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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. September 2017 | 07:48 Uhr

Wohnwagen-Urlaub : Die Holländer sind wieder da

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Marc Elshout wirbt auch in den Niederlanden für seine Campinganlage in Flessenow – und hat damit bei seinen Landsleuten Erfolg

svz.de von
erstellt am 11.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Ob mit Wohnwagen oder Caravan – gehen die Holländer auf Reisen, dann nehmen sie gerne ein rollendes Zuhause mit. Das freut Marc Elshout, denn als Betreiber der Seecamping-Anlage Flessenow begrüßt er seit fast zwei Jahrzehnten auch viele Landsleute.

Irgendwann, das stand für Marc Elshout fest, wollte er selber mal einen Campingplatz betreiben. Als Junge machte er mit seinen Eltern viele Campingurlaube. Das Faltzelt im Anhänger, Südfrankreich das Ziel. Eine weite Reise für Familie Elshout aus der Nähe des niederländischen Tilburg. „Aber es war immer schön“, sagt er. Ein eigener Platz. Einer, auf dem Olivenbäume stehen. Ein Traum. Marc Elshouts Traum. Er hat seinen eigenen Campingplatz bekommen. Nicht in Südfrankreich, nicht in den Niederlanden, sondern in Mecklenburg. Olivenbäume wachsen nicht auf seinem Campingplatz. Dafür stattliche Erlen, Eichen und Kiefern. Und es gibt den Schweriner See, dessen Wasser bis an den Rand des Campingplatzes schwappt. „Eine sehr schöne Landschaft“, schwärmt Elshout.

Zwei Rasenmäher umkurven die kräftigen Baumstämme und drehen auf dem Urlaubsareal ihre Runden. Die Mäher haben einen Sitz, ein Lenkrad und sie haben viel zu tun. Auf fünf der acht Hektar großen Campinganlage in Flessenow wächst das Gras. „Es gibt viel Arbeit“, sagt Marc Elshout. Als der Niederländer vor 19 Jahren der damaligen Gemeinde Rubow die Anlage abkaufte, da war so viel zu tun, dass ihr neuer Besitzer Angst hatte, dass ihm alles über den Kopf wachsen könnte. Strom- und Abwasserleitungen, Sanitäranlagen, die Blockhütten– alles marode. Die Infrastruktur musste Stück für Stück erneuert werden, damit sie so attraktiv wird, dass die Camper auch kommen.

Peter und Sofie Lenselink sind gekommen. Vor vier Tagen. Sie haben Auto, Wohnwagen und Fahrräder dabei. Und sie haben viel Lust, Land und Leute zu erkunden. Das Ehepaar im Rentenalter hat vor fünf Jahren Deutschland als Reiseland entdeckt. „In Mecklenburg“, sagt Peter Lenselink, „sind wir aber zum ersten Mal.“ Ihre Zweiräder haben sie gerade an der Autohalterung festgezurrt. In Schwerin und Wismar waren sie schon. Jetzt geht es auf die Insel Poel. Der Wind bläst kräftig an diesem Vormittag. Das stört sie nicht. „Wir kommen aus Middelburg in der Provinz Zeeland. Da weht ein ganz anderer Wind“, sagt Peter Lenselink. Den Campingplatz haben die Niederländer im Internet ausfindig gemacht. „Hier gefällt es uns. Auch, weil es so schön ruhig ist“, sind sich die Lenselinks einig.

5000 Ankünfte und 20 000 Übernachtungen zählte Betreiber Elshout im vergangenen Jahr. „30 bis 40 Prozent unserer Gäste kommen aus Holland“, weiß der 44-Jährige. Das sei, so Elshout, ein sehr hoher Prozentsatz, denn auf den Campingplätzen in Mecklenburg-Vorpommern kämen im Schnitt weniger als zehn Prozent der Urlauber aus den Niederlanden. Dass Marc Elshout, der mit seiner Frau Jenny und seinen Söhnen Fynn und Jesse auf dem Campingplatz ein Haus bewohnt und selber Niederländer ist, mag einer der Gründe für die vielen Gäste aus dem Nachbarland sein. „Aber ich werbe regelmäßig auf Messen in Holland für unsere Seecamping-Anlage“, fügt er hinzu. Auch in verschiedenen Camping-Führern wird die Anlage mit ihren 250 Caravan- und Wohnwagen-Stellplätzen vorgestellt. „Wasser, das mögen die Holländer“, weiß Marc Elshout. Wasser gibt es in Mecklenburg-Vorpommern genug. Und es gibt die Insel Rügen. „Die steht bei meinen Landsleuten ganz hoch im Kurs“, sagt der studierte Umwelttechniker.

2009 – wenn Marc Elshout an dieses Jahr zurückdenkt, dann gerät er ins Schwärmen. Buga-Zeit in Schwerin und Umgebung, schönstes Wetter über Monate, Rekordgästezahlen. „Das war ein Superjahr“. 2012 – wenn sich der Campingplatz-Besitzer an dieses Jahr erinnert, dann graut es ihm noch immer. Die Besucherzahl war miserabel, dafür war der Regen Dauergast. „Das Wetter ist eben entscheidend, ob es läuft oder nicht läuft“, sagt Marc Elshout. Regen hin, Sonne her: „Einmal im Jahr ist der Campingplatz ausverkauft. Das ist am Pfingstwochenende.“ Der Juli, der August, das ist die Zeit, in der Hochsaison ist, die Niederländer in Scharen kommen und Ferienzeit in Deutschland ist. An der vor zwei Jahren neu gebauten Rezeption melden sich dann besonders viele Camper aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen an. Fünf Angestellte sind dann im Einsatz, zwei Saisonkräfte kommen noch dazu.

Flessenow, Mecklenburg - dieses Fleckchen Erde steuern jetzt auch die Eltern von Marc Elshout an. Nicht mehr mit Faltzelt im Anhänger, so wie früher. Jetzt kommen sie mit dem Wohnwagen, besuchen ihren Sohn auf dem Campingplatz. Auf seinem eigenem Campingplatz, von dem er schon früher immer geträumt hat.

 

 

 

 

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