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Flüchtlinge in Schwerin : Die Familie ist wieder vereint

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Esmaeil Brimo flüchtete 2013 aus Syrien und steht heute wieder mitten im Leben

svz.de von
erstellt am 13.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Als Esmaeil Brimo vor fast zwei Jahren alleine nach Deutschland flüchtete, hatte er nur einen einzigen Koffer bei sich. Auf der Flucht aus Aleppo, der zweitgrößten Stadt im Norden Syriens, bezahlte er einen Schlepper, der ihn von der Türkei über das Mittelmeer in die EU brachte. Zu Fuß wanderte er solange, bis er Deutschland erreichte.

Erste Station in Mecklenburg-Vorpommern war ein Asylheim in der Nähe von Boizenburg. „Die Mitarbeiter dort waren herzlich. Alles ging schnell voran, auch beim Arzt. Ich habe mich gleich willkommen gefühlt“, erzählt der Syrier.

Erst nachdem er Wohnung und Arbeit hatte, holte er Frau und Kinder nach. Verwandte und Freunde seien noch in Syrien, aber es könne nur der flüchten, der genug Geld hat, um die Überfahrt zu bezahlen. „Meine Tochter Solivan kam vor zwei Tagen als letztes an. Sie ist 19 Jahre alt und war alleine unterwegs. Jetzt sind wir alle wieder zusammen“, freut sich der Familienvater.

Er hatte auch überlegt in die USA oder nach Kanada zu gehen, dort wollte man ihm jedoch kein Visum gewähren. Obwohl die Vereinigten Staaten seit jeher Einwanderungsland sind, zögerten sie bisher, Syrier aufzunehmen. Wohl auch aus Angst, damit Islamisten die Tür zu öffnen. Eine Angst, die der Vater gut nachvollziehen kann. „Früher warst du in Syrien willkommen, egal woran du geglaubt hast. Ich bin zwar Moslem, aber wir sind nicht streng gläubig. Meine drei Töchter tragen kein Kopftuch. Das, was der IS als Religion verkauft, das ist falsch!“, erklärt Brimo. Er möchte nicht mehr in seine Heimat zurück, solange der Glauben den Alltag der Menschen bestimmt. Er möchte frei Leben können. Hier in Deutschland.

Vor dem Bürgerkrieg haben sie ein ganz normales Leben geführt. Der gelernte Elektromechaniker erzählt: „Ich war selbstständig. Hatte ein Geschäft in der Stadt. Meine fünf Kinder waren auf guten Schulen. Dann kam der Krieg und hat alles zerstört.“ Hier in Schwerin habe er schnell wieder eine Arbeit gefunden und freut sich, dass die Elektronik überall auf der Welt gleich zu funktionieren scheint. Seine Frau beginne bald einen Deutschkurs und wolle danach eine Ausbildung zur Friseurin machen.

Er habe sich gut eingelebt. Die Mentalität der Deutschen hingegen ist ihm immer noch fremd. Der 44-Jährige fragt verwundert, warum die Deutschen nie lachen. Ist das so? Deutsche seien so verschlossen, findet der Syrier. „Ich weiß, dass ihr das nicht böse meint, aber ich zum Beispiel wohne in einem fünfstöckigen Haus. Da sind viele Menschen, die sich zwar auf dem Flur begrüßen, sich aber sonst gar nicht kennen. Das ist schade“. In Arabien kämen die Menschen viel schneller in Kontakt. „Aber so ist das nun mal, andere Länder, andere Sitten.“

 

 

 

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