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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. Oktober 2017 | 07:55 Uhr

Hitler-Attentat : Die Gesichter der Widerständler

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Trebbower Verein „Denkstätte Teehaus“ erinnert an vier Orten an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus

svz.de von
erstellt am 12.Jun.2014 | 12:00 Uhr

Liane Berkowitz war 19 Jahre jung und gerade Mutter geworden, als sie im August 1943 hingerichtet wurde. Ihr Vergehen: Die junge Frau hatte in Berlin 100 kleine Zettel an Wände und Laternenpfähle geklebt. „Ständige Ausstellung. Das Nazi-Paradies: Krieg, Hunger, Lüge, Gestapo. Wie lange noch?“ Diese Worte waren darauf zu lesen. Dass dieser Protest gegen das Naziregime riskant war, das wusste Liane Berkowitz. Doch dass er ihr Leben fordern würde, das hatte die junge Frau nicht erwartet. „Wenn man bedenkt, wie jung wir sind, so kann man nicht an den Tod glauben.“ Das schrieb Liane Berkowitz, als sie im Gefängnis saß, kurz vor der Geburt ihrer Tochter. Einige Monate später lehnte Adolf Hitler das Gnadengesuch ab. Liane Berkowitz musste sterben, weil sie ein kleines Zeichen gegen das Naziregime gesetzt hatte.

In der Ausstellung „Was konnten sie tun? 24 Antworten!“ stehen Name und Gesicht von Liane Berkowitz gleichberechtigt neben denen von Persönlichkeiten wie Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Hans und Sophie Scholl, Dietrich Bonhoeffer und Georg Elser. Die Frage „Was konnten sie tun?“ stellte die Stiftung 20. Juli 1944 sieben Jahrzehnte nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler und gab für 24 Personen aus unterschiedlichen Widerstandsgruppen die Antworten. Diese sehen ebenso unterschiedlich aus: NS-Führung ausschalten, Kriegsdienst verweigern, Verbündete im Ausland suchen, den Krieg beenden – aber auch Feindsender hören, Flugblätter verteilen, Verfolgten helfen und eben auch Zettel kleben.

Die Wanderausstellung zeigt vor allem Menschen. „Es geht nicht darum, Heldengeschichten zu erzählen, sondern um Beispiele von Zivilcourage, von Menschen zu berichten, die sich vorbildlich verhalten haben“, sagt Dr. Ulrich Ivo von Trotha, Vorsitzender des Vereins „Denkstätte Teehaus Trebbow“. Dieser holte die Ausstellung der Berliner Stiftung nach Mecklenburg. „Wir wollen vor allem junge Leute damit erreichen“, ergänzt Vorstandsmitglied Dr. Michael Kunze. „Denn es sind sehr viele junge Menschen unter den Widerstandskämpfern.“ Vom 14. Juni bis 11. August wird die Wanderausstellung in der Wismarer Stadtbibliothek gezeigt, vom 5. bis 28. September im Schweriner Schleswig-Holstein-Haus. Der Anlass liegt auf der Hand: Am 20. Juli jährt sich das von Stauffenberg ausgeführte Attentat auf Hitler zum 70. Mal. „Uns geht es auch darum, die Erinnerung an den authentischen Orten des Widerstands wach zu halten“, betont Dr. Kunze. Vor zehn Jahren wurde deshalb die Denkstätte Teehaus Trebbow geschaffen. Dort trafen sich Ostern 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, um das Attentat vorzubereiten. Klein Trebbow ist der einzige Ort in Mecklenburg mit konkretem Bezug zu den Geschehnissen am 20. Juli. Im Trebbower Teehaus wird deshalb ergänzend zur Wanderausstellung vom 3. bis 10. August eine Ausstellung zum Netzwerk um Graf von der Schulenburg gezeigt. Im Schloss Tressow bei Wismar, dem Stammsitz der Familie von der Schulenburg, gibt es vom 20. bis 27. Juli eine Exposition, die den Weg von Fritz-Dietlof von der Schulenburg vom glühenden Hitler-Anhänger zum Widerstandskämpfer darstellt.

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