Parchim : Die Felder und das Image pflegen

Mehr als 80 Mitglieder des Bauernverbandes Parchim lauschten den Worten des Vorstands und des Ministers, darunter auch Jürgen Fokuhl, Daniel Gawlik und Roland Ohlendorf (v.r.).
Mehr als 80 Mitglieder des Bauernverbandes Parchim lauschten den Worten des Vorstands und des Ministers, darunter auch Jürgen Fokuhl, Daniel Gawlik und Roland Ohlendorf (v.r.).

Landwirte aus dem Altkreis Parchim diskutieren in Dargelütz mit dem Minister über eine bessere Außenwirkung und Direktzahlungen.

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09. März 2018, 05:00 Uhr

Den Gürtel etwas enger schnallen und mehr für die Umwelt tun – das sind die Hausaufgaben der Bauern zwischen Schweriner und Plauer See. Zumindest aus Sicht des Landwirtschaftsministers. Mehr als 80 Landwirte, alle Mitglieder des Bauernverbands Parchim, kamen gestern in Dargelütz zusammen, um sich von Dr. Till Backhaus (SPD) Vorschläge für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2020 erklären zu lassen. Das Geld in den Töpfen werde weniger – die Verteilung müsse neu überdacht werden, so der Minister. Wie das im Einzelnen aussehen kann? In einer 40-seitigen Broschüre des Landwirtschaftsministeriums gab es Beispiele zum Nachlesen – für zu Hause. Der Minister ließ nicht unerwähnt, dass die Landwirtschaft der wichtigste Betriebszweig im Land sei. Doch für „Nabelschau“ bleibe keine Zeit. Till Backhaus betonte, dass MV das „sauberste Wasser, die größte Artenvielfalt und den gesündesten Wald“ im Ländervergleich vorweisen kann. „Aber wir haben auch Probleme“, schob er hinterher. Genau diese gelte es anzupacken. Der Minister nutzte die Gelegenheit und rührte kräftig die Werbetrommel für Bienenweiden-, Leguminosen-, Randstreifen- und Eiweißfrüchte-Programme.

Ein Manko, das das Präsidium des Bauernverbandes Parchim ebenso einräumte wie auch Landesbauern-Vizepräsident Gerd Göldnitz, ist das schlechte Image der Landwirtschaft. „Wir haben in den vergangenen 25 Jahren versäumt, über unsere Arbeit zu reden. Die Rechnung bekommen wir jetzt“, so Gerd Göldnitz. Umso mehr seien die Bauern angehalten, bei der Imagepflege jeden Mitarbeiter mitzunehmen: „Egal, welcher Traktor angehalten wird. Jeder sollte seine Arbeit auch den Bürgern erklären können“, erteilte er Hausaufgaben an seine Berufskollegen. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim gibt es 11 391 landwirtschaftliche Betriebe – Haupterwerbs- wie auch Nebenerwerbs-Firmen. Darunter sind 973 Rinderhalter, 707 Schweinehalter, 1882 Pferdebesitzer, 8365 Geflügelbauern und 716 Imker. Doch die „breite Masse“, der gern zitierte Städter, haben keine Ahnung von der Arbeit, die die Landwirte täglich leisten. Im Bereich Öffentlichkeitsarbeit gebe es auf allen Ebenen Nachhole-Bedarf: „Es geht um ein Miteinander – auf beiden Seiten.“

Eventuell lasse sich so auch die Flut an Anzeigen eindämmen, meint er. Nur 3 von 67 Anzeigen wegen vermeintlichen Verstößen gegen die Düngemittelverordnung, die in den vergangenen Tagen beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt eingegangen sind, waren auch begründet, erklärte Leiterin Dr. Regina Rinas. In den kommenden Tagen werde innerhalb der Behörde noch einmal beraten, ob unbegründete Anzeigen Konsequenzen nach sich ziehen können.

Über einen Punkt gab es gestern keine Diskussionen: Die Arbeit des Parchimer Vorstandes. Einstimmig wurde der Kassenbericht abgesegnet, die Arbeit des Verbandes 2017 abgenickt. Erstaunlich ruhig blieb es auch bei angesprochenen Themen wie dem Wolf, dem Einsatz von Glyphosat und der Afrikanischen Schweinepest.

Hintergrund: die Eckpunkte

  • das Zwei-Säulen-System der GAP umbauen
  • ökologische Direktzahlungen mit Anreizkomponenten
  • Vereinfachung des Systems für Antragsteller
  • Schaffung einer einheitlichen flächengebundenen Tierprämie für Raufutterfresser
  • Motivation von Junglandwirten
  • Stabilisierung landwirtschaftlicher Kleinbetriebe
  • einheitliche Grundprämie von 100 Euro pro Hektar
  • 25 Euro Prämie pro Hektar für benachteiligte Gebiete
  • Tierprämie von 70 Euro pro Rauhfutter verzehrende Großvieheinheit

Quelle: Ministerium

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