Brutplatz in Schwerin : Die Entenmama im Blumentopf

<p>Brutplatz in bester Lage: Auf Arne Königs Balkon fühlt sich  Adele offenbar wohl. </p>
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Brutplatz in bester Lage: Auf Arne Königs Balkon fühlt sich  Adele offenbar wohl.

Auf dem Balkon von Arne König und Michael Richter hat sich Stockente Adele einquartiert – und brütet dort ihre fünf Eier aus

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10. Mai 2017, 20:45 Uhr

Mit bestem Blick auf die Paulskirche sitzt Adele in ihrem Blumentopf. Selbst als Arne König ihr ein Schälchen voll Wasser reicht, bleibt die Entendame ganz ruhig. „Am Anfang hat sie immer geschnattert, als wir ihr näher kamen. Jetzt ist sie ganz ruhig und zutraulich“, erzählt König, der gemeinsam mit Michael Richter im obersten Stockwerk eines Hauses in der Franz-Mehring-Straße wohnt. Seit drei Wochen sind die beiden nicht mehr allein: Eine Stockente hat sich auf ihrem Balkon einquartiert und diesen als Brutplatz für ihre fünf Eier gewählt – Adele, wie sie von den beiden liebevoll genannt wird.

„Am Anfang dachten wir erst, dass ein Marder oder ein Eichhörnchen unseren Blumentopf durchwühlt hat“, sagt Richter. Doch auf den zweiten Blick hätte sich Adele sozusagen „vorgestellt“. Seitdem geht, besser gesagt fliegt die Entendame auf dem Balkon der beiden ein und aus. „Am Anfang war sie noch öfter unterwegs. Seit diesem Wochenende bleibt sie aber hier und brütet ihre Eier aus“, ergänzt Richters Mitbewohner Arne König.

Wann genau der Entennachwuchs schlüpft, wissen die beiden Schweriner nicht. Je näher der Termin rückt, desto größer werden aber die Sorgen. „Von unserem Balkon geht es kerzengerade nach unten. Wir haben Angst, dass die kleinen Enten es nicht überleben, wenn ihre Mutter sie aus dem Nest schubst“, sagt der 29-Jährige. Deswegen hätten sich die beiden bereits Gedanken gemacht. So stünde unter anderem ein Transport zum Pfaffenteich zur Diskussion. „Wir wollen nur das beste für Adele und ihren Nachwuchs. Ob wir ihr damit einen Gefallen tun, wissen wir leider nicht“, sagt der unfreiwillige Entenpapa Michael Richter.

Doch trotz der Sorgen freuen sich Richter und König über ihre Mitbewohnerin – und sind auch für den ein oder anderen Spaß zu haben. „Vergangenes Jahr habe ich auf dem Balkon Radieschen gezüchtet. Dieses Jahr eben Enten“, so Richter.

Das sagt der Experte

Für Ornithologe Ulf Bähker ist Adeles Brutplatz nicht ungewöhnlich. „Viele Stockenten suchen sich höher gelegene Orte für ihren Nestbau, da sie dort sicher sind“, sagt der Vogel-Experte vom Schweriner Nabu. In der Natur, etwa in Baumkronen, würden die geschlüpften Küken dabei auf weichen Boden fallen. „In der Zivilisation sieht das mit Betonboden oder Asphalt leider etwas anders aus“, erklärt Bähker. Daher rät er unfreiwilligen Entenzüchtern, die Tiere noch vor dem Nestbau zu vertreiben. Falls es dann aber doch dazu kommen sollte, dass die Ente eine Brutstätte an- und Eier gelegt hat, dann rät der Ornithologe, nicht in den natürlichen Prozess einzugreifen. „Wenn die Küken nicht überleben, dann lernt die Ente daraus für die Zukunft. So hart das auch klingen mag.“

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