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Zeitung für die Landeshauptstadt

14. Dezember 2017 | 14:04 Uhr

Prozess : Die falschen Schnäppchen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bewährungsstrafe im Schweriner Prozess um Markenbetrug

svz.de von
erstellt am 10.Sep.2014 | 21:00 Uhr

Wegen des Verkaufs gefälschter Markenartikel im Internet hat das Landgericht Schwerin gestern einen 34-jährigen Mann aus Neubrandenburg zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Dem Urteil liegt eine Absprache zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung zugrunde. Die Richter hatten dem Mann für ein umfassendes Geständnis „Bewährung“ in Aussicht gestellt.

Daraufhin räumte der Angeklagte ein, dass er mit seinem noch flüchtigen Bruder über etwa drei Jahre hinweg bis 2007 gefälschte Schuhe und Textilien als echte Ware verkauft hatte. Bei den Fälschungen handelte es sich unter anderem um Schuhe mit Logos der Marken „Puma“ und „Nike“, aber auch um Jeans und Oberhemden namhafter Hersteller. Zudem muss der 34-Jährige 10  000 Euro in die Staatskasse zahlen, die er aus den kriminellen Geschäften gewonnen hat. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.


Bruder bis heute auf der Flucht


„Markenartikel haben einen guten Ruf bei den Verbrauchern“, sagte der Vorsitzende Richter Norbert Grunke bei der Urteilsbegründung. Die beiden Neubrandenburger hätten als „Trittbrettfahrer die Reputation einer Marke“ ausgenutzt. Das Gericht hielt dem Mann vor allem sein umfassendes Geständnis zugute, das den Prozess erheblich abgekürzt habe. Demnach hatten die Brüder die gefälschten Artikel von Großhändlern bezogen, dann einzeln im Internet versteigert und dabei mitunter auch selbst mitgeboten, um den Preis in die Höhe zu treiben. Der Angeklagte, der damals Hartz IV bezog, habe monatlich mit der kriminellen Masche etwa 500 bis 800 Euro eingenommen. Den größeren Gewinn habe der Bruder eingesteckt, der sich aber bis heute auf der Flucht befindet.

Das Duo habe sich weder von einer Unterlassungserklärung für „Nike“ noch von einer Hausdurchsuchung 2006 abschrecken lassen. Es habe auch Freunde und die eigenen Eltern mit einbezogen, die gegen geringes Entgelt ihre Internetkonten zur Verfügung stellten.

Verurteilt wurde der Mann für rund 3200 Verkäufe, die nicht länger als zehn Jahre zurückliegen. Ein Jahrzehnt beträgt die Verjährungsfrist für solche Delikte. „Nike“-Anwälte waren dem Duo schon vor mehr als zehn Jahren auf die Schliche gekommen.

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