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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. Oktober 2017 | 02:35 Uhr

Schweriner Tafel : Die Helfer der Tafelrunde

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Diakon Thomas Ruppenthal und seine Unterstützer verteilen jeden Donnerstag ehrenamtlich Essen an bedürftige Schweriner

svz.de von
erstellt am 19.Jan.2017 | 12:00 Uhr

Es herrscht wieder Ruhe. Die Transporter sind weg, die Taschen sind verteilt und die Reste werden zusammenkehrt. Die „Party“ ist zu Ende. Frank, Detlev und die anderen sitzen geschafft, aber glücklich in der Küche und warten, dass der Kaffee fertig ist. Gemeinsam haben sie heute wieder Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Nicht mit einem Konzert oder tollen Tricks aus dem Zirkus – nein, mit Essen. Frank, Detlev und die anderen teilen jeden Donnerstag in der Schweriner Petrusgemeinde Essen von der Tafel aus.

Zwei Stunden vorher herrscht im Raum der Essensausgabe reges Treiben: Gerade sind die weißen Transporter der Tafel angekommen. Nach einer kurzen Begrüßung gehen die Heckklappen auf und die ehrenamtlichen Essensverteiler tragen die Kisten ins Gemeindehaus. Kisten, gefüllt mit verschiedensten Lebensmitteln. „Brot, Obst und Gemüse werden immer geliefert. Süßigkeiten gibt es besonders oft nach Weihnachten und Ostern“, erklärt Thomas Ruppenthal. Der Sozialpädagoge und Diakon leitet das Tafel-Team der Petrusgemeinde. Während er mit Frank und Detlev die Kofferräume der Transporter leergeräumt hat, haben die anderen die Tüten im Verteilraum aufgestellt.

„Wir unterteilen die Beutel in unterschiedliche Familiengrößen“, sagt Detlev. „Einser-Tüten stehen für einen Ein-Mann-Haushalt, die Sechser-Tüte für eine sechsköpfige Familie.“ Der 56-jährige Schweriner nimmt sich eine „Dreier“ und packt einen Laib Mischbrot, ein Paket Butter-Toast, einen Rotkohl, einen Rettich, 150 Gramm Feldsalat, 125 Gramm Mettwurst, 300 Gramm Bauchspeck und 2,25 Kilo Kloßteig. Ausnahmsweise gibt es heute zusätzlich noch eine Packung Lebkuchen und ein Netz Mandarinen – eine Spende.

Im offenen Gemeinderaum kriegen die Menschen vom regen Treiben der Helfer kaum etwas mit. Sie stehen herum, sitzen auf Stühlen und Tischen und warten auf die Ausgabe der Tüten. „Einige kommen nur, um andere zu treffen und sich zu unterhalten“, sagt Ruppenthal. Viele würden aber tatsächlich das Essen brauchen. „Wir wissen, dass bei einigen unserer Gäste der Kühlschrank zur Monatsmitte leer ist.“ Zwar reiche die wöchentliche Ration bei weitem nicht für eine ganze Woche, aber so habe der Kühlschrank wenigstens etwas zu kühlen, erklärt der Diakon.

Um 13.30 Uhr läutet pünktlich wie immer die Kirchenglocke. Ruppenthal öffnet die Tür zur kleinen Kapelle. Von den vielen Wartenden verirrt sich aber kaum jemand in den Nachbarraum, in dem der Sozialpädagoge eine Andacht hält. Stattdessen drehen sich die Gespräche um Ärger mit den Behörden oder Geschichten von früher. „Gestern waren wir vor Gericht. Wir haben gegen die Stadt gewonnen, die muss jetzt 2500 Euro zahlen“, erzählt einer der Wartenden seiner Bekannten. „Das ist ja auch eine Schweinerei, was die oft machen“, antwortet sie. Zwei Stühle weiter unterhalten sich zwei ältere Damen auf Russisch. An einem anderen Tisch sitzen fünf junge Syrer, die auf ihren Handys tippen und ungeduldig auf die Ausgabe warten.

Kurz nach zwei Uhr ist es endlich soweit: Nachdem die „Handicaps“, wie Behinderte kurz genannt werden, ihre Rationen erhalten haben, prüfen Frank und Detlev die Berechtigungskarten der zahlreichen Gäste. Dann erhalten die Bedürftigen nummerierte Ausgabekarten. „Unser Verfahren, um niemanden zu bevorzugen“, erklärt Detlev. Anschließend verlassen die rund 150 Schweriner die Kirche auf der einen Seite und kommen auf der anderen Seite nach Nummern sortiert wieder rein. Alles läuft geordnet und ohne Aufregung ab. „Unruhe gibt es selten, höchstes mal Geschrei “, sagt Ruppenthal.

Langsam holt sich einer nach dem anderen eine Tüte am Verteilraum ab. Von Minute zu Minute werden es weniger, bis am Ende keine einzige mehr übrig ist. „Wir können uns über die Lebensmittel wirklich nicht beschweren. Trotz allem ist es aber immer noch viel zu wenig“, erzählt Ruppenthal, während er den letzten Gast zur Tür hinaus begleitet. Dann geht er zurück, nimmt einen Besen und kehrt die letzten Reste weg. Frank, Detlev und die anderen haben in der Küche schon die Kaffeemaschine angeworfen. Gemeinsam machen sie gleich Feierabend. Bis es nächsten Donnerstag wieder losgeht.

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