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Weltkulturerbe Schwerin : Die Fantasie der Gartengestalter

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

SVZ stellt in einer Serie die einzelnen Teile des Residenzensembles vor - Teil 9: Hippodrom, Grünhaus mit Garten und Kavaliershaus

von
erstellt am 18.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Wenn die alten Griechen vom „Hippodrom“ sprachen, dann meinten sie eine Bahn für Pferde- oder Wagenrennen. Die Römer meinten mit „Hippodromus“ eine besondere Gartenform, denn ihre Pferderennen veranstalteten sie im „Circus“. In der Neuzeit hießen auch große Bauten oder Zelte „Hippodrom“, in denen Pferdeakrobatik gezeigt wurde. Die Schweriner Monarchen wählten das römische Beispiel und bauten in ihrem Schlossgarten ein „Hippodrom“ – höchstwahrscheinlich nach dem Vorbild des Charlottenhofs in Sanssouci. Hofgärtner Theodor Klett gestaltete ihn nach Entwürfen von Peter Joseph Lenné Mitte des 19. Jahrhunderts. Pferde liefen hier aber nie und so geriet das Areal nach dem Zweiten Weltkrieg in Vergessenheit. Erst zur Bundesgartenschau 2009 wurde es aus dem Dornröschenschlaf erweckt und in Szene gesetzt. Steinmetze präsentierten hier ihre Arbeiten, viele Schweriner entdeckten während der Buga diesen Teil des Schlossgartens zum ersten Mal. Nach der Buga wurden die Anlagen allerdings „zurückgebaut“. Nur noch wenige Spaziergänger verirren sich hierher.

Der Privatgarten des Großherzogs, der so genannte Grünhaus-Garten, ist da schon präsenter. Lenné und Klett zeichnen auch hierfür verantwortlich und legten ihn 1838 bis 1840 im Stil eines englischen Landschaftsparks an. Das dazu gehörige Greenhouse war damals die Sommerresidenz von Paul Friedrich und besaß ein großes Gewächshaus. Gebaut im Stil des Rokoko wurde es von Carl Heinrich Wünsch. Schon 1720 wurde in diesem Bereich ein kleines Gärtnerhaus erwähnt. Zum Ensemble gehörte das gegenüber liegende Kavaliershaus, das 1838 nach den Entwürfen Demmlers entstand. Beide Häuser waren seit 1840 durch eine gusseiserne Brücke miteinander verbunden, die während des Zweiten Weltkriegs verschwand. 1840 schenkte Paul Friedrich beide Häuser seiner Gattin Alexandrine als Sommersitz. 1842, nach Paul Friedrichs Tod, zog sie sich ins Greenhouse zurück. Im Kavaliershaus gegenüber wurden Angestellte des Hofes, hohe Beamte und Gäste untergebracht. Ab 1918 wurde es als Wohnhaus vermietet.

Im Greenhouse ist heute der Kindergarten „Schlossgeister“ beheimatet, das Kavaliershaus befindet sich in Privathand und wird an Feriengäste vermietet.

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