zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

16. Dezember 2017 | 23:34 Uhr

Pfaffenteich Schwerin : Die Einheits-Männchen kommen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ottmar Hörl erinnert mit seiner Kunst-Installation an 25 Jahre Deutsche Einheit und fordert, endlich gedankliche Grenzen zu überwinden.

von
erstellt am 20.Jul.2015 | 06:00 Uhr

So an die 1000 kleine Ampel-Männchen hat Ottmar Hörl mit nach Schwerin gebracht und am Südufer des Pfaffenteichs platziert. „Grenzen überwinden“, nennt er seine Kunst-Installation, mit der er an 25 Jahre Deutsche Einheit erinnern will. Es sind größtenteils grün gefärbte Figuren, denn schließlich ist das gehende Ampel-Männchen auch grün. Es gibt aber auch einige in Schwarz, Rot und Gold – den deutschen Farben.

Dass sich Hörl gerade das grüne Ampel-Männchen für seine Installation ausgewählt hat, hat mehrere Gründe: „Ich war auf der Suche nach etwas Symbolhaftem. Den Trabi wollte ich nicht nehmen, der steht für etwas Untergegangenes. Aber das Ampel-Männchen hat überdauert, ist jetzt auch im Westen zu finden. Und es hat noch weitere Symbolkraft: Die kleine grüne Figur ist in Bewegung, sie streckt die Hand der Freundschaft aus. Ich finde, das passt“, erzählt Hörl . Der gebürtige Hesse ist heute Kunst-Professor, er lebt und arbeitet vor allem in Nürnberg und in Wertheim am Main.

Denn Gesellschaft muss sich seiner Meinung nach entwickeln. Die Menschen sollten aufeinander zu gehen und alte Vorurteile endlich überwinden, betont der Künstler. Hörl vertritt zudem die Auffassung, dass Geschichte nicht als lästiges Randthema betrachtet werden darf. Kunst könne sehr gut dazu beitragen, Geschichte ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Nach dem Desaster zweier Weltkriege und der deutschen Teilung sei es gerade für uns Deutsche wichtig, den Blick auf die eigene Vergangenheit nicht aus den Augen zu verlieren.

Glücklich und ein bisschen überrascht ist Ottmar Hörl darüber, wie offenherzig ihn die Schweriner empfangen haben. „Ich wollte mit dieser Installation eigentlich zuerst nach Leipzig, der Wiege der friedlichen Revolution in der DDR, habe aber vom dortigen Oberbürgermeister eine sehr unfreundliche Absage bekommen“, erzählt der Künstler. Erfurt und Weimar hätten ähnlich reagiert. „Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow dagegen hat mich mit offenen Armen empfangen“, betont er. Hier spiele Kunst im öffentlichen Raum offenkundig eine wichtige Rolle und die Erinnerung an 25 Jahre Deutsche Einheit auch, schildert er seine Eindrücke.

Eröffnet wird die Exposition, die komplett von Sponsoren getragen wird, heute um 11 Uhr am Südufer des Pfaffenteichs. Die Installation ist bis Anfang August zu sehen. Duplikate der Figuren gibt es in der Gallery Berger in der Wismarschen Straße zu kaufen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen