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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 16:57 Uhr

Bienensterben : Die Gesundheit der Biene im Blick

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Biologe Dr. Mirko Lunau aus Ahrensboek beteiligt sich an einer Forschung: Wie wirken sich Pestizide auf die Honigsammler aus?

von
erstellt am 25.Mai.2015 | 09:00 Uhr

Von Bienen ist Mirko Lunau fasziniert. Er betreibt in Ahrensboek eine Imkerei und Mosterei – nach strengen Bio-Richtlinien des Demeter-Anbauverbandes. In den vergangenen Jahren hat er sich zunehmend mit dem Sterben von Bienenvölkern auseinandersetzen müssen. In diesem Winter, so erzählt er, sind im Mecklenburg-Vorpommern 25 Prozent der Honigbienen gestorben. Das ist immerhin ein Viertel des Gesamtbestandes. Wären so viele Tiere in Schweinemastanlagen gestorben, hätte es einen Aufschrei gegeben. Ursachenforschung wäre angesagt. Bei den Bienen schreit keiner laut auf. Doch Bienen sind die drittwichtigsten Nutztiere – nach Schweinen und Rindern.

Ein Hauptgrund für das Sterben der Bienen sind Varroamilben. Sie saugen den Insekten das Blut aus dem Körper. Bedroht werden die Bienen aber auch durch Pflanzenschutzmittel und Mittel zur Schädlingsbekämpfung. Forscher halten diese Pestizide für eine Ursache des europaweiten Bienensterbens, erzählt Mirko Lunau. Er ist Doktor der Biologie. Er stellt nicht die Maximierung des Honigertrages in den Vordergrund, wichtig ist ihm ein achtsames Miteinander von Biene, Mensch und Natur. Er spricht von einer wesensgemäßen Bienenhaltung.

Während eines Symposiums in Weimar traf er Professor Randolf Menzel von der Freien Universität Berlin. Der Neurobiologe stellte das Projekt „Bienen als Umweltspäher“ vor. Menzel habe in Laborversuchen nachgewiesen, dass Pflanzenschutzmittel die Orientierungsfähigkeit von Honigbienen und anderen bestäubenden Insekten beeinträchtigen, fasst Lunau zusammen. Schon kleine Mengen von Pestiziden würden sich auf das Nervensystem der Bienen auswirken und deren Gehirn vergiften. Die Folgen: Die Honigsammler brauchen länger, um nach einem Flug wieder nach Hause zu finden. Und sie können ihren Artgenossen nicht mehr so gut mitteilen, wo es eine ertragreiche Futterquelle gibt. „Sie verhalten sich träge. Man kann das mit einem Menschen vergleichen, der von Bier angeduselt und nicht mehr voll leistungsfähig ist“, sagt der Ahrensboeker.

Bienen, die bei der Bestäubung auch Pestizide aufgenommen haben, versorgen zudem die Brut schlecht. Und weil die fleißigen Arbeiterinnen geschwächt sind, habe dann auch die Varroamilbe ein leichtes Spiel.

Um Erklärungen für das Bienensterben zu finden, wird der Laborversuch von Professor Menzel jetzt im größeren Feldversuch überführt. Acht Imker aus Deutschland machen mit. Mirko Lunau aus Ahrensboek ist einer von ihnen.

Es gehe nicht darum, ein paar Bienen zu retten, so Lunau. In einem Volk leben im Sommer an die 40  000 Honigsammler. Das Verhalten eines ganzen Volkes kann neue Erkenntnisse bringen. Etwa dann, wenn ein Zusammenhang zwischen einem belasteten Feld und einem Bienenvolk hergestellt werden kann. „Die Bienen in der Gesamtheit zeigen uns, dass unser Umgang mit Pflanzenschutzmitteln gesundheitliche Folgen haben kann. Sie sind ein Sensor.“

Der Biologe erläutert: Dass Honigbienen tanzen, wenn sie eine gute Futterquelle entdeckt haben, weiß man seit langem. Sie informieren auf diese Weise auch über die Entfernung und Richtung sowie über die Qualität. Und weil sich die Bienen beim Flug elektrisch aufladen, kann die Spannung gemessen werden – mit Spezialgeräten, die an den Bienenkästen angebracht werden. Diese Tänze werden gemessen und visuell digitalisiert, beschreibt Dr. Lunau das Verfahren. Die Daten gehen an die Freie Universität nach Berlin, werden dort wissenschaftlich ausgewertet. Das werde seine Zeit brauchen, vielleicht zwei bis drei Jahre, schätzt Dr. Lunau, der selbst schon in der Grundlagenforschung gearbeitet hat.

Der Berufsimker betont ausdrücklich, dass sich das Projekt keineswegs gegen die Landwirte richte. Es gehe aber darum, einen kritischen Blick auf den Umgang mit Pestiziden zu haben. Es wäre schon viel gewonnen, meint er, wenn Imker gemeinsam mit den Bauern an einem Strang ziehen würden.

Der Ahrensboeker könne sich vorstellen, dass Imker schon in einigen Jahren mit Hilfe eines kleinen technischen Apparats, etwa handgroß, die Gesundheit ihrer Bienen überwachen. Seine Vision: Geht es den Bienen geht, geht es der Umwelt gut. Und den Menschen.

 

 

 

 

 

 

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