Ideen des neuen WGS-Chefs

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Thomas Köchig hat viel vor: Von neun Prozent Leerstand auf fünf Prozent runter, modernere Wohnungen und gesunde Bilanzen

svz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 22:00 Uhr

„Günstige Miete ist eine Mär“, sagt Thomas Köchig. Der neue WGS-Chef vergleicht den Immobilienmarkt gern mit dem Automobilmarkt. „Bei den günstigsten Autos läuft in drei Tagen der Tüv ab, mit denen würde niemand von hier nach München fahren.“ So verhalte es sich auch mit Wohnungen. Der 47-Jährige war früher Banker, genauer Kreditbanker, und finanzierte Wohnungen. Seit 1. Januar führt er die Geschäfte der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS), „genauer seit 2. Januar“, sagt er.

Heute startet er seine Besichtigungstour durch die Bestände: 13 600 Wohnungen der WGS. „Ich habe zweieinhalb Jahre Abwesenheit aus Schwerin aufzuarbeiten und ein kommunales Wohnungsunternehmen wieder auf stabile Füße zu stellen.“ Die grobe Bilanz: größtenteils marode Wohnungen, eine Vielzahl in weniger gefragten Gegenden, offiziell neun Prozent Leerstand und Millionen Altschulden. Eines seiner Hauptziele: runter auf fünf Prozent Leerstand. Generell scheint Thomas Köchig Realist zu sein und sagt Sätze wie: „Die WGS ist kein Sanierungsfall“ und „Visionen kann ich mir nicht leisten“. Fakt ist für ihn: Die deutsche Wirtschaft sei stabil und bislang noch kein kommunales Wohnungsunternehmen pleite gegangen.

Das Hauptproblem sind aus seiner Sicht die älteren Wohnungsbestände, die wurden „monokulturell gebaut“. Und dann wieder der Automarkt-Vergleich: „Das ist wie bei Ford, die bauten früher Modell T in schwarz. Wir bauten Drei-Zimmer-Wohnungen in weiß und sagten noch: Mieter, das Weißen machst Du selbst“, erklärt der frisch gebackene WGS-Chef. „Aber so funktioniert das heute nicht mehr: Wir müssen weg von der Betreuung von Objekten und hin zur Betreuung der Kunden.“ Seine Devise: Die Büromentalität überwinden und mehr Service vor Ort. Die Wohnungsvermittler müssten noch mehr Entscheidungen von unterwegs treffen können. Er würde auch bei der WGS gern dahin kommen, dass die Kunden alias Mieter sich individueller ihre Wohnung ausstatten lassen können. Wer einen hochwertigen Bodenbelag oder eine Luxusbadewanne möchte, der muss diese natürlich über die Miete finanzieren. Die WGS sollte ein gewisses Portfolio anbieten, der Mieter selbst entscheiden – je nach Preis. „Im Schnitt zahlen Mieter 500 Euro Kaltmiete, zwölfmal im Jahr“, sagt Thomas Köchig. Auf dem Automarkt falle das in die Kategorie „Mittelklassewagen“. Allerdings sei es noch ein weiter Weg, bis die WGS dahin komme.

Erst einmal gibt sich der 47-Jährige bis Oktober Zeit, um sich durch das Unternehmen WGS zu arbeiten, die Zahlen zu studieren und Strategien zu erarbeiten. Danach will er so schnell wie möglich handeln, denn die Kreditzinsen seien so gering wie nie, Förderprogramme für energetisches Sanierung müssten jetzt abgefasst werden und generell müsse die WGS mehr investieren. „Ich werde auf keiner schmelzenden Scholle sitzen und langsam mit ihr versinken“, sagt Thomas Köchig. Auch Abriss ist für ihn ein Thema. Leer stehende Immobilien belasten ein Unternehmen unter anderem mit laufenden Betriebskosten und Grundsteuer. Die WGS sollte sich nach Ansicht ihres neuen Geschäftsführers lieber so früh wie möglich von einigen solcher Bauten trennen. „Das muss mit Politik und Stadt abgestimmt werden“, sagt er. „Sicher ist das eine sensible Angelegenheit vor allem für die letzten Bewohner, die vielleicht umgesiedelt werden müssen und deren Biografien an den Häusern hängen.“ Insgesamt schätzt Thomas Köchig den Wohnungsstandort Schwerin aber durchaus als attraktiv ein. „Die WGS steht vor einem schwierigen Prozess, aber der ist machbar“, bilanziert der neue Chef.

 

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