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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. September 2017 | 05:11 Uhr

Streit um Katzensteuer : Die drei „K“ für die Katze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kastration, Kennzeichung, Kontrolle: Diskussion um Katzensteuer wirft Fragen auf, Experten sehen Handlungsbedarf

svz.de von
erstellt am 14.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Ein wenig wie ein Phönix aus der Asche erhob sich vor ein paar Wochen das Thema rund um die Katzensteuer. Die Meinungen gingen weit auseinander: Die einen belächelten das Thema als Irrwitz, die anderen riefen: „Recht so, der Hundebesitzer zahlt ja schließlich auch!“ Die Geister stritten und schieden sich an der Frage um die Steuer für die Katze. Aber war die Diskussion wirklich für die Katz?

SVZ fragt bei den Menschen nach, die sich tagtäglich mit Katzen und dem Tierwohl allgemein beschäftigen. Rasch wird eines klar: So abwegig ist die Diskussion gar nicht, denn das Feld rund um die Mieze hat viele Tücken.

„Wir können ja gerne über eine Steuer diskutieren, aber bei der Anzahl an wilden oder halbwilden Katzen, die es bei uns gibt, ist das unrealistisch. Eine Kontrolle, wem welches Tier gehört, würde schwer. Es sollte lieber eine Chip-Pflicht geben“, bezieht Doris Schiemann von der Tierpension in Holthusen Stellung. Seit vielen Jahren engagiert sie sich für den Tierschutz, ihr geht es in der Diskussion auch darum, den Wert für das Tier zu erkennen. Immer wieder werden Tiere bei ihr abgegeben, die in einem erbärmlichen Zustand sind. Die Besitzer sind oft nicht zu ermitteln, denn es besteht keine Pflicht, die Tiere mit einem Chip zu kennzeichnen und ins Haustierregister eintragen zu lassen. Bei Hunden hilft im Alltag die Steuermarke, bei den Samtpfoten gibt es die nicht.

„Wir werden immer wieder mit Kastrationsaktionen beauftragt, weil es viele streunende Katzen in der Region gibt, die sich unkontrolliert vermehren. Kastrieren dürfen wir, aber die Kennzeichnung ist das Problem. Würde es Geld dafür geben, könnten wir sie auch chippen“, erklärt Andrea Butzmann, Tierärztin aus Dalberg.

Würde es bei der Anschaffung einer Katze die Pflicht der Kennzeichnung geben, dann wäre die Zuordnung der streunenden Tiere kein Problem. Die Tierärztin sieht Länder und Kommunen stärker in der Pflicht, dies auch durchzusetzen. Ansonsten sei eine Steuer ein „Fass ohne Boden“.

Auch das Zufüttern von wilden oder halbwilden Katzen sieht Butzmann problematisch, weil die Population sich so nicht selbst regulieren könne. Das Zufüttern sei Mitleid an falscher Stelle.

Dem Argument, streunende Samtpfoten würden vermehrt den Vogelbestand dezimieren, kann Ulf Bähker vom Naturschutzbund nicht zustimmen. „Die Katze ist zwar ein Räuber, aber der heimische Vogelbestand ist bestimmt nicht durch streunende Katzen gefährdet. Da sollte man die Kirche im Dorf lassen und eher über die landschaftliche Struktur diskutieren, die heimischen Arten schadet“, so der Experte.

Pro und Kontra

pro: Pro

Gleiches Recht

für Hund und Katz

Der Hundehalter zahlt für sein Tier, der Katzenfreund nicht: Diese Ungleichbehandlung springt wohl jedem ins Auge. Den einen Vierbeiner mit einer reinen Luxussteuer zu belegen, den anderen außen vor zu lassen, weil Registrierung, Nachweis und Kontrolle bei Katzen so schwer fallen, ist eine faule Ausrede. So lange eine Hundesteuer erhoben wird, wäre es nur recht und billig, auch Katzenhalter zur Kasse zu bitten.

Es muss aber keine Katzensteuer sein. Das Problem dabei ist das Wörtchen Steuer. Denn Streuern fließen in die öffentliche Kasse, tragen prinzipiell dazu bei, den allgemeinen Finanzbedarf zu decken. Der Steuerzahler hat keinen Anspruch auf eine individuelle Gegenleistung. Das ist übrigens ein Grund dafür, warum die Hundesteuer erst dazu verwendet werden muss, Haushaltslöcher zu stopfen, bevor die Kommunalpolitiker auch nur darüber nachdenken können, ein Hundeklo aufzustellen. Das Beste aus meiner Sicht wäre daher eine Abgabe auf den lieb gewonnenen Vierbeiner zu zahlen, egal ob der bellt oder miaut. Und dieses Geld wird dann für das Tierwohl und die Sauberkeit in der Stadt oder der Gemeinde verwendet – zweckgebunden und ohne Einnahmeüberschuss. Werner Mett

Kontra

Das Pferd von hinten aufgezäumt

Man kann sie lieben, man kann sie hassen. Aber über die Katze als Haustier sollte man noch einmal nachdenken, denn die Rahmenbedingungen scheinen verbesserungswürdig. Wenn eine Tierärztin wie Andrea Butzmann sagt: „Wir brauchen eine Kennzeichnungspflicht, damit wir den Bestand der Tiere besser kontrollieren können“, ist das ein deutliches Signal. Wir haben uns Haustiere gezüchtet, also sollten wir auch die Verantwortung für sie tragen. Katzen sind keine Hunde. Also muss es andere Argumente geben als „Hundebesitzer zahlen eine Steuer und müssen für das Haustier in die Tasche greifen, deswegen sollten dies auch Katzenbesitzer tun.“ Katzen leben als Haustier durchaus freier als Hunde. Sind sie keine Stubentiger, dürfen sich auch im Freien bewegen. Und sind sie nicht kastriert, vermehren sie sich – unkontrolliert. Hinter der Diskussion um die Steuer steckt doch im Grunde die Frage, wie man der wilden und halbwilden Populationen Herr werden kann. Denn wo keine Besitzer, da keine Steuerzahler. Meiner Meinung nach ist in der Diskussion das Pferd von hinten aufgezäumt. Der Weg lautet wohl eher: Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht im Doppelpack, dann vielleicht die Steuer. Sarah Langemeyer

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